Freitag, 21. August 2015

Sterben werde ich, aber wie?

Die Frage, die sich die Meisten von uns nicht gerne stellen. Wollen wollen wir nicht, doch müssen werden wir wohl alle. So wie es zurzeit aussieht, lebt keiner ewig, auch wenn einige noch so alt werden mögen, das wir uns schon unbesiegbar wähnen. Doch der Tod selbst stellt meistens gar nicht das grosse Schrecken dar, sondern das Sterben selbst. Unsere Angst vor Einsamkeit, Schmerzen, Hinsiechen, Hilflosigkeit und die Dinge nicht mehr unter Kontrolle haben zu können. 
Schon allein die Frage, ab wann denn das Sterben beginnt ist eine eigenständige Diskussion. Vor allem kann sie immer wieder von Vorne beginnen, da wir in den letzten Jahren und auch in Zukunft unser Sterben und seinen Werdegang immer besser verstehen und weil wir es so lieben, immer mehr aufdröseln. Das heisst, das wir nicht nur einfach vom Sterben reden, sondern ihn auch noch in Phasen einteilen und diese werden immer mehr, denn unser Wissen wird immer detailreicher. 
Aktuell wird im November der Bundesrat eine Änderung des Gesetzes zur Sterbehilfe diskutieren. Es soll die Hospizarbeit gestärkt und geschützt werden, also die Palliativmedizin in sichere Ufer gebracht werden. Der grosse Knackpunkt ist die Sterbehilfe, welche bereits in verschieden Arten eingeteilt ist, um sagen zu können, wie genau man hilft und helfen darf. Hier nun scheiden sich die Geister erheblich.  Darf ein Mensch einen anderen Menschen helfen sich umzubringen, sich Leid zu ersparen oder die Lebenszeit zu verkürzen? Darf ich das, wenn mich jemand darum bittet? 
Die Wahrscheinlichkeit, das jemand für eine aktive Sterbehilfe ist, steigt, wenn man Erfahrungen mit Krankheit, Leid und Hilflosigkeit, sowie Hoffnungslosigkeit gemacht hat. Auch Erlebnisse mit der Apparatemedizin verstärken die Zustimmung. Wer gläubig ist, wird nach Umfragen zu gehen, eher dagegen sein und das Leid und seine Folgen als Gott gewollt sehen. 
Doch hört und liest man die Ergebnisse von Menschen, die sich vorher dagegen entschieden haben, so waren viele dafür im Moment der absoluten Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit und andere wiederum, die sich Zeit ihres Lebens positiv geäussert haben, klammerten sich an das Leben, egal wie viel Schmerz zu ertragen war. 
Das wiederum zeigt, wie schwierig es ist, pauschal zu sagen, was geeignet ist und was nicht und wie sehr das Sterben und auch der Prozess eine individuelle Erfahrung ist. 
Was nun aber versuchen die Herrschaften im Bundestag zu erreichen? Erst einmal, das Sterbehilfe kein Geschäft wird. Dann natürlich, das für Ärzte die zivilrechtliche Strafbarkeit erlassen wird, bei passiver Sterbehilfe. Bei der aktiven Sterbehilfe streiten sich nicht nur Fraktionen, sondern auch die einzelnen Politiker. Auch darüber, was eine passende Bedingung sei und wer diese wie garantieren kann. Reicht es, dass der Tod ersichtlich ist, aber ab wann ist dies sicher, denn einige habe einen langen Sterbeprozess. Reicht es, wenn nur ein anderer Arzt die Entscheidung mit trägt und auch zustimmt? 
Was ist unheilbar, wenn die Medizin voranschreitet und ab wann ist Leiden als nicht mehr tragbar anzusehen? Mein eigenes Leidempfinden und meine Sicht auf ein würdiges Leben sind anders. als die anderer Menschen. 
Im Grunde gilt diese Aussage für alle Menschen und auch wenn wir gewisse Gemeinsamkeiten und allgemeine Auffassungen haben, was Wert ist, so zeigt auch diese Tatsache, wie schwierig die Frage nach der Hilfe zum Sterben ist. Kann ich Hilfe verweigern per Gesetzt, obwohl es Menschen gibt, die ihr Leiden und ihren Todeswunsch deutlich äussern, aber keine Hilfe bekommen können, weil sie nicht den Vorschriften entsprechen? Wie will ich als Gesetzgeber aktuell bleiben und wie oft das Gesetz novelieren und an den Wissenstand anpassen? Oder muss ich als Gesellschaft in kauf nehmen, das wir einfach aktuell Opfer bringen müssen beziehungsweise Menschen ihren Wunsch abschlagen müssen und sie ihrem Leiden überlassen? 
Ich fürchte, wir werden zurzeit keine Lösung finden, die allen gerecht wird, aber einen grösseren Konsens einsetzen können, als wir es bisher tun. Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Palliativmedizin bei der ganzen Diskussion mit einbezogen wird. Diese soll gestärkt werden und somit auch gefördert werden. Menschen im Sterben zu begleiten muss Aufgabe einer Gesellschaft sein, die vergessen hat, dass dies normal sein sollte. Aber auch ist es den verlängerten Lebenszyklen zu schulden, das wir hier Hilfe geben, anbieten und so die Würde eines jeden Menschen wahren können. Etwas, was in der Intensivmedizin und dem Fortschritt durch die Medizin allgemein verloren gegangen ist. 
In der Palliativmedizin geht es vor allem darum, den Menschen und seine Wünsche zu erkennen. Wieviel Medizin möchte er? Wieviel Zuspruch braucht er? Wieviel Schmerz will der Mensch vor uns ertragen und ab wann sollte alles einfach der Natur überassen werden? Ab wann sagen wir, o.k. jetzt kommst du in die letzte Phase, jetzt bekommst du nur noch das was du am Nötigsten brauchst um dich wohl zu fühlen, um deine Würde zu behalten, um in Ruhe und Frieden sterben zu können?
Hospizarbeit ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und hat nichts mit der Hilfe zum Sterben, sondern mit dem Begleiten beim Sterben zu tun. Und ja, hier darf dann auch das Thema Sterbehilfe frei und ohne Angst angesprochen werden, denn das Personal geht dann der Frage nach, was genau meint der Betroffene. Wo steht er, wo braucht er Beratung, wo sind Ängste. Das braucht Zeit, Personal und kostet Geld und braucht daher Unterstützung und wenn der Gesetzgeber es schafft hier positiv zu agieren, dann braucht es kaum Hilfe zum Sterben, dann reicht die Hilfe beim Sterben, indem wir begleiten. 
Und es gibt uns etwas Zeit in der zähen und mit Tabus belegten Diskussion. 
Viele vergessen nämlich, dass der Gesetzgeber ein ganz anderes Gesetzt noch novelieren muss. Das der Tötung. In Deutschland gibt es nur ein Gesetz, eine Auslegung und so fallen alle Arten des Tötens dahinein, einschliesslich der Strafsetzung. Es wird hier keinen Unterschied gemacht, ob auf Wunsch getötet, aus Abwehr oder Notwehr, aus Verrücktheit oder Planung etc..  Alles ist unter einem Dach geregelt und damit gar nicht geregelt. Dies ist gerade auch für eine aktive Sterbehilfe ein Problem. So lange dieses Gesetz nicht geändert ist, darf es auch keine aktive Sterbehilfe in irgend einer Form geben. 
So wird es also spannend, was der Bundestag im November beschliessen wird, wenn er sich denn einigen kann. 

Euer Tom Love


Mittwoch, 19. August 2015

Was nützt die Liebe in Gedanken!

Ein' können wir noch, zwei woll'n wir noch, drei könn' wir noch vertragen. Was nützt das Geld im Altenheim, bei Apfelsaft und Haferschleim!- So könnte man es täglich singen, wenn die Realität oftmals nicht so unlustig währe. Ein Trinklied ist es wohl, und doch passt es zur Arbeit eines Krankenpflegers, oder einer Altenpflegerin. Tagein und Tagaus mit zu wenig Personal, zu hohen Anforderungen, mit wenig positiver Motivation und zu vielen neuen Regelungen, die sich immer wieder ändern und wenn es mal gut läuft, so ist den obersten Chefs nichts recht genug und sie ändern, selten zum Vorteil für das Personal da unten, welches die Gewinne erwirtschaften soll. 
Bekannt ist das es zu wenig gezahlt wird. Bekannt ist, das es wenig Nachwuchs gibt und viele ausgebildete Kräfte nicht mehr dem Markt zur Verfügung stehen, weil sie nicht mehr wollen, weil sie nicht mehr können, weil sie an ihre Zukunft denken und merken, sie können diese nicht garantieren, wenn sie bleiben. 
Bisher habe ich kein Haus erlebt, das nicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Ein gutes Zeichen heutzutage ist es schon, wenn Teams bereits zwei, drei Jahre bestehen, denn der Wechsel ist heute noch schneller als vor vielen Jahren. Einst mal alle vier Jahre den Bereich zu wechseln, oder gar 10 bis 15 Jahre auf dem gleichen Arbeitsplatz zu sein, das ist heute gar nicht mehr oder so selten vorhanden, das es unter Kulturschutz stehen sollte. Heute wird im Schnitt fast im halben Jahr Rhythmus gewechselt und so bekommen neue Kollegen auch kaum eine Chance sich einzuarbeiten oder eine Zukunft aufzubauen. Denn gerade angekommen, verschwinden die Kollegen, mit denen man sich irgendwie eingearbeitet hat. Leidtragende sind natürlich auch Patienten, Bewohner oder wie diese nun genannt werden sollen und deren Angehörige. Ja, auf der einen Seite kann ich deshalb manche Aufregung und manche Klage verstehen (gerade von Angehörigen) und doch möchte ich immer öfter sagen- was sollen wir denn machen? Garantieren können wir nichts mehr. Überfordert sind die Meisten und jeder fängt von vorne an, mal mehr, mal weniger gut und geglückt. Ich bin dann fast schon dankbar, wenn Angehörige Dinge ansprechen, die nicht glatt laufen, damit ich weiss, was noch fehlt und wo die Schraube locker sitzt, aber wenn sich mancher dann zum Ritter hochschlagen will, dann fehlt mir immer öfter die Geduld und auch der Wille hier noch ernsthaft zuzuhören, obschon ich es tue, denn ich weiss ja, das macht die Arbeit sonst nur noch schwerer und so steigt die Belastung des Personal stetig und die Politik ergiesst sich in hohlen Phrasen. Das neue Pflegegesetz, was beworben wurde ist nicht nur ein Tropfen auf dem heissen Stein, es hilft vor allem kaum. Mehr Geld sollte für das Personal herausspringen und am Ende wurde es geändert und so bekommt der Patient ein klein wenig mehr Hilfe oder muss etwas weniger zuschiessen zu Hilfsmitteln und alles gilt wieder nur in der Hauskrankenpflege, denn dort sollen die Leute bleiben, so lange es geht, weil es weniger kostet. 
Personalbeschaffung ist ein schwieriges Thema und wird immer noch nicht aus dem Winkel des Personals selber gesehen und so haben wir ungeeignetes Personal, oder arbeiten immer mehr mit Kollegen aus dem Ausland, die mal mehr, mal weniger gut Deutsch sprechen, welche uns aber oft sehr helfen und unsere Dankbarkeit haben. Doch fair ist es ihnen gegenüber auch nicht, wenn wir sie "ausnutzen" müssen, weil wir es selber nicht mehr schaffen, die Arbeit des Tages zu bewältigen. Sie sollten eigentlich nicht zu Arbeitssklaven degradiert werden von Chefs und Firmen und doch sind wir oft nicht weit davon entfernt. 
Immerhin neu eröffnete Häuser sind noch bereit eine wenig mehr Gehalt als die Konkurrenz zu zahlen, jedoch zeigt meine Erfahrung, das dies oft nicht lange anhält. 
Und so singen wir das es noch einer sein kann, denn wir brauchen das Geld, unabhängig davon, ob es dann auch bei uns tatsächlich landet. Wir singen das noch einer geht, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt, denn ausser uns macht keiner die Arbeit und versorgt sollen sie sein, die Menschen, die sich uns anvertrauen. Einen dritten lassen wir noch rein, obschon wir verschwitzt sind, kaputt sind, Knochen und Muskeln schmerzen und die Blase drückt, aber auch wir müssen pünktlich nach Hause. 
Aber gerade als Fachkraft ist man mehr als einmal länger da, auch wenn daheim die Kacke dampfen mag. 
Doch immer mehr begreifen, so geht es nicht weiter. Die Würde des Menschen sollte unantastbar sein und Pflege auch den Menschen im Blick haben. Nicht nur theoretisch. Einziges Druckmittel ist der Streik und damit aber auch Menschen in ihren Ausscheidungen liegen zu lassen, Angehörige die Last aufzubürden für sie zu sorgen, obschon sie es in unserer modernen Welt nicht können/ wollen. Ja, und auch zu fragen, immer wieder zu fragen, wann sich Direktoren zusammenschliessen und gemeinsam eine neue Geldpolitik fordern und am Ende muss aber vor allem Du und Du und Du auf die Strasse gehen und sagen, das Pflege zwar Gewinn machen darf, aber nicht daran orientiert sein sollte, sondern an Qualität und Menschlichkeit. Diese lässt sich aber nicht mit einem Personalschlüssel von einer Pflegekraft für 15 Patienten und mehr bewerkstelligen. Hier leiden beide Parteien. Wie dies zu finanzieren ist, hätte man schon lange herausfinden können und nun ist es höchste Eisenbahn sich darüber Gedanken zu machen! Soll die Drei- Klassen- Medizin weiter bestehen, so geht es weiter bergab mit ihr. 
Viele Kollegen sind bemüht das Beste zu geben und Humor zu bewahren, jedoch sind gerade die jüngeren Kollegen oft schon demotiviert und kaum bereit hier ihren Beitrag zu leisten. Die Generation die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und daher eine  viel stärkere Arbeitsmoral hat, löst sich auf. Was wird dann kommen? Die Ausbildungen sind wieder schlechter geworden, da die Praxis der Ausbildungen nichts mehr oder kaum etwas mit der Ausbildung, sondern mit reinem Arbeiten zu tun hat. Der Missbrauch der Schüler ist enorm. Deren Verständnis von Bereitschaft deutlich anders, als dass der langjährigen Berufstätigen. Erst recht das Gefühl zu einem Arbeitsplatz zu gehören, kommt erst gar nicht auf, denn sie wollen oft gar nicht. Während die Älteren also versuchen, so etwas wie ein  Gefühl der Gemeinschaft zu fördern und zu erhalten und darunter leiden, dass dies immer seltener gelingt, sind junge Kollegen immer mehr in ihrer Egal- Haltung verhaftet. 
Auch deshalb ist es wichtig, das Du als Teil der Gesellschaft sagst, es muss sich JETZT etwas ändern, denn wie möchtest Du gepflegt werden?! 

Euer Tom Love

Montag, 17. August 2015

Deutsche als Urlauber?!

Deutsche als Urlauber -> Sind immer zu erkennen. Sind immer ein Grund zum Fremdschämen und sowiso unerträglich. Wenn sie kommen müssen alle Plätze belegt sein, sonst gibt es nichts mehr auf dem Sonnendeck und ausserdem meckern und nörgeln sie auch noch ständig an allem herum. Es heisst sie kontrollieren erst einmal die Blumen im Hotel, ob die echt seien und knausern dann auch noch ganz doll beim Trinkgeld, hätten schlechten Geschmack bei Kleidung und seien an den weissen Socken in Birkenstock einwandfrei zu erkennen. 
Die Forschergemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hat da andere Ergebnisse als unsere Klischees vermuten lassen. Auch das Eurobarometer und die Reisesuchmaschine momondo.de lassen einen anderen Blick auf den Deutschen zu, der Urlaub macht in fremden Betten. 
Bleiben die Deutschen demnach am liebsten unter sich? In Mallorca mag das der Fall sein und bei einigen Stränden im Ausland sind regelrechte Deutsche Kolonien zu finden, und hier stimmt was man oft hört, denn grundsätzlich sind nur 31% scharf auf den Kontakt mit Landsleute der Länder die sie besuchen und so wollen die Deutschen tatsächlich oft lieber die eigene Kultur, als das fremde Land. 
Der oft gelobte Bildungsurlaub ist demnach gar nicht so beliebt und gerade mal bei 3% auch als Bildungs- oder Studienreise gebucht. Allerdings fahren viele um sich quasie zu bilden, aber auf eigene Faust. Beim Essen allerdings sind wir Deutschen ein offenes Völkchen und so sind 80% begeisterte Geniesser fremder Küchen und wir wundern uns, das in Asien Mc Donald erfolgreich ist. Eben weil wir auch im eigenem Land mal etwas anders, als unsere eigene landestypische Küche wollen. Knauserig sind Deutsche nur bedingt, auch wenn sie am Anfang oft und genau nach dem Potential zum Sparen schauen, so geben sie dennoch im Schnitt knapp 1000 Euro aus- pro Kopf. 
Und wie ist es nun mit den schlecht gekleideten Herren und Damen? Ja, die gibt es, aber auch aus anderen Ländern und immerhin 43% achten sehr auf ein ordentliches und respektables und an das Land angepasste Kleidung und modisches Aussehen. Und ganz unter uns, bei einer Umfrage der Zwölf Länder, die die Deutschen am meisten besuchen, gelten wir als die am besten gekleideten Touristen. Da können wir uns schon mal auf das positive Image auf die Schulter klopfen, denn auch beim Trinkgeld und Geschenke kaufen sind wir positiv aufgefallen. 
Und sind wir nun auch noch Reiseweltmeister? Das weiss ich nicht, aber 77% haben letztes Jahr eine Reise getan. Damit liegen wir auf alle Fälle weit oben, besonders beim Reisen in's Ausland. 
Das sind doch mal gute Neuigkeiten zur Urlaubszeit

Euer Tom Love