Sie ist wieder da oder doch nie wirklich weg gewesen. Gerade hat sie ihre neue Single performt und dank eines Leaks kennen wir auch schon einen Teil ihrer Lieder vom neuen Album.
Ganz wie es üblich ist, stand ihre Performance im Stil des Videos zur Single. Dies ist nicht nur bei Madonna so, sondern generell im Popgeschäft der Fall. So lässt sich ein Wiedererkennungseffekt erreichen und der Verbraucher schneller binden. Denn Pop, ist vor allem eines, die Bindung des Kunden an die Unterhaltung.
Madonna. Es ist wahrlich schwierig einfach ein paar Sätze über sie zu schreiben. Also unterteilen wir es einfach einmal in verschiedene Bereiche und schauen, was wir dabei herausbekommen.
Das Video:
Madonna klaut wieder einmal bei sich selber, jedoch gekonnt und mit positivem Effekt. Ihr Stierkampf Thema ist nicht neu und doch neu genutzt. Es fällt in ihre Tradition, immer etwas Spanisches unterzubringen. Sei es als Lied, als Tanz, oder Video. Seit dem -True Blue- Album, findet sich dies in jedem ihrer Werke wieder. Auch Express yourself scheint in diesem Video durch, wo Männer halb nackt durch den Raum Tanzen, wuchten und vom Täter zum Sinnbild für etwas ganz Anderes werden. Männer hat Madonna oft als Lustobjekt, als Täter oder eben als Metapher für die Unterdrückung der Frau genutzt. Gelegentlich könnte man ihr Männerfeindlichkeit unterstellen, jedoch sagt sie selbst das es ihr um die Erhebung des weiblichen Selbstbewusstsein geht. Nun, selbstbewusst tritt sie immer auf und so kann sie sich den Hinweis auf ihr -Open your heart- Video leisten, in Form bereits bekannter Tanzschritte. Open your heart wiederum passt analog perfekt zu -Living for Love-, weil beide Lieder ein gemeinsames Thema haben, was Madonna u.a. auch in -Frozen- besang. Es ist die Tatsache, das Liebe nicht ohne Risiko und vor allem nur mit offenem Herzen zu bekommen ist, aber eben auch das Risiko beinhaltet, es zerstört zu bekommen. Es ist die Tatsache das Liegen bleiben keine Wahl ist, wenn man glücklich sein will. Interessant in diesem Zusammenhang ist sicherlich Madonnas eigener Umgang, von dem wir wenig wissen, aber viel zu wissen meinen. Am Nächsten kommen kann der Fan noch über das Buch, das ihr Bruder geschrieben hat.
Das Lied und Video aber erinnert einen auch an das Album Erotica und wer sich einige der anderen Lieder bereits angehört hat, wird feststellen, dass dieser Eindruck sich noch verstärkt (ab vom Album- Cover, welches sicher auch nicht ganz zufällig an Erotica angelehnt ist). Lied und Video zeigen eine Madonna, wie der gemeine Fan sie kennt und zugleich das Letzte was sie produzierte.
Es ist -Neues mit Altem- verbunden.
Madonna textet wieder anständig und tanzt wieder ihren Stil. Die Musik, obschon eher aus der letzten Dekade, ist aber strukturiert wie man es klassisch von ihr kennt.
Natürlich wird dem Einen oder Anderem das Lied irgendwie bekannt vorkommen. Aber seien wir ehrlich, das trifft zurzeit auf praktisch jeden zu, der Popalben produziert. Nicht nur haben wir es zunehmend mit einer schnell, ja noch schnelllebigeren Entwicklung zu tun, sondern vor allem mit einer Tatsache, die gerne ignoriert wird und der sich alle immer mehr stellen müssen, die im Popgeschäft agieren.
Pop ist Unterhaltung, die sich immer neu erfindet. Pop lebt von Überhöhung, Verzerrung und Innovation. Pop ist Präsentation. Pop handelte nie davon wirklich singen zu können. Pop hat immer mit Elektronik und dem Produzieren bester Ergebnisse zu tun. Pop ist Mainstream. Und Pop ist seit dem Tod von Michael Jackson in Rente. Madonna ist und bleibt die Queen, denn Queen sein heisst nicht die erfolgreichste sein, sondern die Einflussreichste. Pop ist in Rente und das auch, weil sich nichts neues Entwickeln lässt. Es ist nichts neues auf dem Markt, so das Pop sich als Pop weiterentwickeln kann. Der Höhepunkt ist vorbei. Jetzt kann nur neu gesampelt werden. Wer es schafft interessant das Vorhandene zu kombinieren, hat Chancen sich zu behaupten. Doch dies wird immer schwieriger. Pop wiederholt sich, ganz wie der Rock, Heavy Metal, der Blues, der Jazz und so weiter. Deswegen ist eine Lady Gaga auch gar nicht daran interessiert, Madonna irgendetwas streitig zu machen. Nicht umsonst hat sie sich der Kunst verschrieben, sich dem Jazz und Swing zugewandt.
Das dies Madonna bewusst sein dürfte, zeigt das Video zu Living for Love auch deutlich. Sie greift sich was ihr zusteht. Sie behauptet sich und sie zeigt das sie Pop und deren Konsequenz vollends versteht.
Nicht zuletzt auch dadurch, das sie, wie keine Andere, eine Disziplin körperlich darzustellen weiss. Stark, schlank, Muskulös und Selbstbewusst und mit einem Körperbewusstsein, das keine Fragen offen lässt, präsentiert sie sich.
Noch etwas erinnert an diesem Video an die alte, bekannte Madonna. Der Minotaurus. Sie zelebriert den Kampf mit ihm und spielt einen Mythos nach, an dem sie als Sieger hervorgeht. In der Originalsage ist der Held ein Mann. Das alleine ist schon eine starke Message. Der Minotaurus ist aber ein Menschenfresser. Geboren in Folge eines Betruges. Da Madonna ein Zitat Nietzsche am Ende des Videos stellt, ist auch hier die Botschaft klar und deutlich erkennbar, sofern man sich ein wenig auskennt. Dies wiederum ist wieder typisch für Madonna. Sie hat bereits seit ihrer zweiten Tournee nie mit Kritik am System gespart.
Nun könnte die Kritik am Kapitalismus und der Gier des Menschen ihr selbst vorgeworfen werden, denn sie profitiert von der Gier und dem Kapitalismus. Sie selbst hat ein grosses Ego und verdient am Schein im Sein. Jedoch wird diese Kritik sie zu spät erreichen, da sie selbst schon unlängst diesen Zwiespalt zugegeben hat. Auch ihr grosses Ego hat sie nie bestritten.
Schlussendlich kann man zu dem Video sagen, es ist wie eine Best of Collection ihrer bisherigen gesamten Karriere.
Madonna als Künstler:
Ist sie eine Künstlerin, oder nur Produzentin? Doch die Frage ist eher, ist Pop Kunst?
Im Sinne des Kunstbegriffes muss man dieses bejahen und damit ist auch die erste Frage geklärt.
Wer nun aber meint, sich über sie und ihr Werk herablassend äussern zu können und ihr vorwerfen zu müssen, sie sei nicht die Beste, ist im falschen Film.
Bereits von Anfang an wurde Madonna Talent abgestritten. Jedoch, ohne hätte sie es nie geschafft sich so lange zu halten, besässe sie nicht ein wenig davon.
Sicher ist, sie hat nicht den grössten Beutel abbekommen. Dies ist ihr auch bewusst und schon in ihren ersten Jahren hat sie in Interviews zugegeben, das sie weder die beste Sängerin ist, noch die beste Tänzerin, noch Künstlerin im allgemeinen. Das war auch nie ihr Ziel. Und wer sich ihre Arbeiten genau anschaut, wird schnell merken, das sie sich ihrer Grenzen sehr bewusst ist, da sie nie ohne Hilfe Anderer Ihre Alben und Tourneen produziert.
Madonna ist Popkünstlerin. Madonna ist Popsängerin. Madonna ist vor allem ein Star. Madonna dürfte auch als Einzige (eventuell Lady Gaga und David Bowie noch) das alte Verständnis von Star sein haben. Das Verständnis, was Pop ist. Mit Sicherheit eines der Geheimnisse, warum sie sich am Firmament halten kann (und eben die anderen Beiden). Sie ist demnach bereit die Konsequenz daraus zu tragen, die heisst: Kontrolle über möglichst Alles haben, sowie Arbeit und Image geht vor Privatleben (auch wenn sich dies zuletzt bei allen Kandidaten geändert hat).
Madonna hat das Starverständnis einer Marlene Dietrich. Eisern sein und diszipliniert.
Das Pop reinvention bedeutet hat Madonna schnell erkannt, so wie sie jetzt mit Sicherheit weiss, das sie das herausholen muss was geht, denn einen weiteren und vor allem so langen Vertrag, wird sie nicht mehr bekommen. Nicht nur ihr Alter spielt dabei eine Rolle, sondern auch eben die Tatsache, das Pop in Rente ist und sich keine Neuerfindung mehr herausholen lässt.
Der Einfluss Madonnas:
Unbestritten dürfte die Frage nach dem Einfluss dieser Person auf das Geschehen mit einem starkem -Ja- beantwortet werden.
Ob wir es wollen, mögen, gut heissen oder nicht, sie sorgt für Gesprächsthemen.
Lange hatte sie zudem Einfluss auf aktuelle Moden, aber auch Videokunst und wie das Niveau im Pop definiert wurde. Sie hat eine einfach Bühnenshow zu einem Ereignis gemacht (Blond Ambition tour) und damit gezeigt, das man Unterhaltung singend auf der Bühne mit einem Korsett und Inhalt bereichern kann. Das sie selbst sich zuletzt nicht mehr daran zu erinnert schien, hat sicher verschiedene Ursachen, auf die sie vielleicht einmal selber später eingehen wird. Genauso wie sie vermutlich ihr letztes Album als das schlechteste bezeichnen wird und dies wohl unter Anderem damit begründen wird, das es unter Druck produziert werden musste.
Sonst gilt, ihre Alben hatten oft schon vorweggenommen, was am Ende allgemeiner Trend werden sollte. Zuweilen war sie zu früh dran, zuletzt hinkte sie hinterher. Jetzt scheint sie verstanden zu haben, was geht und worauf sich im Pop noch stützen lässt und es könnte gut sein, dass dieses Bewusstsein seine Kreise zieht.
Selbst wenn Madonna nicht beabsichtigt einflussreich zu agieren, so tut sie es doch, indem sie durch ihre Art zu leben Diskussionen anstösst, die oftmals schon eine Weile in der Luft hingen und auf sich warten liessen. Bedingt durch ihre Prominenz wurden Themen wie Alter, Jugendwahn, junge Lover, Sexualität und Spiritualität, Schwangerschaft, Mutter sein und Karriere machen aufgenommen und teils heftigt diskutiert.
Wenig bekannt ist dagegen, das Madonna vielen jungen Künstlern hilft und dies meist ohne grosses Brimborium. Auch unterstützt sie Hilfsprojekte und dies nachhaltig und lang. Ganz anders, wie es viele Prominente tun. Sie lernt dabei auch ganz offensichtlich aus Fehlern und kann die Dinge dann so korrigieren, das sie zum Erfolg führen. Am bekanntesten dürften hier ihre Schulbau- und Krankenhaus- Projekte in Afrika sein.
Das sie auch weiterhin bewusst ein Sendungsbewusstsein hat, lässt sich wiederum am aktuellen Video sehen und nicht zuletzt an den bereits erwähnten Tourneen.
Und neben David Bowie hat sie erkannt, das man nicht alles neu entwickeln muss und eine gute Kopie, besser ist, als ein schlechtes Original. Jedoch hat sie als Frau immer auch dabei mit den Vorurteilen der Gesellschaft zu kämpfen, die einer Frau nicht das Selbe zugestehen, wie einem Mann. Nutzniesser ist von der Diskussion und der Veränderung dadurch unter anderem die Generation um Lady Gaga, Katy Perry und Co.
Madonna ist für das selbstbewusste Bild einer Frau ein perfektes Beispiel. Sie kennt die Normen und nutzt sie für sich. Sie zeigte das Stärke zeigen o.k. ist und Frauen auch so aussehen dürfen. Sprich Muskeln haben dürfen. Sie zeigt aber auch, das es selbst für eine gestandene Frau schwer ist, sich dem Jugendwahn auf Dauer zu entziehen und Schönheitskorrekturen leider nicht immer vorteilhaft sind. Jedoch muss man hier die Reichen und ihre Gesichter vor Augen halten, um zu verstehen, welchem Vergleich sie ausgesetzt ist.
Und zu guter Letzt sei noch erwähnt das es über sie etliche Doktorarbeiten gibt.
Der Mensch MADONNA:
Hier müssen wir gezwungenermassen uns einschränken in dem was wir sagen können. Wie und wer sie wirklich ist, werden wohl nur sehr wenige wissen.
Sie ist bekannt als Chefin resolut und unnachgiebig zu sein. Sie ist dafür bekannt durchaus ein Snob und A..loch zu sein, wenn es sein muss. Wir wissen auch, das sie Menschen offensichtlich nur bis zu einem bestimmten Punkt an sich heran lässt.
Vergessen darf man dabei allerdings nicht in welcher Position sie steht und dies auch Folge und Konsequenz eines Verständnis ist, das eben auch mehr Grenzen und Mauern beinhaltet, als bei einem Normalbürger.
Das sie nicht in der Welt des "Normalbürgers" lebt, sollte ausser Frage stehen und kann als Vorwurf kaum gebraucht werden gegen sie.
Das sie aber durchaus über das aktuelle kulturelle und politische Weltgeschehen gut informiert ist, kann man schon öfter bemerkt haben. Hier hat sie häufig auch klare Aussagen, wenn sie gefragt wird von Journalisten.
Es gibt Menschen die sie unter Anderem deswegen hassen, weil sie am Esstisch nicht die Freundlichste ist. Fakt ist hier wohl, sie hasst Small talk. Dies hatte sie bereits zu Anfang ihrer Karriere zugegeben. Sie ist auch kein wirklicher Fan von Tourneen, besitzt aber das Bewusstsein für die Notwendigkeit und den Ehrgeiz diese dann auch gut über die Bühne zu bringen.
Nein, Madonna hat keine grosse Gesangstimme, obschon sie besser geworden ist. Das sie dies noch immer nicht ständig tut ist ein typisches Problem der Popbranche. Die Meisten sind keine professionellen Sänger und trainieren daher ihre Stimme nicht wie ein Instrument. So singt Ricky Martin schief und Jennifer Lopez, aber auch eine Mariah Carey schafft es ihre Lieder völlig am Ton vorbei zu singen. Selbst eine Whitney hatte ihre schlechten Tage, da alles vor allem auf die Alben zugeschnitten war/ wird und nicht auf tatsächliche Gesangseinlagen. Pop bedeutet eben auch, nicht das Bewusstsein eines Musical- Sängers oder gar Opernsänger für seine Stimme zu besitzen.
Das Madonna meint sich da immer noch beweisen zu müssen hat auch viele langjährige Fans enttäuscht, denn wir wissen was von ihr zu erwarten ist. Show.
Diese dann schlecht zu machen ist ihr Makel.
Nun scheint es aber, das sie es noch einmal schaffen könnte und verstanden hat, was zu vermeiden gilt.
Madonna als Mensch bedeutet auch, zwei gescheiterte Ehen und kein Rosenkrieg. Die Presse hatte sich darauf gefreut, aber unterschätzt, das Madonna vor allem nicht nur klug genug ist, sondern auch konservativer als viele denken.
-Rebel heart- ihr aktueller Albumtitel, ist aber kein Gegensatz zu dem eben festgestelltem. Madonnas Background entstammt u.a. aus dem Punk, aus der Zeit, als New York im Aufbruch der 80ziger und 90ziger war. Gerade weil sie auch aus dem katholischem Elternhaus geprägt ist, führt ihre grundsätzlich konservative Betrachtungsweise eben auch zum Gegenteil dessen. Die Abwendung vom Neuem und der gleichzeitigen Beschäftigung damit, sowie dem Anders sein- was ihre zweite grosse Prägung aus ihren jungen Jahren ist; sind Ursachen und Folgen zugleich, warum Madonna ist, wie wir sie sehen.
Dies bedeutet auch, das sie sich sehr wohl bewusst sein dürfte, wie sie wirken könnte und kann.
Auch hier finden wir das Marlene Dietrich Vorbild.
Madonna als Mensch tritt zuletzt immer mehr hervor und das weil sie als Madonna der Star näher an ihre Fans heran kommt. Als eine der Ersten hat sie bereits in den 90ziger bei ihrer - Girly Show- sich weit in das Publikum mit ihrer Bühne gewagt. Mittlerweile ist dies fast schon zum Standard geworden, um die Fanbase zu beglücken und vermeintliche Nähe zu suggerieren. Aber wer dies als Vorwurf lesen will, liegt falsch. Pop ist genau das. Illusion, Unterhaltung und manchmal sogar eine Botschaft.
Diese klingen zwar immer mehr nach Peace, Love & Understanding, sind aber in der heutigen Zeit bewusst unbewusst oder umgekehrt genau was gebraucht wird und was in das Bewusstsein der Menschen wandern sollte. So erfüllt Pop einen Auftrag, den er nie hatte. Die letzten Atemzüge des Pop in seiner Rente ist die Aufklärung und das Bewusstsein von Love & Peace als wichtiges Mittel für eine Zukunft, die lebenswert sein soll. Auch hier ist Madonna an vorderster Front, wenn auch einige meinen, das sie Kabbalahvernebelt sei. Madonna hat nämlich seit ihrer zweiten Tourneen immer die Themen der Politik mit aufgenommen und die Liebe zelebriert, in allen ihren Facetten. Auch das zeigt einen Teil des Menschen Madonna.
Und damit haben wir doch mehr zusammen bekommen, als eigentlich gedacht und wir könnten noch endlos schreiben, wenn wir kein eigenes Leben hätten.
Haben wir aber und daher ist hiermit Schluss.
Bilden sie sich ihre eigene Meinung, aber halten sie sich offen und vor allem zurück zu schnell zu urteilen.
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