Sonntag, 9. Oktober 2016

Post zum heiligen Sonntag

Wie immer, stehe ich früh auf und mache mir meinen Kaffee. Die Sonne am Horizont gerade am Aufgehen und den Tag erhellend, wärmt sich während dessen mein Brötchen auf. Die Butter steht schon geduldig auf dem Tisch, als auch die Marmelade. Nun schnell noch die Milch raus.
Den kleinen Luxus gönne ich mir. Jeden Morgen, meist so ab fünf Uhr, aber gelegentlich auch etwas später. 
Zu dieser frühen Tageszeit scheint der Tag lang und unendlich und ich habe die Ruhe weg. 
Später dann geht es zum Sport, denn heute ist einer meiner freien Tage, wo ich bereits am Morgen mich leiblich ertüchtige. 
Auf dem Weg zum Studio komme ich an Häusern und ihren Gärten vorbei und so sehe ich, wie der Herbst seinen Einzug hält; die letzten Blumen blühen, die Blätter welken und sich die Apfelbäume vom Gewicht der Früchte biegen. Geradezu zum Greifen nah. 
Und da, dann auf der gegenüberliegenden Seite sehe ich ein fast schon märchenhaftes Bild. 
Ein Rehkitz, samt Mutter und einem jungen Hirsch, der auf dem Rasen des Grundstückes sitzt. Ruhig schauen sie in meine Richtung und beobachten mich, schätzen ab, ob ich eine Gefahr sein könnte oder nicht. 
Nun wünschte ich, ich hätte mein Handy dabei, aber wie ich nun mal bin, habe ich es daheim gelassen. Man muss nicht überall erreichbar sein. 
Das sehen viele allerdings anders.
Doch trotz des Hinweises es nicht zu tun, wird immer wieder im Sportstudio telefoniert, und da könnte ich mich immer wieder ärgern, aber dann denke ich mir, erstens ist es sinnlos und zweitens sind die Herrschaften eher zu bedauern, das sie glauben nicht ohne es leben zu können. 
Unsere Abhängigkeit von dieser Technik ist schon mächtig. 
Oder besser gesagt, wie sehr haben wir uns von ihr abhängig machen lassen.
Geht einmal das Internet nicht, ist man wie abgeschossen, sitzt vor dem Bildschirm und fragt sich was nun? 
Ach ja, lesen könnte man ja mal, aber warum geht jetzt das verdammte Internet nicht!
Rastlosigkeit steigt auf und ich bin immer wieder dankbar, das ich mir dessen bewusst bin und dem entgegentreten kann. Ja, lesen! Oder einfach Musik, oder lernen oder doch einfach noch mal raus in den Park. 
Dann kann man auch Wunder der Natur erleben, wie diese Stadthirsche, denn in der Stadt leben sie sehr wohl.
Ich muss lächeln und denke wieder mal, das manche Augenblicke eben nicht fotografiert, sondern genossen werden wollen. Einfach so. 
Wie bei dem Igel, der über die Strasse lief und von weitem erst einmal wie eine Ratte aussah, da er so flink war. Doch auch hier lohnte sich noch einmal genauer hinzuschauen. Die Wirklichkeit dem eigenem Auge bewusst machen und dem Kopfe, der meint das geht doch gar nicht. 
Ja, dieser brabbelnde, babbelnde Kopf redet ganz schön viel dummes Zeug zuweilen. Gut wenn man ihn im Griff bekommt. Sonst währe ich niemals so früh aufgestanden oder gar zum Sport spaziert. 
Der Weg dahin ist ja praktisch ein Aufwärmtrainingsspaziergang. Zwanzig Minuten stramm Marschieren und das bei jedem Wetter und gleich mal Kalorien verbrauchen. Was mich daran erinnert, das ich neulich las, das Gedanken durchaus mehr Wirkungskraft haben als so manch einer glaubt. Sportwissenschaftler haben nämlich herausgefunden, das man sehr wohl Kalorien verbraucht, wenn man seinen Spaziergang als Sport betrachtet, jedoch nichts oder nur wenig verbraucht, wenn man denkt, das ist blos ein Spaziergang. Der Körper tut ja schliesslich, was der Kopf sagt. Noch schöner wird es, wenn die Herren Wissenschaftler auch noch erzählen, das Laufen und schnelles Gehen etwa gleich viele Kalorien verbrauchen. 
Wie schön, ich mochte noch nie das Rennen! 

Euer TomLove