Montag, 28. Dezember 2015

Zukunft Pflege?!

Ein Rückblick auf das Jahr in Bezug auf die Pflege- vor allem der Altenpflege, der Pflege in Heimen. 
Was hat sich verändert, was gebessert, was gab es neues, wie steht es nun?
Wie in jedem Jahr fragt man sich, wird es endlich besser werden? Werden wir die Wende schaffen und wieder gute Pflege bewerkstelligen können?
Anfang dieses Jahres gab es grosse Demonstrationen vom Pflegepersonal selbst, unterstützt und gefördert von Verdi. Wenn auch erst einmal nur für den Krankenhausdienst. Das gab Hoffnung, denn der Streik war nicht nur nicht kurz, sondern auch deutlich und in den Medien auch sichtbar. 
Fast zeitgleich streikten die Kollegen, die sich um die Betreuung der Kinder kümmern.
Interessanterweise erhielten diese viel Unterstützung vom Volk, jedoch nicht die Pflegekräfte. Ihnen wurde vorgeworfen, moralisch negativ zu handeln und egoistisch zu sein. Doch gleichzeitig möchte jeder die beste Pflege haben und gibt doch der Grossteil der Bevölkerung an, wie viel Respekt sie hätte.  
Den Pflegekräften kommt aber nach dieser Erfahrung der Beigeschmack des -Ich bin ja nicht dagegen, aber... sehr zum Kotzen. Um nicht zu sagen- sie sind sauer, wütend und sehr enttäuscht. 
Jahrelang schon müssen sie sich schikanieren, ausbeuten und auspowern lassen und nun hatten sie endlich einen Teil der eigenen Moral gebrochen, der falsch verstandenen wohl gemerkt und sich endlich besonnen und daher wirklich sichtbar gemacht und dann wirft man mit Steinen! 
Viele hat das verschreckt und so ist aus dem hoffnungsvollen Protest keine landesweite Bewegung geworden. Lieber Protestierten immer mehr vom Volke immer lautstärker gegen vermeintliche kriminelle Ausländer, statt diese willkommen zu heissen, denn nicht wenige von diesen arbeiten in der Pflege und wir benötigen noch viel mehr von ihnen. 
Im eigenem Lande wollen immer weniger gelernte Helfer und Fachkräfte unter diesen schlechten Bedingungen der letzten Jahre weiter arbeiten. 
Dann kam das 2. Pflegestärkungsgesetz und die Politik verkauft dieses als vollen Erfolg. Dabei ist dieser weder abzusehen, noch sehr wahrscheinlich. Es ist ein Gesetz, was an Symptomen ansetzt, aber nicht an den Ursachen. Es soll die Finanzschwierigkeiten im Rahmen halten, löst aber nicht die Finanzproblematik und es hilft dem Personal gar nicht. Es missachtet ausserdem die aktuellen Entwicklungen auf dem Gesundheitsmarkt. 
Die sehen wie folgt aus nach dem aktuellem "Pflegeheim Rating Report 2015", einer Studie, die von RWI, Philips Healthcare und der hcb GmbH erstellt wurde, basierend auf einer Stichprobe von 469 Jahresabschlüssen von Pflegeheimen, die ca. 2250 Heime umfasst und zudem amtliche Daten des Statistischen Bundesamts aller rund 13000 Pflegeheime, 12700 ambulanter Dienste und 2,6 Millionen Pflegebedürftigen mitzählt: Bis 2030 wird es ca. 3,5 Millionen mehr pflegebedürftige Menschen geben und somit benötigen wir eine Investition von ca. 80 Milliarden Euro und zusätzlich 345.000 Pflegekräfte.
Hinzu kommt, dass es immer mehr leichte Pflegefälle sind, die in die Heime kommen, da die Krankenhäuser eine Art "Outsourcing von Pflege" betreiben. Dies stellt viele Heime bereits jetzt vor immensen finanziellen Schwierigkeiten, da der Arbeitsaufwand und der Personale höher ist, als die Einnahmen, die diese Pflegefälle bringen. Gleichzeitig wird gerade von Pflegeheim-Ketten das Gewinnstreben verschärft und so geht die Pflege immer mehr Richtung - Ausbeutung auf Kosten von Personal (Kürzen und Nichteinstellung inbegriffen) und Betroffenen-. Da bleibt es nicht aus, das Dinge immer wieder in's Hintertreffen geraten, die Qualität der Pflege auf der Strecke bleibt und sich Angehörige, Betreuer und Betroffene immer öfter beschweren, bei einem Personal, das immer öfter kaputt und ohne Energie ist. Der Kreislauf der demotivierten Pflegekräfte und des damit erhöhten Krankenstandes und massiven Personalwechsels geht immer weiter und immer tiefer in die Schlucht und somit immer schneller in die negativen Ergebnisse an der Oberfläche. 
Es gibt durchaus Bemühungen von Pflegeleitungen und Heimleitungen, hier Besserung zu erreichen, jedoch, wie weit kann man kommen, wenn man kein Geld hat, nicht aus dem Vollen schöpfen darf und kann und einem schlicht Personal fehlt, obschon man zuviel hat laut Personalschlüssel, weil sich Theoretiker die Regeln ausgedacht haben, und dabei Menschen in den Schlüssel einbinden, die in der aktiven Pflege gar nicht arbeiten? Wenn ich dann noch immer öfter schlecht bis wenig qualifizierte Kräfte habe, weil ich zu wenig Gehalt biete und die guten Pflegekräfte, vor allem Fachkräfte sich wegdrehen und dahin gehen, wo sie endlich mehr Gehalt bekommen, dann kann ich auf Dauer auch als neues Heim nichts stabiles aufbauen, gerade dann, wenn ich auch noch unter Zeitdruck bin, denn schliesslich muss ein neues Heim in der Regel nach drei vier Jahren laufen, was immer seltener der Fall ist. 

Und jetzt noch einmal das Ganze mit der Anforderung, innerhalb der nicht einmal nächsten 15 Jahre 345.00 Pflegekräfte zu benötigen.
Wie soll das gehen? Dafür hat die Politik, haben die Vereine, immer noch keine wirkliche Antwort. Obschon das Problem seit mindestens 10 Jahren bekannt ist. 
Ja, wir bilden in China und Ungarn, in Polen und in anderen Nachbarländern aus, rekrutieren aus Portugal und Bolivien Personal und die Träger beginnen sogar, ihnen Deutschunterricht zu stellen, sowie Wohnungen für den Übergang, doch das wird bei weitem nicht reichen. 
Da könnten die viele neuen Flüchtlinge bei Eignung durchaus als Pflegehelfer in Heimen tätig sein, doch bisher versäumt der Staat, also die Politik, hier endlich Struktur und Ideen hinein zu bringen. 
Potential, das gerade verloren zu gehen droht. 
Doch Politik ist das Eine. Die Menschen im Lande sind das Andere. Wann endlich werden sie gemeinsam mit den Pflegekräften kämpfen, wann ihre verlogene Respektbekundung zu echtem umwandeln? Können die Pflegekräfte darauf hoffen oder müssen sie trotz allem alleine weiter kämpfen, obschon viele des Überlebenskampfes müde sind? 

Was bleibt uns da, ausser endlich mehr Technik einziehen zu lassen, Roboter aus Japan zu importieren und zu begreifen, das Netzwerke die Pflege sichern müssen?! Denn aktuell scheint dieser Weg einer der ganz wenigen machbaren. 

Gibt uns das Hoffnung, wo uns die Zeit davon rennt? 
Pflege ist heute schon ein Drei -Klassen -System in der Altenversorgung. Die Armen Bürger landen in den schlechten Häuser, dann die, wo sich ein Grossteil der Bevölkerung einfinden wird, wo die Qualität aber sehr schwankend von gut bis schlecht ist und immer droht vollends zu kippen und das Personal nie zur Ruhe kommen wird und die Heime, die gar nicht wie solche aussehen, denn hier können die Bedürftigen zahlen und beste Leistungen und Umgebung bekommen.  
Die Hoffnung schwindet. Mit jedem Jahr mehr. Der Druck wächst und selbst die Kräfte, die Menschen, die sich wirklich allergrösste Mühe geben sind schon längst an ihren Grenzen angekommen. Sie versuchen zu erhalten, zu beruhigen, zu beschönigen, zu verteidigen und Lösungen zu finden. Sie arbeiten mit dem was ihr Kopf bietet und was ihr Herz sagt und hören doch nicht auf ihre Gesundheit, auf ihr Familienleben und geben fast alle am Ende auf oder weg. 
Die Bewohner selbst in Heimen mögen gelegentlich scherzen, das man verrückt sein müsse, um in einem Heim zu sein, doch sie meinen nicht sich selber, sondern das Pflegepersonal. 
Sie haben recht. 
Auch unsere Zukunft, die Auszubildenden leiden unter alle dem stark. Die Qualität der Ausbildungen in Deutschland ist gesunken und sinkt weiterhin. Was nicht verwunderlich ist, wenn sie als volle Kräfte arbeiten - verbotenerweise, aber kaum bis gar nicht angelernt werden.
Damit das besser wird, wird von der Politik versucht, alle Ausbildungen in einen Topf zu werfen und es wie im Ausland zu machen. 
Zwei Jahre lernen alle alles, dann drei Jahre Spezialisierung. 
Grundsätzlich nicht falsch, aber es verkennt die Lage, in der wir uns befinden, auch weil die Politik seit Mitte der 90ziger Jahren die Ausgaben für Ausbildungen gekürzt hat und dies u. A. genau zu dieser Problematik geführt hat. 
Wir brauchen aber schnell und effektiv in den einzelnen Bereichen Pflegehelfer und Fachkräfte. Wir brauchen wieder eine Pflegehelferausbildung, die mindestens ein bis zwei Jahre geht und nicht nur 40 Stunden. Es kann nicht sein, das man als leitende Fachkraft beständig Personal anlernen muss, was ausgelernt sein sollte. Der Aufgaben gibt es so schon genug, ohne das man hinterher kommt. 
Einen grossen Teil der Aufgaben sind, das ist allgemein bekannt, unter Anderem Schreibarbeiten, Dokumentationen. Hier können wir endlich sagen, läuft seit einem Jahr ein Projekt mit ca. 200 Heimen, in denen die Entbürokratisierung versucht wird. Leider haben sich Politik, Vereine und Kassen immer noch nicht einigen können, wie sie diese dann bei Kontrollen bewerten wollen und sollen. 
Aber sie reden lieber davon, das sie doch schon soviel Neues verabschiedet hätten. 1. und 2. Pflegestärkungsgesetz, das sei doch ohne Frage sehr gut gelaufen.
Mehr Pflegestufen nach dem Pflegestärkungsgesetz bringt aber keine Erleichterung in der Pflege und höhere Beiträge erhalten deswegen auch nur wenige von den Kassen. Es wird anzunehmen sein, das es genau anders herum laufen wird. Die Kassen wollen schliesslich Geld sparen, denn die Einnahmen sind kostbar. Zudem soll der neue Kontrollkatalog, der die Pflegeheime selbst und deren Arbeit bewertet, bis 2018 eventuell fertig sein, doch schon jetzt befürchten viele in der Pflegebranche, das auch dieser am Kern vorbei kontrollieren wird, statt Pflege zu sichern in guter Qualität. Theorie und Schreibarbeiten zu kontrollieren und ob die Akten brav geführt werden, sichert keine Qualität, noch weist sie diese nach. 
Jetzt gibt es auch noch die Forderung einen neuen Stellenschlüssel festzuschreiben. Dagegen formiert sich bei den fast vorwiegend privaten Trägern heftigster Widerstand. Verständlich, denn Personalkosten sind die höchsten Kosten die es gibt. 
Aber das ist ja nicht alles: Mehr sollte den Kräften auch gezahlt werden, doch noch weigern sich die Träger fast durch die Bank hinweg. Selbst staatliche Träger. Dabei sollte die Erkenntnis längst gereift sein, das ohne dieses Entgegenkommen kein Nachwuchs zu bekommen ist. Der angebliche Lohn von 3300 Euro, den es durchschnittlich gäbe, den die Politik verlautbaren lies, der wurde nicht allein mit dem Gehalt der Pflegekräfte berechnet. Die Meisten kommen zwischen 2000 und 2200 Euro pro Monat (ohne Abzug). Selbst wenn sie schon fast 20 Jahre in der Pflege arbeiten. Mit ca. 1300 Euro in der Kasse pro Monat lässt es sich keine grossen Sprünge machen, noch ein Gefühl der Wertschätzung erreichen.
Ganz klar das dann kaum einer gerne dafür auch noch unbezahlte Überstunden in Kauf nehmen möchte, oder nur 14 Tage am Stück Urlaub, wo doch das Arbeitsrecht mehr vorschreibt. Geschweige denn das man aus dem Urlaub zur Arbeit kommen muss und dann wieder Urlaub haben darf. Sprich, Unterbrechung des Urlaubes für ein oder zwei Tage. Wo gibt es so etwas, ja in der Pflege! Wer möchte schon dafür auch noch beschimpft, geschlagen, geruchsbelästigt, bespuckt und bemängelt werden? Nicht einmal Ärzte nehmen das Pflegepersonal ernst, obschon gerade ältere und langjährige viel besser die Lage ihrer "Kunden" einschätzen können.
Natürlich gibt es auch schöne Tage in der Pflege, Erfolgserlebnisse und gute Teams gelegentlich, aber fast alles wird vom Alltag sprichwörtlich aufgefressen und somit auch die Motivation. Selbst wenn ein kleiner Rest übrig bleibt, so ist er sehr zerbrechlich und schnell geschunden. 

So ist dieser Rückblick eher hoffnungsvoll im Anfang, doch fragend am Ende. 
Hat die Pflege eine Zukunft?
Natürlich hat sie diese, aber wie sie sich gestalten wird, liegt immer noch sehr im Nebel. 
Es wird damit dringend Zeit zu handeln und zwar ernsthaft und sollte eine der wichtigen Aufgaben für die Politik, die Krankenkassen und Versicherungsträger, sowie Heimträger sein, hier endlich umzudenken, zu handeln und dabei Menschenwürde wieder im Blick zu haben, denn diese ist verloren gegangen. Der Blick muss weg vom Geld als Gewinn und hin zu Investition in eine Branche, derer wir auch in Zukunft, und da könne wir sicher sein, bedürfen.  2016 sollten aber auch die Pflegekräfte endlich laut aufschreien, sich endlich gegen alle Widerstände auf die Strasse wagen und sagen: STOP, ES REICHT! ÄNDERT DAS SYSTEM!. Schliesst Euch endlich alle zusammen, denn Vereine habt ihr genug gegründet! Arbeitet und kämpft endlich gemeinsam. Seid laut, seid aggressiv, seid sichtbar und zeigt Stärke! Sitzwachen und auf Plätzen liegen reicht lange nicht aus. Ruft laut in den Wald hinein, damit auch der Letzte euch hört, egal, ob er will oder nicht, denn alt und krank werden wir alle einmal. Fordert den Respekt ein, fordert die Beteiligung eurer Mitbürger und wenn sie sich weigern, dann schimpft sie endlich Lügner! Die Ignoranz der Pflege gegenüber muss aufgebrochen werden. Zwingt eure Familien endlich euch ernst zu nehmen! Zeigt der Welt draussen, das Statistiken der Lobbyisten der Wahrheit Lügen straft. Wenn ihr Veränderung wollt, dann müsst ihr sie einfordern, sonst nimmt man Euch zurecht nicht ernst und wird euch weiter als Fussabtreter benutzen. 
Seid es euch endlich selbst wert, euch zu schützen und zu verteidigen!

Euer TomLove




















Dienstag, 8. Dezember 2015

Die Leiden des Abends

...oder doch eher die Leiden der Unnormalität? 
Eine Frage, die sich nicht so einfach stellen lässt. Gerade wenn es um die menschliche Psyche geht.
Aber einen Einblick will ich gerne in meine Gedanken gewähren. 
Aus dem Berufsalltag der Pflege, genauer der Altenpflege. 
Dieses eine Mal nicht darüber, wie wenig doch noch arbeiten. Nein, auch nicht wieviel wir uns abrackern. Wie wenig wir verdienen oder wie sehr wir von der Politik enttäuscht sind und wie sehr der Personalschlüssel eine Lüge ist.
Pflege bedeutet nicht nur Medizin und Waschen. Sie bedeutet auch den Menschen und seine Bedürfnisse zu sehen und sie zu erkennen. 
Gerne würde ich sagen ich habe alle Zeit der Welt, vor allem für die, die es ganz besonders brauchen. Für die, die eigentlich rund um die Uhr jemanden brauchen, damit sie noch zurecht kommen. Für die, deren Geist sich auf Wanderschaft begeben hat, ganz unmerklich manchmal, manchmal aber auch ganz klar und doch unbeliebt gewesen und somit ignoriert, dass er seinen eigenen Kopf hat. Für Menschen, denen die Erinnerung an fast allem fehlt, an das Heute, Morgen, Gestern und bald auch Vorgestern. Ja, es währe schön Zeit zu haben für gerade diejenigen, die umherwandern und nach uns ausschau halten, da ihr Kopf voller Fragen ist, die sie nicht beantworten, oft auch nicht mehr richtig stellen können. 
Die Seele leidet sichtbar und die Emotionen schwanken hin und her, doch können sie nicht mehr erfasst, benannt und eingeordnet werden. Der Gang wird unsicher, das Essen - wie geht es doch gleich noch einmal und was heisst rechts entlang den Flur, das letzte Zimmer links? Da kommt die Angst in ihnen hoch und sie wollen nicht alleine sein, doch können keine Minute still sitzen, weil sie dann noch mehr Angst bekommen. 
Ein Kreislauf beginnt und endet nie wieder. Als Pflegekraft weiss ich, so ein Mensch braucht jemanden, der ihn rund um die Uhr an die Hand nimmt und beruhigend, ermunternd und geduldig leitet. Aber mir fehlt die Zeit. Ich versuche zu helfen wo ich kann, doch mein Nervenkostüm ist angespannt. Es sind dreissig weitere Personen zu pflegen, zu beachten, zu umsorgen und drei oder vier davon sind diesem Menschen ganz ähnlich. Sie können sich alle theoretisch waschen, kleiden, essen und trinken, gehen und liegen, sitzen und stehen und doch können sie es nicht, denn es muss ihnen gesagt werden. Gezeigt werden oder sie brauchen Anleitung, samt Hilfe, Handreichung und Verbesserung. 

Alt sein ist nichts für Feiglinge heisst es und so ist der Körper oft noch gut erhalten, doch der Geist, der will nicht mehr. Wohl auch die Seele, doch sie ist im Zwiespalt. Leben oder gehen?

Was also machen ich und meine Kollegen. Wir setzten uns hin, helfen und reden, mal mehr ruhig, mal mehr gehetzt, mal voller Verständnis, dann wieder genervt, da wir zum fünften Mal oder mehr das Gleiche sagen müssen, den Rollator holen oder in's Zimmer begleiten, obwohl wir keine Zeit dazu haben, sie nicht abgerechnet werden kann, auch nicht nach dem neuem Pflegestärkungsgesetz. 
Nicht ausreichend sind wir und doch heisst es wir sind zuviel Personal. 
Aber darum geht es jetzt nicht, sondern um die Zuammenarbeit mit Ärzten, denn wenn wir nicht weiter kommen und doch die Sicherheit und Würde wahren wollen, dann brauchen wir sie, die Neurologen und Psychologen. 
Leider aber erweist sich diese Berufsgruppe als sehr schwierig, als Verantwortungs- und Handlungsscheu. Man wird den Eindruck nicht los, das sie Arzt werden wollten, aber ohne Verantwortung tragen zu müssen, dann aber feststellen, das sie es doch mit echten Menschen zu tun haben und als Reaktion entweder die Betroffenen ignorieren oder zuschiessen, also unter Drogen setzten. Denn wenn sie die Menschen ernts nehmen täten, bedeutet das sehr viel Arbeit für sie, was sich dann weniger rentiert. So hat das Pflegepersonal das Problem, das es mental eingeschränkte Menschen beruhigen oder vom Laufzwang befreien möchte und von der inneren Unruhe, der Angst und den Depressionen, doch es findet kaum bis gar kein Gehör und wenn dann doch etwas verschrieben wird, so schauen die Ärzte selten genauer hin, oder verschreiben nicht das was man ihnen nahelegt, denn wir als Personal beschreiben sehr genau oftmals die Symptome, die Leiden und wissen meist was geeignet währe. Schliesslich haben wir eine fundierte Ausbildung und oft auch jahrelange berufliche Erfahrungen vorzuweisen. Aber was soll man machen, wenn selbst nach mehrfacher Rücksprache nicht das verschrieben wird was es bräuchte, wenn einer Einweisung zur medikamentösen Einstellung im Krankenhaus der Arzt selbst im Wege steht, weil er sich weigert, die Sorgen und Nöte des Personals in Vertretung des Betroffenen ernst zu nehmen? 
So gut wie es ist, das unser Gesetzt den Menschen vor Willkür schützt, so stehen wir doch oft machtlos da und können den Menschen ihr Leiden nicht abnehmen, da uns die Hände gebunden sind. Wenn dann noch Angehörige kein Einsehen in die Situation und den daraus resultierenden Notwendigkeiten haben, wird es besonders belastend für die Betroffenen, deren Umgebung und damit Mitpatienten und auch für das Personal. 
Menschenwürde, welche das Grundgesezt garantiert, ist dann oft am weg galoppieren.  

Der Markt bietet massig an Psychopharmaka und doch nutzt die entsprechende Ärztegruppe kaum die Vielfalt, kümmert sich nicht um den neuesten Wissenstand und sorgt für angepasste Versorgung, denn nicht nur Medikamente sind zu verschreiben und das wissen sie auch, tun es aber nicht. Sie nutzen fast nie die Möglicheiten, die es gibt, Betroffene adäquat zu betreuen und Menschenwürde sicher zu stellen. Ja, oft erweckt es den Eindruck, dass die Ärzte diese Thema völlig ausblenden. 
Viele Neurologe und Psychologen verschreiben leider meist auch noch exakt das, was auch jeder Hausarzt mit seinem Wissen verschreiben würde. Es sind allgemeine Psychopharmaka. Es sind Medikamente, die vor allem komplett ruhig stellen, müde machen oder Gefühlstaub. Es sind aber keine, die der Situation angepasst sind, ihr Rechnung tragen, sondern nur die Situation überbrücken können, bis das Richtige gefunden ist. Doch soweit kommen Hausärzte in der Regel nicht und Neurologen und Psychologen sorgen es oftmals nicht dafür. Aber sie sollten Spezialisten sein und genau hinschauen, statt allgemein und unter Umständen schlecht verträgliche Substanzen zu vergeben. Sie sollten Depressionen erkennen und behandeln, statt das Personal nicht ernst zu nehmen, wenn es über eindeutige Anzeichen dafür berichtet. Oft erleben wir auch, das Ärzte kommen, wenn die Betroffenen schlafen oder gerade in der Ruhephase sind und erklären uns dann, es sei doch alles normal. Leider erleben wir das auch bei Noteinweisungen in ein Krankenhaus, das Ärzte ignorieren, das die Betroffenen ruhig gestellt wurden und uns diese zurück schicken, mit dem Vermerk, sie seien gesund. 
Liebe Psychologen und Neurologen- es währe schön, wenn wir endlich einmal im Sinne Eurer Kunden arbeiten könnten und handeln täten! Eure Branche hat leider zu recht den schlechten Ruf und ruiniert seit Jahren das Glück vieler Menschen. Viel zu lange müssen wir auf die richtige Behandlung warten. Viel zu viele von Euch nehmen ihren Beruf nicht ernst genug. Es ist eine Schande! Ja, man muss es so nennen. 

Doch vorerst wird das Pflegepersonal weiter nur versuchen können, für jeden einzelnen Fall zu kämpfen und immer wieder zu hoffen, das es doch diesmal gehen würde. 

Euer TomLove