Samstag, 21. Februar 2015

Das Haus Allabasta 4

Oben im Haus stand die alte Dame vor dem Fenster und beobachtete, wie aus einem sonnigen Morgen innerhalb einer halben Stunde ein düsterer Tag anbrach, mit dicken und sehr dunkelblauen Wolken, die tief im Himmel hingen. Vor ihr auf dem Fensterbrett stand der dicke Tulpenstrauss, den sie gestern aus ihrem Garten zusammengepflückt hatte. Lächelnd beobachtet sie, wie sich der erst leichte und warme Frühlingswind in einen kalten und kräftigen Sturm verwandelte, während unten im Haus, in der Küche Christina am Küchentisch sass, ihr letztes Brötchen mit Marmelade ass und dabei verträumt ihren Samstagskaffee in der Hand hielt, der in ihrer Lieblingstasse heiss vor sich her dampfte. 
Hätte sie geahnt, das dieser Wetterumbruch ungewöhnlich war, sie wäre sicher nicht so gelassen da gesessen und mit ihren Träumen vom schönen Leben entschwunden. 

Die alte Dame dreht sich um und geht zurück zu ihrem Bett, schlägt die Decke auf und legt sich wieder hin. Ein letzter Blick zum Fenster und den Tulpen, welche sich tanzend in der Vase bewegten.

Am anderen Dorfende war Timo bereits seit Stunden wach und bekommt nur aus dem Augenwinkel vom Wetterumschwung etwas mit. Er war gerade dabei seine Bude auf Vordermann zu bringen und hatte soeben die Toilette fertig geputzt, als es plötzlich laut, tief und schwer donnerte. 
Erschrocken schaut er sich um und sieht aus dem Fenster. Misstrauisch schaut er hinaus, doch alles scheint wie bei einem gewöhnlichem Gewitter. 
Timo wartet auf den nächsten Donner und auch auf einen Blitz, doch nichts wollte kommen. 
Merkwürdig, denkt er sich. Ein trockenes Gewitter? Doch es fängt genau in dem Moment an schwer vom Himmel her zu schütten, kaum das er den Gedanken fertig hatte. Verwundert bleibt er noch einen Moment stehen, dreht sich um und geht in die Küche, setzt sich Kaffee auf und räumt seine Putzutensilien wieder in den Verwahrungsschrank. Dann zieht er sich sein T-Shirt aus und geht in das Bad, da er die Waschmaschine anstellen wollte und vorher noch sein Shirt hinein musste. Wie er dann am Spiegel vorbei kommt, sieht er, das er etwas auf der rechten Schulter hatte. Er versucht es weg zu wischen, da er erst einmal davon ausgeht, es sei Dreck; doch es wollte nicht verschwinden. Er nahm einen Lappen, befeuchtet ihn und versucht es erneut. Wieder nichts. 
Timo konnte sich nicht entsinnen, woher er diesen Fleck haben mochte, noch das er diesen gestern schon gehabt hatte. Der konnte doch nicht einfach über Nacht erschienen sein. 
Grübelnd schliesst er den Deckel der Waschmaschine und schaut noch einmal auf seine Schulter, um sich zu vergewissern, wie das Ding aussah, was er da hatte. 
Doch da war nichts mehr. Verwirrt schüttelt er seinen Kopf, schaut immer wieder auf seine Schulter, schaut über den Spiegel darauf und fand keinen einzigen Anhalt dafür, das dort je etwas war. 
Schliesslich gibt er seufzend auf, geht in die Küche und nimmt sich seinen Kaffee. Drehte er durch?

Vom Donner erwachte Christina aus ihrer Träumerei. Gartenarbeit konnte sie also heute wieder nicht in Angriff nehmen. Eigentlich wollte sie endlich neue Beete entlang des Nachbargrundstückes anlegen.  Ganz unglücklich war sie aber über die plötzliche Verschiebung nicht. Die letzten Wochen waren so merkwürdig verlaufen, das sie einen Tag Faulenzen gut vertragen konnte. 
Seit das Jahr begonnen hatte, musste sie ständig umplanen. Egal um was es ging. Wollte sie im Januar die Zimmer streichen, war die Farbe plötzlich schlecht, obwohl sie diese erst Ende Dezember gekauft hatte. Sollte sie den Garten Frühjahrsfertig machen, als der März kam, war plötzlicher Wintereinbruch. Der Arbeitsauftrag aus der Stadt vierzig Kilometer weiter weg, war von einem Tag auf den Anderen abgeblasen worden. Und den Wochenendausflug letzte Woche musste sie auf weiteres verschieben, da die alte Dame erkrankt war und das Bett nicht verlassen konnte. 
Manchmal hatte sie das Gefühl, das sie etwas hinderte aus dem Land, aus dem Dorf, ja aus dem Haus zu kommen. Und dann fand sie zuletzt immer wieder merkwürdige Dinge auf ihrem Weg durch den Garten. 
Erst war es eine Tonschale in grün, die offensichtlich ihrer Urgrossmutter einmal gehört hatte, denn sie ähnelte der auf dem Foto an der Flurwand sehr. Dann kam ein zersplitterter Krug zwischen den Tulpen hervor, der das Familienwappen trug. Kurz später stolperte sie über den Silberkamm der alten Dame, genau an dem Tag, als diese nach ihm fragte. Neulich fand sie in der Baumrinde der Eiche ein Feuerzeug aus Perlmutt und Silber, im Stil der zwanziger Jahre. Sie hatte keine Ahnung wie es dort landen konnte. Gerade wunderte sie sich darüber, das es nicht mehr in der Schale vor ihr auf dem Küchentisch lag, denn sie hatte das Feuerzeug ganz bestimmt dort hineingelegt. Sie konnte es doch unmöglich gedankenverloren woanders hingelegt haben. Sicher war sie sich darüber ganz und gar nicht, denn gedankenverloren war sie oft in letzter Zeit. Konnte sich aber nie anschliessend erinnern worüber sie nachgedacht hatte. 
Nun goss es wie aus Kübeln und so verlagert Christina ihr Aufenthaltsgebiet in das Wohnzimmer und fläzt sich auf das Sofa, macht den Fernseher an und zappt durch die Programme. Schliesslich bleibt sie bei einem alten Film hängen, der erst gerade begonnen zu haben schien. Eine schöne blonde Frau vor den Niagara Fällen nahm ihren Tag auf und Christina zog sich die Tagesdecke über die Beine. 

Berlin, 21.02.2015 - Tom's (S.B.)

Freitag, 20. Februar 2015

Das Haus Allabasta 3

Beim Bäcker McAdams trat Lutz gerade über die Türschwelle, als sich Christina ihrem Alltag zugewandt hatte. Er kam, um sich wie immer sein spätes Frühstück abzuholen und dabei auch eine Tasse Kaffee zu trinken, während er mit dem Bäckermeister einen Schwatz hielt. Meist ging es um aktuelle Renovierungs- und Bauarbeiten, die Lutz in Auftrag hatte. Privates mochte er nicht von sich geben, damit fühlte er sich unwohl. 
Das er tatsächlich auch auf Christina ein Auge geworfen hatte, wusste nur der Bäckermeister, wenn auch nur durch Beobachtung. Vor allem aber dank seiner Frau, die den Verkauf ausführte. Sie hatte ein geübtes Auge in Sachen Menschen und ihre Befindlichkeiten.
Sie war es auch, die Lutz immer den Korb für die alte Dame aus dem Haus Allabasta mitgab. Diesen brachte er ihr nach seinem Dienstschluss zweimal die Woche vor die Tür. 
Die alte Dame mochte er, hatte sich aber bisher nie dazu überreden lassen, mit in das Haus zu kommen und damit ihrer Einladung zu folgen, die sie jedes Mal aussprach. 
Sie wusste dabei durchaus, das er höchstwahrscheinlich nein sagen würde und wartet mit Geduld, bis er soweit war. 
Manches Mal, wenn Lutz dann auf dem Heimweg am Nachbargrundstück vorbei kam, hörte er einen Singsang. Nie konnte er herausfinden woher dieser kam, so sehr er sich auch anstrengte. Die Worte, obschon er sie oftmals verstand, entschwanden ihm aber immer wieder sofort aus dem Gedächtnis und damit auch die Situation, die er immer wieder beim Vorbeigehen am Zaun erlebte. Denn er hörte nicht nur einen Singsang, er vernahm aus dem Augenwinkel auch immer das Tanzen der Zweige und Blätter. 
Sie tanzten immer gleich, doch auch dies vergass er und erinnerte sich genau dann daran, wenn er die Bewegungen wahrnahm. 
Sich darüber aber Gedanken machen, dies war nicht seine Art und er kannte auch keine der Schauermärchen die man sich im Dorf erzählte. 

Obschon sie alle in einer neuen, modernen, aufgeklärten Welt lebten, die über Telefon, Fernseher, Computer und allerlei Schnick Schnack verfügte, so glaubten sie alle heimlich diesen kleinen, dunklen Geschichten. Zeitgleich taten sie aber ganz offen ein Jeder sie als Hirngespinst, als Aberglaube ab und so redete man nicht weiter darüber. Auch nicht, als es immer mehr gab, die plötzlich verrückte Träume hatten. Aber weil keiner darüber sprach, wusste auch keiner das sie neuerdings mehr und wilder träumten. 

Timo derweil brachten diese nächtlichen Gedanken um den Schlaf, obwohl er nicht wusste, ob er tatsächlich nicht durchgeschlafen hatte, oder nur träumte das er nicht durchgeschlafen hätte. Das Ergebnis war so oder so ermüdend. Jeden Tag mehr. Seiner Tischlerarbeit tat dies immer seltener wirklich gut. Zu sehr musste er sich konzentrieren, um keine Fehler zu machen. Immer öfter musste er von vorne mit seiner Arbeit beginnen, da er Dinge falsch ausführte. 
Als wenn dies schon nicht anstrengend genug war, fing er jetzt auch noch an Tagsüber Stimmen wahrzunehmen. Sie schienen fremd und zugleich sehr vertraut. So sagte er sich einerseits, es sei alles Einbildung durch Übermüdung und doch konnte er sich des Eindruckes nicht erwehren, dass dies alles real wahr. Ihm war, als stünde jemand neben ihm und flüsterte die Worte sachte in sein Ohr. Nein, sie wurden ihm hineingesungen. Immer wieder die selben Melodien, die gleichen Wortfolgen. 
Eigentlich ganz sanft und lieblich fühlte es sich an und zugleich begann er zu ahnen, das bald mehr kommen würde. 
Aber das konnte doch nicht sein! Das war nun wirklich Hokus Pokus! 
Timo schüttelte seinen Kopf und arbeitet gewissenhaft weiter, bis der Abend schon tief über das Land gekrochen war. Dann räumt er auf, wechselt seine Kleidung, nahm den grossen Schlüsselbund, schaut sich ein letztes Mal um und ging zur Tür hinaus, schloss sie und lief die Strasse entlang bis zur nächsten Ecke, bog nach rechts ab, dann nach links und war nach einer viertel Stunde Fussmarch daheim. 

Berlin, 20.02.2015 - Tom's (S.B.)

Dienstag, 17. Februar 2015

Das Phänomen Madonna

Sie ist wieder da oder doch nie wirklich weg gewesen. Gerade hat sie ihre neue Single performt und dank eines Leaks kennen wir auch schon einen Teil ihrer Lieder vom neuen Album.
Ganz wie es üblich ist, stand ihre Performance im Stil des Videos zur Single. Dies ist nicht nur bei Madonna so, sondern generell im Popgeschäft der Fall. So lässt sich ein Wiedererkennungseffekt erreichen und der Verbraucher schneller binden. Denn Pop, ist vor allem eines, die Bindung des Kunden an die Unterhaltung. 
Madonna. Es ist wahrlich schwierig einfach ein paar Sätze über sie zu schreiben. Also unterteilen wir es einfach einmal in verschiedene Bereiche und schauen, was wir dabei herausbekommen.

Das Video:
Madonna klaut wieder einmal bei sich selber, jedoch gekonnt und mit positivem Effekt. Ihr Stierkampf Thema ist nicht neu und doch neu genutzt. Es fällt in ihre Tradition, immer etwas Spanisches unterzubringen. Sei es als Lied, als Tanz, oder Video. Seit dem -True Blue- Album, findet sich dies in jedem ihrer Werke wieder. Auch Express yourself scheint in diesem Video durch, wo Männer halb nackt durch den Raum Tanzen, wuchten und vom Täter zum Sinnbild für etwas ganz Anderes werden. Männer hat Madonna oft als Lustobjekt, als Täter oder eben als Metapher für die Unterdrückung der Frau genutzt. Gelegentlich könnte man ihr Männerfeindlichkeit unterstellen, jedoch sagt sie selbst das es ihr um die Erhebung des weiblichen Selbstbewusstsein geht. Nun, selbstbewusst tritt sie immer auf und so kann sie sich den Hinweis auf ihr -Open your heart- Video leisten, in Form bereits bekannter Tanzschritte. Open your heart wiederum passt analog perfekt zu -Living for Love-, weil beide Lieder ein gemeinsames Thema haben, was Madonna u.a. auch in -Frozen- besang. Es ist die Tatsache, das Liebe nicht ohne Risiko und vor allem nur mit offenem Herzen zu bekommen ist, aber eben auch das Risiko beinhaltet, es zerstört zu bekommen. Es ist die Tatsache das Liegen bleiben keine Wahl ist, wenn man glücklich sein will. Interessant in diesem Zusammenhang ist sicherlich Madonnas eigener Umgang, von dem wir wenig wissen, aber viel zu wissen meinen. Am Nächsten kommen kann der Fan noch über das Buch, das ihr Bruder geschrieben hat.
Das Lied und Video aber erinnert einen auch an das Album Erotica und wer sich einige der anderen Lieder bereits angehört hat, wird feststellen, dass dieser Eindruck sich noch verstärkt (ab vom Album- Cover, welches sicher auch nicht ganz zufällig an Erotica angelehnt ist). Lied und Video zeigen eine Madonna, wie der gemeine Fan sie kennt und zugleich das Letzte was sie produzierte. 
Es ist -Neues mit Altem- verbunden. 
Madonna textet wieder anständig und tanzt wieder ihren Stil. Die Musik, obschon eher aus der letzten Dekade, ist aber strukturiert wie man es klassisch von ihr kennt. 
Natürlich wird dem Einen oder Anderem das Lied irgendwie bekannt vorkommen. Aber seien wir ehrlich, das trifft zurzeit auf praktisch jeden zu, der Popalben produziert. Nicht nur haben wir es zunehmend mit einer schnell, ja noch schnelllebigeren Entwicklung zu tun, sondern vor allem mit einer Tatsache, die gerne ignoriert wird und der sich alle immer mehr stellen müssen, die im Popgeschäft agieren. 
Pop ist Unterhaltung, die sich immer neu erfindet. Pop lebt von Überhöhung, Verzerrung und Innovation. Pop ist Präsentation. Pop handelte nie davon wirklich singen zu können. Pop hat immer mit Elektronik und dem Produzieren bester Ergebnisse zu tun. Pop ist Mainstream. Und Pop ist seit dem Tod von Michael Jackson in Rente. Madonna ist und bleibt die Queen, denn Queen sein heisst nicht die erfolgreichste sein, sondern die Einflussreichste. Pop ist in Rente und das auch, weil sich nichts neues Entwickeln lässt. Es ist nichts neues auf dem Markt, so das Pop sich als Pop weiterentwickeln kann. Der Höhepunkt ist vorbei. Jetzt kann nur neu gesampelt werden. Wer es schafft interessant das Vorhandene zu kombinieren, hat Chancen sich zu behaupten. Doch dies wird immer schwieriger. Pop wiederholt sich, ganz wie der Rock, Heavy Metal, der Blues, der Jazz und so weiter. Deswegen ist eine Lady Gaga auch gar nicht daran interessiert, Madonna irgendetwas streitig zu machen. Nicht umsonst hat sie sich der Kunst verschrieben, sich dem Jazz und Swing zugewandt. 
Das dies Madonna bewusst sein dürfte, zeigt das Video zu Living for Love auch deutlich. Sie greift sich was ihr zusteht. Sie behauptet sich und sie zeigt das sie Pop und deren Konsequenz vollends versteht. 
Nicht zuletzt auch dadurch, das sie, wie keine Andere, eine Disziplin körperlich darzustellen weiss. Stark, schlank, Muskulös und Selbstbewusst und mit einem Körperbewusstsein, das keine Fragen offen lässt, präsentiert sie sich.
Noch etwas erinnert an diesem Video an die alte, bekannte Madonna. Der Minotaurus. Sie zelebriert den Kampf mit ihm und spielt einen Mythos nach, an dem sie als Sieger hervorgeht. In der Originalsage ist der Held ein Mann. Das alleine ist schon eine starke Message. Der Minotaurus ist aber ein Menschenfresser. Geboren in Folge eines Betruges. Da Madonna ein Zitat Nietzsche am Ende des Videos stellt, ist auch hier die Botschaft klar und deutlich erkennbar, sofern man sich ein wenig auskennt. Dies wiederum ist wieder typisch für Madonna. Sie hat bereits seit ihrer zweiten Tournee nie mit Kritik am System gespart. 

Nun könnte die Kritik am Kapitalismus und der Gier des Menschen ihr selbst vorgeworfen werden, denn sie profitiert von der Gier und dem Kapitalismus. Sie selbst hat ein grosses Ego und verdient am Schein im Sein. Jedoch wird diese Kritik sie zu spät erreichen, da sie selbst schon unlängst diesen Zwiespalt zugegeben hat. Auch ihr grosses Ego hat sie nie bestritten.
Schlussendlich kann man zu dem Video sagen, es ist wie eine Best of Collection ihrer bisherigen gesamten Karriere.

Madonna als Künstler:
Ist sie eine Künstlerin, oder nur Produzentin? Doch die Frage ist eher, ist Pop Kunst? 
Im Sinne des Kunstbegriffes muss man dieses bejahen und damit ist auch die erste Frage geklärt.
Wer nun aber meint, sich über sie und ihr Werk herablassend äussern zu können und ihr vorwerfen zu müssen, sie sei nicht die Beste, ist im falschen Film. 
Bereits von Anfang an wurde Madonna Talent abgestritten. Jedoch, ohne hätte sie es nie geschafft sich so lange zu halten, besässe sie nicht ein wenig davon. 
Sicher ist, sie hat nicht den grössten Beutel abbekommen. Dies ist ihr auch bewusst und schon in ihren ersten Jahren hat sie in Interviews zugegeben, das sie weder die beste Sängerin ist, noch die beste Tänzerin, noch Künstlerin im allgemeinen. Das war auch nie ihr Ziel. Und wer sich ihre Arbeiten genau anschaut, wird schnell merken, das sie sich ihrer Grenzen sehr bewusst ist, da sie nie ohne Hilfe Anderer Ihre Alben und Tourneen produziert. 

Madonna ist Popkünstlerin. Madonna ist Popsängerin. Madonna ist vor allem ein Star. Madonna dürfte auch als Einzige (eventuell Lady Gaga und David Bowie noch) das alte Verständnis von Star sein haben. Das Verständnis, was Pop ist. Mit Sicherheit eines der Geheimnisse, warum sie sich am Firmament halten kann (und eben die anderen Beiden). Sie ist demnach bereit die Konsequenz daraus zu tragen, die heisst: Kontrolle über möglichst Alles haben, sowie Arbeit und Image geht vor Privatleben (auch wenn sich dies zuletzt bei allen Kandidaten geändert hat). 
Madonna hat das Starverständnis einer Marlene Dietrich. Eisern sein und diszipliniert. 
Das Pop reinvention bedeutet hat Madonna schnell erkannt, so wie sie jetzt mit Sicherheit weiss, das sie das herausholen muss was geht, denn einen weiteren und vor allem so langen Vertrag, wird sie nicht mehr bekommen. Nicht nur ihr Alter spielt dabei eine Rolle, sondern auch eben die Tatsache, das Pop in Rente ist und sich keine Neuerfindung mehr herausholen lässt. 

Der Einfluss Madonnas:
Unbestritten dürfte die Frage nach dem Einfluss dieser Person auf das Geschehen mit einem starkem -Ja- beantwortet werden. 
Ob wir es wollen, mögen, gut heissen oder nicht, sie sorgt für Gesprächsthemen. 
Lange hatte sie zudem Einfluss auf aktuelle Moden, aber auch Videokunst und wie das Niveau im Pop definiert wurde. Sie hat eine einfach Bühnenshow zu einem Ereignis gemacht (Blond Ambition tour) und damit gezeigt, das man Unterhaltung singend auf der Bühne mit einem Korsett und Inhalt bereichern kann. Das sie selbst sich zuletzt nicht mehr daran zu erinnert schien, hat sicher verschiedene Ursachen, auf die sie vielleicht einmal selber später eingehen wird. Genauso wie sie vermutlich ihr letztes Album als das schlechteste bezeichnen wird und dies wohl unter Anderem damit begründen wird, das es  unter Druck produziert werden musste. 
Sonst gilt, ihre Alben hatten oft schon vorweggenommen, was am Ende allgemeiner Trend werden sollte. Zuweilen war sie zu früh dran, zuletzt hinkte sie hinterher. Jetzt scheint sie verstanden zu haben, was geht und worauf sich im Pop noch stützen lässt und es könnte gut sein, dass dieses Bewusstsein seine Kreise zieht. 
Selbst wenn Madonna nicht beabsichtigt einflussreich zu agieren, so tut sie es doch, indem sie durch ihre Art zu leben Diskussionen anstösst, die oftmals schon eine Weile in der Luft hingen und auf sich warten liessen. Bedingt durch ihre Prominenz wurden Themen wie Alter, Jugendwahn, junge Lover, Sexualität und Spiritualität, Schwangerschaft, Mutter sein und Karriere machen aufgenommen und  teils heftigt diskutiert. 
Wenig bekannt ist dagegen, das Madonna vielen jungen Künstlern hilft und dies meist ohne grosses Brimborium. Auch unterstützt sie Hilfsprojekte und dies nachhaltig und lang. Ganz anders, wie es viele Prominente tun. Sie lernt dabei auch ganz offensichtlich aus Fehlern und kann die Dinge dann so korrigieren, das sie zum Erfolg führen. Am bekanntesten dürften hier ihre Schulbau- und Krankenhaus- Projekte in Afrika sein. 

Das sie auch weiterhin bewusst ein Sendungsbewusstsein hat, lässt sich wiederum am aktuellen Video sehen und nicht zuletzt an den bereits erwähnten Tourneen. 
Und neben David Bowie hat sie erkannt, das man nicht alles neu entwickeln muss und eine gute Kopie, besser ist, als ein schlechtes Original. Jedoch hat sie als Frau immer auch dabei mit den Vorurteilen der Gesellschaft zu kämpfen, die einer Frau nicht das Selbe zugestehen, wie einem Mann. Nutzniesser ist von der Diskussion und der Veränderung dadurch unter anderem die Generation um Lady Gaga, Katy Perry und Co.
Madonna ist für das selbstbewusste Bild einer Frau ein perfektes Beispiel. Sie kennt die Normen und nutzt sie für sich. Sie zeigte das Stärke zeigen o.k. ist und Frauen auch so aussehen dürfen. Sprich Muskeln haben dürfen. Sie zeigt aber auch, das es selbst für eine gestandene Frau schwer ist, sich dem Jugendwahn auf Dauer zu entziehen und Schönheitskorrekturen leider nicht immer vorteilhaft sind. Jedoch muss man hier die Reichen und ihre Gesichter vor Augen halten, um zu verstehen, welchem Vergleich sie ausgesetzt ist. 
Und zu guter Letzt sei noch erwähnt das es über sie etliche Doktorarbeiten gibt.

Der Mensch MADONNA:
Hier müssen wir gezwungenermassen uns einschränken in dem was wir sagen können. Wie und wer sie wirklich ist, werden wohl nur sehr wenige wissen. 
Sie ist bekannt als Chefin resolut und unnachgiebig zu sein. Sie ist dafür bekannt durchaus ein Snob und A..loch zu sein, wenn es sein muss. Wir wissen auch, das sie Menschen offensichtlich nur bis zu einem bestimmten Punkt an sich heran lässt. 
Vergessen darf man dabei allerdings nicht in welcher Position sie steht und dies auch Folge und Konsequenz eines Verständnis ist, das eben auch mehr Grenzen und Mauern beinhaltet, als bei einem Normalbürger. 
Das sie nicht in der Welt des "Normalbürgers" lebt, sollte ausser Frage stehen und kann als Vorwurf kaum gebraucht werden gegen sie. 
Das sie aber durchaus über das aktuelle kulturelle und politische Weltgeschehen gut informiert ist, kann man schon öfter bemerkt haben. Hier hat sie häufig auch klare Aussagen, wenn sie gefragt wird von Journalisten.

Es gibt Menschen die sie unter Anderem deswegen hassen, weil sie am Esstisch nicht die Freundlichste ist. Fakt ist hier wohl, sie hasst Small talk. Dies hatte sie bereits zu Anfang ihrer Karriere zugegeben. Sie ist auch kein wirklicher Fan von Tourneen, besitzt aber das Bewusstsein für die Notwendigkeit und den Ehrgeiz diese dann auch gut über die Bühne zu bringen. 

Nein, Madonna hat keine grosse Gesangstimme, obschon sie besser geworden ist. Das sie dies noch immer nicht ständig tut ist ein typisches Problem der Popbranche. Die Meisten sind keine professionellen Sänger und trainieren daher ihre Stimme nicht wie ein Instrument. So singt Ricky Martin schief und Jennifer Lopez, aber auch eine Mariah Carey schafft es ihre Lieder völlig am Ton vorbei zu singen. Selbst eine Whitney hatte ihre schlechten Tage, da alles vor allem auf die Alben zugeschnitten war/ wird und nicht auf tatsächliche Gesangseinlagen. Pop bedeutet eben auch, nicht das Bewusstsein eines Musical- Sängers oder gar Opernsänger für seine Stimme zu besitzen. 
Das Madonna meint sich da immer noch beweisen zu müssen hat auch viele langjährige Fans enttäuscht, denn wir wissen was von ihr zu erwarten ist. Show. 
Diese dann schlecht zu machen ist ihr Makel. 
Nun scheint es aber, das sie es noch einmal schaffen könnte und verstanden hat, was zu vermeiden gilt. 

Madonna als Mensch bedeutet auch, zwei gescheiterte Ehen und kein Rosenkrieg. Die Presse hatte sich darauf gefreut, aber unterschätzt, das Madonna vor allem nicht nur klug genug ist, sondern auch konservativer als viele denken. 
-Rebel heart- ihr aktueller Albumtitel, ist aber kein Gegensatz zu dem eben festgestelltem. Madonnas Background entstammt u.a. aus dem Punk, aus der Zeit, als New York im Aufbruch der 80ziger und 90ziger war. Gerade weil sie auch aus dem katholischem Elternhaus geprägt ist, führt ihre grundsätzlich konservative Betrachtungsweise eben auch zum Gegenteil dessen. Die Abwendung vom Neuem und der gleichzeitigen Beschäftigung damit, sowie dem Anders sein- was ihre zweite grosse Prägung aus ihren jungen Jahren ist; sind Ursachen und Folgen zugleich, warum Madonna ist, wie wir sie sehen. 
Dies bedeutet auch, das sie sich sehr wohl bewusst sein dürfte, wie sie wirken könnte und kann. 
Auch hier finden wir das Marlene Dietrich Vorbild. 

Madonna als Mensch tritt zuletzt immer mehr hervor und das weil sie als Madonna der Star näher an ihre Fans heran kommt. Als eine der Ersten hat sie bereits in den 90ziger bei ihrer - Girly Show- sich weit in das Publikum mit ihrer Bühne gewagt. Mittlerweile ist dies fast schon zum Standard geworden, um die Fanbase zu beglücken und vermeintliche Nähe zu suggerieren. Aber wer dies als Vorwurf lesen will, liegt falsch. Pop ist genau das. Illusion, Unterhaltung und manchmal sogar eine Botschaft. 
Diese klingen zwar immer mehr nach Peace, Love & Understanding, sind aber in der heutigen Zeit bewusst unbewusst oder umgekehrt genau was gebraucht wird und was in das Bewusstsein der Menschen wandern sollte. So erfüllt Pop einen Auftrag, den er nie hatte. Die letzten Atemzüge des Pop in seiner Rente ist die Aufklärung und das Bewusstsein von Love & Peace als wichtiges Mittel für eine Zukunft, die lebenswert sein soll. Auch hier ist Madonna an vorderster Front, wenn auch einige meinen, das sie Kabbalahvernebelt sei. Madonna hat nämlich seit ihrer zweiten Tourneen immer die Themen der Politik mit aufgenommen und die Liebe zelebriert, in allen ihren Facetten. Auch das zeigt einen Teil des Menschen Madonna.
Und damit haben wir doch mehr zusammen bekommen, als eigentlich gedacht und wir könnten noch endlos schreiben, wenn wir kein eigenes Leben hätten.

Haben wir aber und daher ist hiermit Schluss. 
Bilden sie sich ihre eigene Meinung, aber halten sie sich offen und vor allem zurück zu schnell zu urteilen. 
You can like it or not.

1913- eine Buchkritik

Nicht nur Bücher schreiben kann ich hier, sondern auch die anderer Autoren beurteilen.
Als Vielleser bekommt man mit der Zeit so etwas wie eine eigene Meinung, die selbstredend nicht die von Ihnen gewünschte oder Empfundene sein muss.

Nun also das Buch - 1913 - von Florian Illies. Erschienen im Fischer Verlag und jetzt auch als Taschenbuch erhältlich.

Kann man ein Buch über die Geschichte unserer Gesellschaft unterhaltsam schreiben?
Kann man Politik, Kultur, Klatsch und Tratsch gleichwertig in einem Buch unterbringen?
Man kann. Dieses Buch schildert in 12 Kapiteln, die für jeweils einen Monat des Jahres stehen, das Jahr 1913 und zeigt dabei ein Sittengebilde auf, das an Mannigfaltigkeit und Erstaunlichem überraschend ist, obschon vieles einem bekannt vorkommt.
Es ist ein Buch, das erfolgreich den Beweis antritt, das es gelegentlich in der Weltgeschichte so etwas wie ein Stichjahr des Umbruches gibt. In der Regel gehen wir ja von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten aus, wo Umbrüche statt finden, die die Welt in neue Bahnen lenken.
1913 ist also ein wahrlich Ereignisreiches und vor allem folgenreiches Jahr. Es ist der Wendepunkt einer Zeit und damit der Politik, Kunst und gesellschaftlichen Normen, wie Lebensweisen.
Wie das vonstattengeht kann man in kurzen Episoden, ja Anekdoten erlesen und bekommt nicht selten dabei das Gefühl, als Folge man Romanfiguren, nur mit dem Unterschied, das alle Beteiligten die erwähnt werden echt sind und wirklich existierten. Auch sind alle Gegebenheiten die geschildert werden, nachweislich in etwa so geschehen.
Wo führt uns das hin? Es führt zu Fragen, was Hesse und Einstein gemeinsam hatten. Ob Stalin, Hitler und Trotzki sich in Wien begegnet sind, da sie alle zeitgleich sich dort 1913 aufhielten. Es führt zu der Frage, wie Picasso und Paris, wie Mätressen der Neuzeit und Künstler zusammenpassen und warum Wien, München, Paris und Berlin 1913 die Städte der Welt waren, die sich am Meisten hervor taten.

Dieses Buch ist wunderbar beim Frühstück zu lesen, in der U- oder S-Bahn, beim Spaziergang oder einem Kaffee am Nachmittag im Sonnenschein des kühlen Februars.
Mit etwas mehr als 300 Seiten im Umfang übersichtlich und Handtaschen tauglich, ist dieses Buch absolut zu empfehlen.