Nein, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Weder im privatem noch beruflichem Sinne.
Als öffentliche Person des Gesellschaftsleben muss man schon ein dickes Fell haben und das hat sie wie es scheint immerhin.
Nein, sympathisch ist mir diese Frau nicht, auch nicht wenn sie ein paar gute Aussagen gemacht hat und durchaus richtige Schritte gegangen ist.
Respekt, den grundsätzlichen zolle ich ihr aber schon, aber mehr als das? Eine schwierige Entscheidung, denn die Frage ist, wofür respektiere ich sie dann genau?
Damals als Ziehkind Kohls hat sie sich bei vielen den Respekt geholt, als sie ihren "Vater" vom Throne stiess. Aber war es politisches Kalkül oder Überzeugung? Wohl beides. Doch wenn man genau hinschaut, dann steckt da politisches Feingefühl und ihre auch heute sichtbare Taktik, erst dann den Mund aufzumachen, wenn keine Gefahr mehr droht. So hielt sie es bisher immer und möglichst neutral. Vor allem aber haben vor ihr schon etliche das gesagt, was sie dann abgewandelt als ihren Erfolg verbucht. Das nennt man Machtmensch und politisches Kalkül der ersten Güte.
Ja, sie ist Machtmensch. Politiker ist sie weniger. Sie ist keine die voran geht, immer nur eine die reagiert. Was ihre wirkliche Meinung ist weiss am Ende keiner, da sie die öffentliche, politische, dreht, wie sie es braucht und am sichersten hat.
Beispiel Atompolitik. Erst auf der Linie ihrer Partei, dann scheinbar dagegen, als in Japan der Gau auftrat und das eigene Volk mehr als deutlich Position bezog. Übrigens etwas, was im Ausland kaum einer wahr nimmt, da bis heute kaum über den deutschen Sonderweg gesprochen wird.
Dennoch steht Deutschland in Europa immer und immer wider im Mittelpunkt. Selten aufgrund eigener positiver Entwicklungen, eher als Gegenbild, als das Land, auf das man sich verlassen konnte und wo das Ausland wusste, die da werden zahlen, wenn es keiner tut.
Dies ist auch unsere eigene Schuld, denn unsere Politik hat sich aufgrund der Geschichte zwar bewusst als "Führer" herausgehalten, aber immer ohne murren gezahlt. Doch die Zurückhaltung in der Krise konnte unserein nie halten, denn wir wurden gedrängt die Krise zu meistern, also die Führung zu übernehmen. Und wir taten es. Doch Dankbarkeit hörte man selten.
Ein Paradox das auch aus dem deutschen Selbstwertgefühl und Verständnis entstanden ist. Schliesslich haben wir nicht nein gesagt und haben sogar ordentlich geholfen, mit Ideen, mit Vermittlungen, mit finanzieller und aufmunternder Hilfe. Mit viel Verständnis und immer dem Willen, ja nicht als böse Deutsche da zu stehen.
Mag Frau M auch zögerlich sein, sie hat gute Arbeit in der Aussenpolitik gemacht, Kompromisse gesucht und auch unpopuläre Entscheidungen errungen und nimmt dafür die Schelte in Kauf, obschon viele unpopuläre Entscheidungen, die in Brüssel getroffen wurden, sehr wohl im Sinne der Teilnehmerländer waren, nur dass diese dies nie laut von sich gaben. Gerade auch in der Griechenland Krise. Aber hier beginnen die Fehler oder auch Missverständnisse. Und die Fragen, die bis heute unbeantwortet blieben. Was ist ihr roter Faden? Was sagt ihr Weitblick?
Hier zeigt sich, wie wenig wir eigentlich von der Agenda der Frau M. selbst wissen. Wir kennen nicht wirklich ihre Visionen, da sie es geschafft hat, immer das Gefühl zu vermitteln, sie hätte eine, aber diese nie in Worte nannte und uns doch zugleich mit Worten einhüllte.
Worauf begründet sie ihre Entscheidungen? Sie gibt sie nicht öffentlich und ein Bauchgefühl in Sachen Ehe für Alle ist eine denkbare schlechte Erklärung für ihre Schritte. Ist es noch Parteipolitik oder schon Landespolitik? Oder gar keines von beidem und nur ihr reiner Machtinstinkt?
Der scheint vorhanden, aber ein wenig verblendet gerade. Oder doch zumindest wenig an der Realität des allgemeinen Bürgers gemessen zu sein.
Es gibt ein Paradox, das sie seit den Anfängen begleitet. Die Sicht auf Frau M ist im Ausland teils völlig anders als bei uns selbst. Sie ist geliebt, gefürchtet und verhasst. Sie verbindet alles in sich und ist damit in der politischen Beliebtheitsskala immer oben, egal was sie tut und egal wieviel sie tut. Sie wirkt verlässlich, egal wie.
Und bei uns? Sie war so lange die beliebteste, solange sie möglichst nichts sagte und keine als zu klare und deutliche Position einnahm, selbst wenn ihre Inlandspolitik als teils katastrophal, schleppend und schwerfällig gilt und gelten kann. Jetzt aber, wo sie, wenn auch spät und mit Fehlern, auf einmal ernsthaft Stellung bezieht, zu einem Thema, das gefühlt alle betrifft, hier auch noch Klarheit zeigt, wenn auch kaum ein Konzept; da sinkt ihre Beliebtheit und sie steht im Kreuzfeuer der Bandstifter, die sie all zu lange gewähren liess.
Und eine weiter Seite zeigt sich hier. Sie kann nicht gut mit Worten, sie kann nicht gut mit Menschen, die spontan reagieren.
Neulich zeigte der Spiegel sie als Mutter Theresa. M. als Heilige, denn für viele ist sie ein Sinnbild als solche. Für die eigenen im Lande aber weniger und wüssten es mehr Menschen im Lande, dann würden sie das Bild der Frau M. als Mutter Theresa sogar begrüssen, denn Mutter Theresa war alles andere als eine liebenswerte, heilige Frau. Ihr Orden war kein Heilsorden, aber wusste sich zu verkaufen. Ihre Kinderheime waren ein Graus, denn in Armen Länden gibt es nicht viel, wenn man nicht selber zahlt und das haben die Mitglieder diesen Ordens nie. Geld kam massenhaft in die Kassen, alleine mehrere Millionen in den USA, wie ehemalige Nonnen berichteten. Doch ausgegeben wurde davon nichts, nicht einmal, wenn sie auf Missionsreisen waren. Hotelkosten, Verpflegung, das hatten selbstverständlich die Anderen zu übernehmen.
So ist Mutter M., als Mutter Theresa unabsichtlich doch im rechten Licht geboten worden. Denn Frau M. hat Killerinstinkt und jeglichen Nachfolger bisher aus dem Weg geräumt. Jedoch fehlt nun ein kompetenter Mann oder auch Frau, die das Land reagieren könnten und wollten.
Könnte das auch der Grund sein, warum sie gerade jetzt politisch Stellung bezieht, und das gegen Gegenwind? Oder war es ungeplant und aus einer einfachen Aussage im Sinne der Menschlichkeit und deutschen Geschichte, ist sie gefangen und gezwungen, wieder einmal das Land in einer Krise dieses Europa zu schiffen, gegen den Führungswillen?
Auch hier wird am Ende das Paradox sie begleiten, egal wie es ausgeht, sie hat reagiert und doch gibt es keine Alternative die sich hervortat und so wird sie gut und gerne weiter auf ihren Posten bleiben können, von allen gefragt werden, auch wenn der Wind schärfer sein dürfte und es merklich mehr Menschen ihr Gesicht zu erforschen ersuchen werden. Denn es ist kaum ein Zufall, das die Menschen immer öfter auf die Strasse gehen und Stellung beziehen. Zwei Strömungen zeichnen sich dabei ab, eine die einer Diktatur gleich denkt und eine die eine besser Zukunft will und diesmal aus den Fehlern gelernt haben möchte. Auf welche Fährte wird sich Frau M. setzen und wird sie erkennen, das sie hier ihre Chance hat, wirklich Visionär agieren zu können, auch wenn sie nur reagiert, statt regiert.
Wer respekt will, muss ihn sich erarbeiten heisst es oft. Aber was verdient Respekt? Der blosse Machterhalt? Die Fähigkeit im Sturm nicht unterzugehen, auch wenn man einfach nur gezwungen war dafür zu sorgen? Oder der Erkenntnisgewinn und die Nutzung diesen?
Nein, ich möchte nicht an ihrer Stelle stehen. Alle diese Kompromisse, Menschen die an einem zerren, Lobbyisten die sich ständig aufdrängen. Und dann die Frage, wieviele Hände waschen hier einander, wenn wir weltweit im Grossen, wie im Kleinen vernetzt sind? Wie kann sie klare Worte wagen, wenn sie gerade wegen undeutlichem Genuschel für Frieden im eigene Lande sorgen kann? Doch wie lange geht das gut?
Vermutlich weiss Frau M., dass die Zeit der Rücksichtnahme vorbei ist und wir alle mit, denn wir sehen wie die Länder in Europa agieren, reagieren, reden und handeln. Vielleicht ist es an der Zeit auch für Frau M. mehr als ein paar klare Worte zu wagen, sondern auch Widerworte auszusprechen. Ihrer Popularität in Umfragen wird es weiter schaden. Ihrer Wiederwahl wohl eher nicht. Doch es ist mehr als die Frage einer Popularität auf dem Spiel. Es ist die Frage nach der nächsten Zukunft. Fremdenhass, Feigheit, Dummheit oder wahre Aufklärung, Emanzipation und Toleranz mit Selbstkritik und klaren Blick, der Fehler berücksichtigt und Ehrlichkeit erlaubt und den Menschen wieder ein farbiges Sehen ermöglicht.
Frau M., ihre Leiden sind nichts gegen die, die kommen werden, wenn sie nicht wissen, welchen Weg sie einschlagen sollten, wenn es um eine lebenswerte Zukunft geht. Aber - was ist eigentlich für sie lebenswert Frau M.?
Euer TomLove