Montag, 28. Dezember 2015

Zukunft Pflege?!

Ein Rückblick auf das Jahr in Bezug auf die Pflege- vor allem der Altenpflege, der Pflege in Heimen. 
Was hat sich verändert, was gebessert, was gab es neues, wie steht es nun?
Wie in jedem Jahr fragt man sich, wird es endlich besser werden? Werden wir die Wende schaffen und wieder gute Pflege bewerkstelligen können?
Anfang dieses Jahres gab es grosse Demonstrationen vom Pflegepersonal selbst, unterstützt und gefördert von Verdi. Wenn auch erst einmal nur für den Krankenhausdienst. Das gab Hoffnung, denn der Streik war nicht nur nicht kurz, sondern auch deutlich und in den Medien auch sichtbar. 
Fast zeitgleich streikten die Kollegen, die sich um die Betreuung der Kinder kümmern.
Interessanterweise erhielten diese viel Unterstützung vom Volk, jedoch nicht die Pflegekräfte. Ihnen wurde vorgeworfen, moralisch negativ zu handeln und egoistisch zu sein. Doch gleichzeitig möchte jeder die beste Pflege haben und gibt doch der Grossteil der Bevölkerung an, wie viel Respekt sie hätte.  
Den Pflegekräften kommt aber nach dieser Erfahrung der Beigeschmack des -Ich bin ja nicht dagegen, aber... sehr zum Kotzen. Um nicht zu sagen- sie sind sauer, wütend und sehr enttäuscht. 
Jahrelang schon müssen sie sich schikanieren, ausbeuten und auspowern lassen und nun hatten sie endlich einen Teil der eigenen Moral gebrochen, der falsch verstandenen wohl gemerkt und sich endlich besonnen und daher wirklich sichtbar gemacht und dann wirft man mit Steinen! 
Viele hat das verschreckt und so ist aus dem hoffnungsvollen Protest keine landesweite Bewegung geworden. Lieber Protestierten immer mehr vom Volke immer lautstärker gegen vermeintliche kriminelle Ausländer, statt diese willkommen zu heissen, denn nicht wenige von diesen arbeiten in der Pflege und wir benötigen noch viel mehr von ihnen. 
Im eigenem Lande wollen immer weniger gelernte Helfer und Fachkräfte unter diesen schlechten Bedingungen der letzten Jahre weiter arbeiten. 
Dann kam das 2. Pflegestärkungsgesetz und die Politik verkauft dieses als vollen Erfolg. Dabei ist dieser weder abzusehen, noch sehr wahrscheinlich. Es ist ein Gesetz, was an Symptomen ansetzt, aber nicht an den Ursachen. Es soll die Finanzschwierigkeiten im Rahmen halten, löst aber nicht die Finanzproblematik und es hilft dem Personal gar nicht. Es missachtet ausserdem die aktuellen Entwicklungen auf dem Gesundheitsmarkt. 
Die sehen wie folgt aus nach dem aktuellem "Pflegeheim Rating Report 2015", einer Studie, die von RWI, Philips Healthcare und der hcb GmbH erstellt wurde, basierend auf einer Stichprobe von 469 Jahresabschlüssen von Pflegeheimen, die ca. 2250 Heime umfasst und zudem amtliche Daten des Statistischen Bundesamts aller rund 13000 Pflegeheime, 12700 ambulanter Dienste und 2,6 Millionen Pflegebedürftigen mitzählt: Bis 2030 wird es ca. 3,5 Millionen mehr pflegebedürftige Menschen geben und somit benötigen wir eine Investition von ca. 80 Milliarden Euro und zusätzlich 345.000 Pflegekräfte.
Hinzu kommt, dass es immer mehr leichte Pflegefälle sind, die in die Heime kommen, da die Krankenhäuser eine Art "Outsourcing von Pflege" betreiben. Dies stellt viele Heime bereits jetzt vor immensen finanziellen Schwierigkeiten, da der Arbeitsaufwand und der Personale höher ist, als die Einnahmen, die diese Pflegefälle bringen. Gleichzeitig wird gerade von Pflegeheim-Ketten das Gewinnstreben verschärft und so geht die Pflege immer mehr Richtung - Ausbeutung auf Kosten von Personal (Kürzen und Nichteinstellung inbegriffen) und Betroffenen-. Da bleibt es nicht aus, das Dinge immer wieder in's Hintertreffen geraten, die Qualität der Pflege auf der Strecke bleibt und sich Angehörige, Betreuer und Betroffene immer öfter beschweren, bei einem Personal, das immer öfter kaputt und ohne Energie ist. Der Kreislauf der demotivierten Pflegekräfte und des damit erhöhten Krankenstandes und massiven Personalwechsels geht immer weiter und immer tiefer in die Schlucht und somit immer schneller in die negativen Ergebnisse an der Oberfläche. 
Es gibt durchaus Bemühungen von Pflegeleitungen und Heimleitungen, hier Besserung zu erreichen, jedoch, wie weit kann man kommen, wenn man kein Geld hat, nicht aus dem Vollen schöpfen darf und kann und einem schlicht Personal fehlt, obschon man zuviel hat laut Personalschlüssel, weil sich Theoretiker die Regeln ausgedacht haben, und dabei Menschen in den Schlüssel einbinden, die in der aktiven Pflege gar nicht arbeiten? Wenn ich dann noch immer öfter schlecht bis wenig qualifizierte Kräfte habe, weil ich zu wenig Gehalt biete und die guten Pflegekräfte, vor allem Fachkräfte sich wegdrehen und dahin gehen, wo sie endlich mehr Gehalt bekommen, dann kann ich auf Dauer auch als neues Heim nichts stabiles aufbauen, gerade dann, wenn ich auch noch unter Zeitdruck bin, denn schliesslich muss ein neues Heim in der Regel nach drei vier Jahren laufen, was immer seltener der Fall ist. 

Und jetzt noch einmal das Ganze mit der Anforderung, innerhalb der nicht einmal nächsten 15 Jahre 345.00 Pflegekräfte zu benötigen.
Wie soll das gehen? Dafür hat die Politik, haben die Vereine, immer noch keine wirkliche Antwort. Obschon das Problem seit mindestens 10 Jahren bekannt ist. 
Ja, wir bilden in China und Ungarn, in Polen und in anderen Nachbarländern aus, rekrutieren aus Portugal und Bolivien Personal und die Träger beginnen sogar, ihnen Deutschunterricht zu stellen, sowie Wohnungen für den Übergang, doch das wird bei weitem nicht reichen. 
Da könnten die viele neuen Flüchtlinge bei Eignung durchaus als Pflegehelfer in Heimen tätig sein, doch bisher versäumt der Staat, also die Politik, hier endlich Struktur und Ideen hinein zu bringen. 
Potential, das gerade verloren zu gehen droht. 
Doch Politik ist das Eine. Die Menschen im Lande sind das Andere. Wann endlich werden sie gemeinsam mit den Pflegekräften kämpfen, wann ihre verlogene Respektbekundung zu echtem umwandeln? Können die Pflegekräfte darauf hoffen oder müssen sie trotz allem alleine weiter kämpfen, obschon viele des Überlebenskampfes müde sind? 

Was bleibt uns da, ausser endlich mehr Technik einziehen zu lassen, Roboter aus Japan zu importieren und zu begreifen, das Netzwerke die Pflege sichern müssen?! Denn aktuell scheint dieser Weg einer der ganz wenigen machbaren. 

Gibt uns das Hoffnung, wo uns die Zeit davon rennt? 
Pflege ist heute schon ein Drei -Klassen -System in der Altenversorgung. Die Armen Bürger landen in den schlechten Häuser, dann die, wo sich ein Grossteil der Bevölkerung einfinden wird, wo die Qualität aber sehr schwankend von gut bis schlecht ist und immer droht vollends zu kippen und das Personal nie zur Ruhe kommen wird und die Heime, die gar nicht wie solche aussehen, denn hier können die Bedürftigen zahlen und beste Leistungen und Umgebung bekommen.  
Die Hoffnung schwindet. Mit jedem Jahr mehr. Der Druck wächst und selbst die Kräfte, die Menschen, die sich wirklich allergrösste Mühe geben sind schon längst an ihren Grenzen angekommen. Sie versuchen zu erhalten, zu beruhigen, zu beschönigen, zu verteidigen und Lösungen zu finden. Sie arbeiten mit dem was ihr Kopf bietet und was ihr Herz sagt und hören doch nicht auf ihre Gesundheit, auf ihr Familienleben und geben fast alle am Ende auf oder weg. 
Die Bewohner selbst in Heimen mögen gelegentlich scherzen, das man verrückt sein müsse, um in einem Heim zu sein, doch sie meinen nicht sich selber, sondern das Pflegepersonal. 
Sie haben recht. 
Auch unsere Zukunft, die Auszubildenden leiden unter alle dem stark. Die Qualität der Ausbildungen in Deutschland ist gesunken und sinkt weiterhin. Was nicht verwunderlich ist, wenn sie als volle Kräfte arbeiten - verbotenerweise, aber kaum bis gar nicht angelernt werden.
Damit das besser wird, wird von der Politik versucht, alle Ausbildungen in einen Topf zu werfen und es wie im Ausland zu machen. 
Zwei Jahre lernen alle alles, dann drei Jahre Spezialisierung. 
Grundsätzlich nicht falsch, aber es verkennt die Lage, in der wir uns befinden, auch weil die Politik seit Mitte der 90ziger Jahren die Ausgaben für Ausbildungen gekürzt hat und dies u. A. genau zu dieser Problematik geführt hat. 
Wir brauchen aber schnell und effektiv in den einzelnen Bereichen Pflegehelfer und Fachkräfte. Wir brauchen wieder eine Pflegehelferausbildung, die mindestens ein bis zwei Jahre geht und nicht nur 40 Stunden. Es kann nicht sein, das man als leitende Fachkraft beständig Personal anlernen muss, was ausgelernt sein sollte. Der Aufgaben gibt es so schon genug, ohne das man hinterher kommt. 
Einen grossen Teil der Aufgaben sind, das ist allgemein bekannt, unter Anderem Schreibarbeiten, Dokumentationen. Hier können wir endlich sagen, läuft seit einem Jahr ein Projekt mit ca. 200 Heimen, in denen die Entbürokratisierung versucht wird. Leider haben sich Politik, Vereine und Kassen immer noch nicht einigen können, wie sie diese dann bei Kontrollen bewerten wollen und sollen. 
Aber sie reden lieber davon, das sie doch schon soviel Neues verabschiedet hätten. 1. und 2. Pflegestärkungsgesetz, das sei doch ohne Frage sehr gut gelaufen.
Mehr Pflegestufen nach dem Pflegestärkungsgesetz bringt aber keine Erleichterung in der Pflege und höhere Beiträge erhalten deswegen auch nur wenige von den Kassen. Es wird anzunehmen sein, das es genau anders herum laufen wird. Die Kassen wollen schliesslich Geld sparen, denn die Einnahmen sind kostbar. Zudem soll der neue Kontrollkatalog, der die Pflegeheime selbst und deren Arbeit bewertet, bis 2018 eventuell fertig sein, doch schon jetzt befürchten viele in der Pflegebranche, das auch dieser am Kern vorbei kontrollieren wird, statt Pflege zu sichern in guter Qualität. Theorie und Schreibarbeiten zu kontrollieren und ob die Akten brav geführt werden, sichert keine Qualität, noch weist sie diese nach. 
Jetzt gibt es auch noch die Forderung einen neuen Stellenschlüssel festzuschreiben. Dagegen formiert sich bei den fast vorwiegend privaten Trägern heftigster Widerstand. Verständlich, denn Personalkosten sind die höchsten Kosten die es gibt. 
Aber das ist ja nicht alles: Mehr sollte den Kräften auch gezahlt werden, doch noch weigern sich die Träger fast durch die Bank hinweg. Selbst staatliche Träger. Dabei sollte die Erkenntnis längst gereift sein, das ohne dieses Entgegenkommen kein Nachwuchs zu bekommen ist. Der angebliche Lohn von 3300 Euro, den es durchschnittlich gäbe, den die Politik verlautbaren lies, der wurde nicht allein mit dem Gehalt der Pflegekräfte berechnet. Die Meisten kommen zwischen 2000 und 2200 Euro pro Monat (ohne Abzug). Selbst wenn sie schon fast 20 Jahre in der Pflege arbeiten. Mit ca. 1300 Euro in der Kasse pro Monat lässt es sich keine grossen Sprünge machen, noch ein Gefühl der Wertschätzung erreichen.
Ganz klar das dann kaum einer gerne dafür auch noch unbezahlte Überstunden in Kauf nehmen möchte, oder nur 14 Tage am Stück Urlaub, wo doch das Arbeitsrecht mehr vorschreibt. Geschweige denn das man aus dem Urlaub zur Arbeit kommen muss und dann wieder Urlaub haben darf. Sprich, Unterbrechung des Urlaubes für ein oder zwei Tage. Wo gibt es so etwas, ja in der Pflege! Wer möchte schon dafür auch noch beschimpft, geschlagen, geruchsbelästigt, bespuckt und bemängelt werden? Nicht einmal Ärzte nehmen das Pflegepersonal ernst, obschon gerade ältere und langjährige viel besser die Lage ihrer "Kunden" einschätzen können.
Natürlich gibt es auch schöne Tage in der Pflege, Erfolgserlebnisse und gute Teams gelegentlich, aber fast alles wird vom Alltag sprichwörtlich aufgefressen und somit auch die Motivation. Selbst wenn ein kleiner Rest übrig bleibt, so ist er sehr zerbrechlich und schnell geschunden. 

So ist dieser Rückblick eher hoffnungsvoll im Anfang, doch fragend am Ende. 
Hat die Pflege eine Zukunft?
Natürlich hat sie diese, aber wie sie sich gestalten wird, liegt immer noch sehr im Nebel. 
Es wird damit dringend Zeit zu handeln und zwar ernsthaft und sollte eine der wichtigen Aufgaben für die Politik, die Krankenkassen und Versicherungsträger, sowie Heimträger sein, hier endlich umzudenken, zu handeln und dabei Menschenwürde wieder im Blick zu haben, denn diese ist verloren gegangen. Der Blick muss weg vom Geld als Gewinn und hin zu Investition in eine Branche, derer wir auch in Zukunft, und da könne wir sicher sein, bedürfen.  2016 sollten aber auch die Pflegekräfte endlich laut aufschreien, sich endlich gegen alle Widerstände auf die Strasse wagen und sagen: STOP, ES REICHT! ÄNDERT DAS SYSTEM!. Schliesst Euch endlich alle zusammen, denn Vereine habt ihr genug gegründet! Arbeitet und kämpft endlich gemeinsam. Seid laut, seid aggressiv, seid sichtbar und zeigt Stärke! Sitzwachen und auf Plätzen liegen reicht lange nicht aus. Ruft laut in den Wald hinein, damit auch der Letzte euch hört, egal, ob er will oder nicht, denn alt und krank werden wir alle einmal. Fordert den Respekt ein, fordert die Beteiligung eurer Mitbürger und wenn sie sich weigern, dann schimpft sie endlich Lügner! Die Ignoranz der Pflege gegenüber muss aufgebrochen werden. Zwingt eure Familien endlich euch ernst zu nehmen! Zeigt der Welt draussen, das Statistiken der Lobbyisten der Wahrheit Lügen straft. Wenn ihr Veränderung wollt, dann müsst ihr sie einfordern, sonst nimmt man Euch zurecht nicht ernst und wird euch weiter als Fussabtreter benutzen. 
Seid es euch endlich selbst wert, euch zu schützen und zu verteidigen!

Euer TomLove




















Dienstag, 8. Dezember 2015

Die Leiden des Abends

...oder doch eher die Leiden der Unnormalität? 
Eine Frage, die sich nicht so einfach stellen lässt. Gerade wenn es um die menschliche Psyche geht.
Aber einen Einblick will ich gerne in meine Gedanken gewähren. 
Aus dem Berufsalltag der Pflege, genauer der Altenpflege. 
Dieses eine Mal nicht darüber, wie wenig doch noch arbeiten. Nein, auch nicht wieviel wir uns abrackern. Wie wenig wir verdienen oder wie sehr wir von der Politik enttäuscht sind und wie sehr der Personalschlüssel eine Lüge ist.
Pflege bedeutet nicht nur Medizin und Waschen. Sie bedeutet auch den Menschen und seine Bedürfnisse zu sehen und sie zu erkennen. 
Gerne würde ich sagen ich habe alle Zeit der Welt, vor allem für die, die es ganz besonders brauchen. Für die, die eigentlich rund um die Uhr jemanden brauchen, damit sie noch zurecht kommen. Für die, deren Geist sich auf Wanderschaft begeben hat, ganz unmerklich manchmal, manchmal aber auch ganz klar und doch unbeliebt gewesen und somit ignoriert, dass er seinen eigenen Kopf hat. Für Menschen, denen die Erinnerung an fast allem fehlt, an das Heute, Morgen, Gestern und bald auch Vorgestern. Ja, es währe schön Zeit zu haben für gerade diejenigen, die umherwandern und nach uns ausschau halten, da ihr Kopf voller Fragen ist, die sie nicht beantworten, oft auch nicht mehr richtig stellen können. 
Die Seele leidet sichtbar und die Emotionen schwanken hin und her, doch können sie nicht mehr erfasst, benannt und eingeordnet werden. Der Gang wird unsicher, das Essen - wie geht es doch gleich noch einmal und was heisst rechts entlang den Flur, das letzte Zimmer links? Da kommt die Angst in ihnen hoch und sie wollen nicht alleine sein, doch können keine Minute still sitzen, weil sie dann noch mehr Angst bekommen. 
Ein Kreislauf beginnt und endet nie wieder. Als Pflegekraft weiss ich, so ein Mensch braucht jemanden, der ihn rund um die Uhr an die Hand nimmt und beruhigend, ermunternd und geduldig leitet. Aber mir fehlt die Zeit. Ich versuche zu helfen wo ich kann, doch mein Nervenkostüm ist angespannt. Es sind dreissig weitere Personen zu pflegen, zu beachten, zu umsorgen und drei oder vier davon sind diesem Menschen ganz ähnlich. Sie können sich alle theoretisch waschen, kleiden, essen und trinken, gehen und liegen, sitzen und stehen und doch können sie es nicht, denn es muss ihnen gesagt werden. Gezeigt werden oder sie brauchen Anleitung, samt Hilfe, Handreichung und Verbesserung. 

Alt sein ist nichts für Feiglinge heisst es und so ist der Körper oft noch gut erhalten, doch der Geist, der will nicht mehr. Wohl auch die Seele, doch sie ist im Zwiespalt. Leben oder gehen?

Was also machen ich und meine Kollegen. Wir setzten uns hin, helfen und reden, mal mehr ruhig, mal mehr gehetzt, mal voller Verständnis, dann wieder genervt, da wir zum fünften Mal oder mehr das Gleiche sagen müssen, den Rollator holen oder in's Zimmer begleiten, obwohl wir keine Zeit dazu haben, sie nicht abgerechnet werden kann, auch nicht nach dem neuem Pflegestärkungsgesetz. 
Nicht ausreichend sind wir und doch heisst es wir sind zuviel Personal. 
Aber darum geht es jetzt nicht, sondern um die Zuammenarbeit mit Ärzten, denn wenn wir nicht weiter kommen und doch die Sicherheit und Würde wahren wollen, dann brauchen wir sie, die Neurologen und Psychologen. 
Leider aber erweist sich diese Berufsgruppe als sehr schwierig, als Verantwortungs- und Handlungsscheu. Man wird den Eindruck nicht los, das sie Arzt werden wollten, aber ohne Verantwortung tragen zu müssen, dann aber feststellen, das sie es doch mit echten Menschen zu tun haben und als Reaktion entweder die Betroffenen ignorieren oder zuschiessen, also unter Drogen setzten. Denn wenn sie die Menschen ernts nehmen täten, bedeutet das sehr viel Arbeit für sie, was sich dann weniger rentiert. So hat das Pflegepersonal das Problem, das es mental eingeschränkte Menschen beruhigen oder vom Laufzwang befreien möchte und von der inneren Unruhe, der Angst und den Depressionen, doch es findet kaum bis gar kein Gehör und wenn dann doch etwas verschrieben wird, so schauen die Ärzte selten genauer hin, oder verschreiben nicht das was man ihnen nahelegt, denn wir als Personal beschreiben sehr genau oftmals die Symptome, die Leiden und wissen meist was geeignet währe. Schliesslich haben wir eine fundierte Ausbildung und oft auch jahrelange berufliche Erfahrungen vorzuweisen. Aber was soll man machen, wenn selbst nach mehrfacher Rücksprache nicht das verschrieben wird was es bräuchte, wenn einer Einweisung zur medikamentösen Einstellung im Krankenhaus der Arzt selbst im Wege steht, weil er sich weigert, die Sorgen und Nöte des Personals in Vertretung des Betroffenen ernst zu nehmen? 
So gut wie es ist, das unser Gesetzt den Menschen vor Willkür schützt, so stehen wir doch oft machtlos da und können den Menschen ihr Leiden nicht abnehmen, da uns die Hände gebunden sind. Wenn dann noch Angehörige kein Einsehen in die Situation und den daraus resultierenden Notwendigkeiten haben, wird es besonders belastend für die Betroffenen, deren Umgebung und damit Mitpatienten und auch für das Personal. 
Menschenwürde, welche das Grundgesezt garantiert, ist dann oft am weg galoppieren.  

Der Markt bietet massig an Psychopharmaka und doch nutzt die entsprechende Ärztegruppe kaum die Vielfalt, kümmert sich nicht um den neuesten Wissenstand und sorgt für angepasste Versorgung, denn nicht nur Medikamente sind zu verschreiben und das wissen sie auch, tun es aber nicht. Sie nutzen fast nie die Möglicheiten, die es gibt, Betroffene adäquat zu betreuen und Menschenwürde sicher zu stellen. Ja, oft erweckt es den Eindruck, dass die Ärzte diese Thema völlig ausblenden. 
Viele Neurologe und Psychologen verschreiben leider meist auch noch exakt das, was auch jeder Hausarzt mit seinem Wissen verschreiben würde. Es sind allgemeine Psychopharmaka. Es sind Medikamente, die vor allem komplett ruhig stellen, müde machen oder Gefühlstaub. Es sind aber keine, die der Situation angepasst sind, ihr Rechnung tragen, sondern nur die Situation überbrücken können, bis das Richtige gefunden ist. Doch soweit kommen Hausärzte in der Regel nicht und Neurologen und Psychologen sorgen es oftmals nicht dafür. Aber sie sollten Spezialisten sein und genau hinschauen, statt allgemein und unter Umständen schlecht verträgliche Substanzen zu vergeben. Sie sollten Depressionen erkennen und behandeln, statt das Personal nicht ernst zu nehmen, wenn es über eindeutige Anzeichen dafür berichtet. Oft erleben wir auch, das Ärzte kommen, wenn die Betroffenen schlafen oder gerade in der Ruhephase sind und erklären uns dann, es sei doch alles normal. Leider erleben wir das auch bei Noteinweisungen in ein Krankenhaus, das Ärzte ignorieren, das die Betroffenen ruhig gestellt wurden und uns diese zurück schicken, mit dem Vermerk, sie seien gesund. 
Liebe Psychologen und Neurologen- es währe schön, wenn wir endlich einmal im Sinne Eurer Kunden arbeiten könnten und handeln täten! Eure Branche hat leider zu recht den schlechten Ruf und ruiniert seit Jahren das Glück vieler Menschen. Viel zu lange müssen wir auf die richtige Behandlung warten. Viel zu viele von Euch nehmen ihren Beruf nicht ernst genug. Es ist eine Schande! Ja, man muss es so nennen. 

Doch vorerst wird das Pflegepersonal weiter nur versuchen können, für jeden einzelnen Fall zu kämpfen und immer wieder zu hoffen, das es doch diesmal gehen würde. 

Euer TomLove

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Dem Narren von Venedig

...gibt Christopher Moore ein neues Gesicht. In seinem neuem Buch bedient er sich wieder der Mittel der absurden Komödie. Ein wahrlich Shakespearehaftes Schauspiel lässt er uns erlesen, erfahren und erfühlen. 
Die Hauptfigur aus England kommend, um dem Papst im Rom und den Kaufmännern in Venedig die Botschaft seiner geliebten Adligen zu überbringen, stolpert uns entgegen. Jedoch, er hat nicht mit deren Verschlagenheit gerechnet und so wird ihm sein grobes Mundwerk zum Verhängnis, als seine Geliebte auch noch gemeuchelt wird. 
In der Falle sitzend muss der Narr seinen Weg der Gerechtigkeit finden und bekommt dabei Hilfe von Wesen aus den Wassern vor und um Venedig und einem kopflosen, aber sehr gehässigem Chor, der sich nicht zeigt und doch immer da ist. 
Selbst dem Leser erschliesst sich nicht, wer hinter dem Chor steckt und doch fragt er sich ist es Fantasterei oder Wirklichkeit, obschon er ahnt- es ist beides.
In süffisanter Sprache spricht sich der Schriftsteller aus, und beschreibt ein Venedig alter Zeit, das doch erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit der heutigen Grausamkeit der Wirklichkeiten aufweist. Versteckte Kritik leuchtet auf und doch amüsiert man sich über die bitterbösen Kommentare des Schlems, der sich flink wie ein Wiesel durch die Intrigen der Schönen, Reichen und Prostituierten begibt und dabei so manch anderes Volk an sich vorbei ziehen lässt. 
In ruhiger Erzählweise entfaltet sich diese Geschichte, dieses Märchen für Grosse und hat doch dabei viel Elan und Schwung aufzuweisen. 
Damit bleibt sich Christopher Moore weiterhin treu und auf gleichem Niveau seiner bereits bekannten Schaffenskunst. 
Seine Geschichten liegen zwischen Wahrheit und Erfundenem und nicht selten fragt man sich, ob das Erfundene nicht die Wahrheit sein könnte. Es währe hin und wieder ganz schön, wenn dem so währe, aber bis das geklärt ist, hat der Leser seinen wahren Spass an der Lektüre und wird dieses Buch so schnell nicht aus dem Regal aussortieren. 
Neben der "Bibel nach Biff" ist bestimmt noch Platz für dieses Buch.
Also, nichts wie auf in ein verruchtes Venedig, ein bekanntes England und den Meeren darum, davor und dahinter.

Euer TomLove

Samstag, 10. Oktober 2015

Die Leiden der Frau M

Nein, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Weder im privatem noch beruflichem Sinne. 
Als öffentliche Person des Gesellschaftsleben muss man schon ein dickes Fell haben und das hat sie wie es scheint immerhin. 
Nein, sympathisch ist mir diese Frau nicht, auch nicht wenn sie ein paar gute Aussagen gemacht hat und durchaus richtige Schritte gegangen ist. 
Respekt, den grundsätzlichen zolle ich ihr aber schon, aber mehr als das? Eine schwierige Entscheidung, denn die Frage ist, wofür respektiere ich sie dann genau? 
Damals als Ziehkind Kohls hat sie sich bei vielen den Respekt geholt, als sie ihren "Vater" vom Throne stiess. Aber war es politisches Kalkül oder Überzeugung? Wohl beides. Doch wenn man genau hinschaut, dann steckt da politisches Feingefühl und ihre auch heute sichtbare Taktik, erst dann den Mund aufzumachen, wenn keine Gefahr mehr droht. So hielt sie es bisher immer und möglichst neutral. Vor allem aber haben vor ihr schon etliche das gesagt, was sie dann abgewandelt als ihren Erfolg verbucht. Das nennt man Machtmensch und politisches Kalkül der ersten Güte. 
Ja, sie ist Machtmensch. Politiker ist sie weniger. Sie ist keine die voran geht, immer nur eine die reagiert. Was ihre wirkliche Meinung ist weiss am Ende keiner, da sie die öffentliche, politische, dreht, wie sie es braucht und am sichersten hat. 
Beispiel Atompolitik. Erst auf der Linie ihrer Partei, dann scheinbar dagegen, als in Japan der Gau auftrat und das eigene Volk mehr als deutlich Position bezog. Übrigens etwas, was im Ausland kaum einer wahr nimmt, da bis heute kaum über den deutschen Sonderweg gesprochen wird. 
Dennoch steht Deutschland in Europa immer und immer wider im Mittelpunkt. Selten aufgrund eigener positiver Entwicklungen, eher als Gegenbild, als das Land, auf das man sich verlassen konnte und wo das Ausland wusste, die da werden zahlen, wenn es keiner tut. 
Dies ist auch unsere eigene Schuld, denn unsere Politik hat sich aufgrund der Geschichte zwar bewusst als "Führer" herausgehalten, aber immer ohne murren gezahlt. Doch die Zurückhaltung in der Krise konnte unserein nie halten, denn wir wurden gedrängt die Krise zu meistern, also die Führung zu übernehmen. Und wir taten es. Doch Dankbarkeit hörte man selten. 
Ein Paradox das auch aus dem deutschen Selbstwertgefühl und Verständnis entstanden ist. Schliesslich haben wir nicht nein gesagt und haben sogar ordentlich geholfen, mit Ideen, mit Vermittlungen, mit finanzieller und aufmunternder Hilfe. Mit viel Verständnis und immer dem Willen, ja nicht als böse Deutsche da zu stehen. 
Mag Frau M auch zögerlich sein, sie hat gute Arbeit in der Aussenpolitik gemacht, Kompromisse gesucht und auch unpopuläre Entscheidungen errungen und nimmt dafür die Schelte in Kauf, obschon viele unpopuläre Entscheidungen, die in Brüssel getroffen wurden, sehr wohl im Sinne der Teilnehmerländer waren, nur dass diese dies nie laut von sich gaben. Gerade auch in der Griechenland Krise. Aber hier beginnen die Fehler oder auch Missverständnisse. Und die Fragen, die bis heute unbeantwortet blieben. Was ist ihr roter Faden? Was sagt ihr Weitblick? 
Hier zeigt sich, wie wenig wir eigentlich von der Agenda der Frau M. selbst wissen. Wir kennen nicht wirklich ihre Visionen, da sie es geschafft hat, immer das Gefühl zu vermitteln, sie hätte eine, aber diese nie in Worte nannte und uns doch zugleich mit Worten einhüllte. 
Worauf begründet sie ihre Entscheidungen? Sie gibt sie nicht öffentlich und ein Bauchgefühl in Sachen Ehe für Alle ist eine denkbare schlechte Erklärung für ihre Schritte. Ist es noch Parteipolitik oder schon Landespolitik? Oder gar keines von beidem und nur ihr reiner Machtinstinkt? 
Der scheint vorhanden, aber ein wenig verblendet gerade. Oder doch zumindest wenig an der Realität des allgemeinen Bürgers gemessen zu sein. 
Es gibt ein Paradox, das sie seit den Anfängen begleitet. Die Sicht auf Frau M ist im Ausland teils völlig anders als bei uns selbst. Sie ist geliebt, gefürchtet und verhasst. Sie verbindet alles in sich und ist damit in der politischen Beliebtheitsskala immer oben, egal was sie tut und egal wieviel sie tut. Sie wirkt verlässlich, egal wie. 
Und bei uns? Sie war so lange die beliebteste, solange sie möglichst nichts sagte und keine als zu klare und deutliche Position einnahm, selbst wenn ihre Inlandspolitik als teils katastrophal, schleppend und schwerfällig gilt und gelten kann. Jetzt aber, wo sie, wenn auch spät und mit Fehlern, auf einmal ernsthaft Stellung bezieht, zu einem Thema, das gefühlt alle betrifft, hier auch noch Klarheit zeigt, wenn auch kaum ein Konzept; da sinkt ihre Beliebtheit und sie steht im Kreuzfeuer der Bandstifter, die sie all zu lange gewähren liess. 
Und eine weiter Seite zeigt sich hier. Sie kann nicht gut mit Worten, sie kann nicht gut mit Menschen, die spontan reagieren. 
Neulich zeigte der Spiegel sie als Mutter Theresa. M. als Heilige, denn für viele ist sie ein Sinnbild als solche. Für die eigenen im Lande aber weniger und wüssten es mehr Menschen im Lande, dann würden sie das Bild der Frau M. als Mutter Theresa sogar begrüssen, denn Mutter Theresa war alles andere als eine liebenswerte, heilige Frau. Ihr Orden war kein Heilsorden, aber wusste sich zu verkaufen. Ihre Kinderheime waren ein Graus, denn in Armen Länden gibt es nicht viel, wenn man nicht selber zahlt und das haben die Mitglieder diesen Ordens nie. Geld kam massenhaft in die Kassen, alleine mehrere Millionen in den USA, wie ehemalige Nonnen berichteten. Doch ausgegeben wurde davon nichts, nicht einmal, wenn sie auf Missionsreisen waren. Hotelkosten, Verpflegung, das hatten selbstverständlich die Anderen zu übernehmen. 
So ist Mutter M., als Mutter Theresa unabsichtlich doch im rechten Licht geboten worden. Denn Frau M. hat Killerinstinkt und jeglichen Nachfolger bisher aus dem Weg geräumt. Jedoch fehlt nun ein kompetenter Mann oder auch Frau, die das Land reagieren könnten und wollten. 
Könnte das auch der Grund sein, warum sie gerade jetzt politisch Stellung bezieht, und das gegen Gegenwind? Oder war es ungeplant und aus einer einfachen Aussage im Sinne der Menschlichkeit und deutschen Geschichte, ist sie gefangen und gezwungen, wieder einmal das Land in einer Krise dieses Europa zu schiffen, gegen den Führungswillen? 
Auch hier wird am Ende das Paradox sie begleiten, egal wie es ausgeht, sie hat reagiert und doch gibt es keine Alternative die sich hervortat und so wird sie gut und gerne weiter auf ihren Posten bleiben können, von allen gefragt werden, auch wenn der Wind schärfer sein dürfte und es merklich mehr Menschen ihr Gesicht zu erforschen ersuchen werden. Denn es ist kaum ein Zufall, das die Menschen immer öfter auf die Strasse gehen und Stellung beziehen. Zwei Strömungen zeichnen sich dabei ab, eine die einer Diktatur gleich denkt und eine die eine besser Zukunft will und diesmal aus den Fehlern gelernt haben möchte. Auf welche Fährte wird sich Frau M. setzen und wird sie erkennen, das sie hier ihre Chance hat, wirklich Visionär agieren zu können,  auch wenn sie nur reagiert, statt regiert. 
Wer respekt will, muss ihn sich erarbeiten heisst es oft. Aber was verdient Respekt? Der blosse Machterhalt? Die Fähigkeit im Sturm nicht unterzugehen, auch wenn man einfach nur gezwungen war dafür zu sorgen? Oder der Erkenntnisgewinn und die Nutzung diesen? 
Nein, ich möchte nicht an ihrer Stelle stehen. Alle diese Kompromisse, Menschen die an einem zerren, Lobbyisten die sich ständig aufdrängen. Und dann die Frage, wieviele Hände waschen hier einander, wenn wir weltweit im Grossen, wie im Kleinen vernetzt sind? Wie kann sie klare Worte wagen, wenn sie gerade wegen undeutlichem Genuschel für Frieden im eigene Lande sorgen kann? Doch wie lange geht das gut? 
Vermutlich weiss Frau M., dass die Zeit der Rücksichtnahme vorbei ist und wir alle mit, denn wir sehen wie die Länder in Europa agieren, reagieren, reden und handeln. Vielleicht ist es an der Zeit auch für Frau M. mehr als ein paar klare Worte zu wagen, sondern auch Widerworte auszusprechen. Ihrer Popularität in Umfragen wird es weiter schaden. Ihrer Wiederwahl wohl eher nicht. Doch es ist mehr als die Frage einer Popularität auf dem Spiel. Es ist die Frage nach der nächsten Zukunft. Fremdenhass, Feigheit, Dummheit oder wahre Aufklärung, Emanzipation und Toleranz mit Selbstkritik und klaren Blick, der Fehler berücksichtigt und Ehrlichkeit erlaubt und den Menschen wieder ein farbiges Sehen ermöglicht.
Frau M., ihre Leiden sind nichts gegen die, die kommen werden, wenn sie nicht wissen, welchen Weg sie einschlagen sollten, wenn es um eine lebenswerte Zukunft geht. Aber - was ist eigentlich für sie lebenswert Frau M.?

Euer TomLove

Montag, 21. September 2015

Kommt eine Schwester geflogen

und scheint gerade rechtzeitig bei dir angekommen, um deine Schmerzen zu lindern, dein Leid dir abzunehmen und schon ist sie auch wieder entschwunden und du weisst gar nicht wie dies geschehen. 
So oder so ähnlich geht es vielen in ihren Begegnungen mit dem Pflegepersonal. Seien es die Pflegehelfer oder die Fachkräfte die ihnen zur Verfügung stehen, die meisten Menschen sind auf der einen Seite dankbar für jede Hilfe und doch unglücklich über die wenige Zuwendung und haben oft das Gefühl vergessen worden zu sein. Nicht nur in Heimen geht es vielen so, auch im Krankenhaus oder der Hauskrankenpflege. 
Immerhin wissen viele, dass es an Personal mangelt und haben daher ein wenig Verständnis, jedoch wollen alle zu Recht die bestmögliche Pflege, die ihnen auch von Politik und den Einrichtungen selbst versprochen werden. 
Nur laut den Vorgaben von den Krankenkassen und Pflegeversicherungen haben wir gar keinen Mangel an Personal, ganz im Gegenteil, darf sich das geschundene und geplagte Personal gar anhören, man habe einen Überschuss. 
Wie kann das gehen? Ganz einfach. Als Fach- und Pflegekräfte zählen auch Sozialarbeiter, Pflegedienstleitungen und unter Umständen auch weiteres Personal, was gar nicht in der aktiven Pflege dabei ist. Die Situation verschärft sich auch weil der Personalschlüssel nach den Pflegestufen ausgelegt wird. Ein weiteres Problem ist ohne Frage, das fast alle Einrichtungen Geld machen müssen, ja Gewinn machen sollen, und dies ist immer schlechter möglich. Zugleich wird der erwirtschaftete Gewinn meist gar nicht an das Personal weiter gegeben, obschon selbst die Politik es immer wieder verspricht, das hier entsprechend etwas gegengesteuert wird und immer wieder aber erleben wir genau das Gegenteil. 
Pflege darf nichts kosten und soll doch höchsten Ansprüchen genügen. Ein Widerspruch, den aber die entscheidenden Träger ignorieren, da sie eigene, gesonderte private Kliniken und Sonderbehandlungen sich leisten können. 
Doch die Schuld ist schlecht nur auf die Politik zu schieben. Zu viele Beteiligten haben zu viele Fehler gemacht und keiner mag es zugeben, noch wirklich etwas daran ändern oder selbst gegensteuern. Nur Einige wenige vom unterstehenden Personal haben angefangen Veränderungen standhaft einzufordern. Veränderungen im System, im Geldfluss in den Ansichten der Teilnehmer. Doch die grosse Masse stellt sich bisher taub. Was nütz es mir da als Pflegekraft, wenn Angehörige, fremde Menschen und eine Bundeskanzlerin mit Worten zu salben versuchen, die nur leere Hülsen sind, da sie die Verantwortung immer an das Pflegepersonal schiebt und dieses ist es leid gelobt und doch missachtet zu werden.

Aber ja, das Personal muss sich selbst auch aus den eigenen Fängen befreien und der Moralklaue sich entreissen und begreifen, das es nur ein Druckmittel gibt. Pflege muss kosten dürfen. Pflege braucht Personal. Pflege braucht Zeit und deshalb muss man auch mal auf die Strasse gehen und Betroffene spüren lassen, das sie abhängig von ihnen sind. Ein Krankenhaus ist nichts ohne die Schwestern, denn sie sind das Herz, die Seele und können die Fehler der Ärzte ausbügeln- umgekehrt geht das nicht. Ein Heim wird Menschen nicht Menschenwürdig betreuen können, wenn es das ausgebildete Personal dazu nicht gibt oder die Ausbildung der Pflegehelfer in 30 bis 100 Stunden Kursen besteht. Qualität braucht Ausbildung und die Möglichkeit als Azubi nicht als Arbeitskraft missbraucht zu werden, sondern als Schüler lernen zu können- neben einer Fachkraft. 
Es gibt Webseiten die 20 Gründe als Beispiel aufzählen, warum man eine Krankenschwester lieben muss. Ein Versuch Sympathien aufzubauen und doch sind viele so sehr kaputt und Hoffnungslos, das sie keine gute Pflege mehr leisten können oder es ihnen schlicht egal ist, da die Arbeitgeber sich einen feuchten Dreck um sie scheren. Nicht umsonst sind einige Firmen so sehr verschrien in der Branche und es wird vor ihnen gewarnt. Leider kann der Verbraucher diese nicht an den Pflegenoten des MDK erkennen, er muss sich selber schlau machen, vor Ort und vor allem im Internet sich durch viele Websiten und Beurteilungen durchwühlen. 
Ja, die meisten Krankenschwester rennen sich die Füsse wund, stehen sich die Beine unter Zeitdruck in den Bauch, essen und trinken selber kaum, verkneifen sich den Toilettengang und die Pause die sie brauchen, lächeln und halten durch und versuchen nicht zu verzweifeln und meist vor allem nicht an sich selber, da sie oft wenig Verständnis und Geduld mit anderen aufbringen können. Gleichzeitig sind sie so verständnisvoll das es selbst Angehörige nicht einmal schaffen soweit zu kommen und geduldig können sie selbst bei Nichtigkeiten sein. Sie leben im steten Paradox und achten ihre eigene Gesundheit nicht. Ich kenne keine einzige Pflegekraft, die nach 15 Jahren im Beruf noch körperlich ohne Beschwerden ist. Wenn sie denn überhaupt so lange durchhalten. Das Problem der Personalfindung ist nicht der Mangel an geeignetem Personal, es ist die Tatsache, das die Meisten aus dem Job freiwillig ganz aussteigen. 
Der Rest muss sich Duzen lassen und doch Distanz wahren. Es muss sich mit immens gesteigerten Erwartungshaltungen auseinandersetzten, die bar jeder Vernunft und Realität sind. Es muss damit klar kommen, das seit mindestens zehn Jahren die gleichen Versprechen von Besserung zu hören sind und doch alles nur weiter bergab geht. Von einem anständigem Gehalt träumen die Meisten schon nicht einmal mehr und wollen lieber mehr Kollegen, die ihnen aber kaum gegeben werden. 
Doch höhere Gehälter müssen endlich gezahlt werden und ihr Menschen da draussen müsst mit den Schwestern und Pflegern gemeinsam auf die Strasse gehen und helfen, dass die Politik Lösungen sucht die eine Finanzierung gewährt, statt nur Krankenkassenbeiträge zu erhöhen und Pflegekassenbeiträge anzuheben. Es geht auch um Eure Zukunft.
Denn bei aller Liebe, es muss so etwas wie Würde auch für das Pflegepersonal geben und ein Privatleben möglich sein, das sich so nennen darf, denn die Liebe kommt aktuell immer zu kurz. Wer lange Schichten hat, Wechseldienst und bis zu 12 Tage am Stück arbeiten muss und nebenbei den Haushalt schmeissen soll, ist am Ende einfach nur platt und müde. 
Als Allround- Talente und mit Multitasking bestens vertraut ist es erstaunlich, das man in Deutschland nicht einmal von Karriere spricht, wo Krankenschwestern und Pfleger Manager der Zeit und Ressourcen sind, zudem auch noch Improvisationskünstler. 
Leitet man noch dazu einen Wohnbereich oder eine Station und kümmert sich um Qualitätsarbeit, ist das ein Knochenjob und doch spricht keiner vor Karriere. 

Doch leider muss man auch sagen, wenn es so weiter geht wie bisher, dann wird die Qualität auch weiter abnehmen. Die jungen Nachwuchstalente haben weder die gleiche Arbeitsmoral, noch bekommen sie die Möglichkeit sich im praktischen Ausbildungsteil wirklich zu formen und sind oft zugleich zu sehr von sich überzeugt und erkennen die Prioritäten nicht mehr, denn Handys haben mehr wert als das Leben eines Anderen. Ihnen fehlt die Flexibilität und die Erkenntnis, das sie ewig lernen werden in diesem Beruf, was auch das ältere Personal mit Schmerzen immer wieder begreift. 
Jährlich gibt es Änderungen und nichts bleibt wie es war. Das fordert ein starkes Nervenkostüm, dass die ältere Generation schon in die Ausbildung mitbrachte, dem Nachwuchs aber oft völlig fehlt. Hier muss sich eine Gesellschaft auch fragen lassen, in wessen Geist sie ihre Kinder aufwachsen lässt und mit welchen Wert- und Weltvorstellungen. Die Keine- Lust- Mentalität wird offen ausgelebt und das man nichts machen möchte, was keinen Spass macht, aber das Arbeitsleben hat immer Dinge im Gepäck, die eben einfach gemacht werden wollen. Bei allem kommt eine Desillusion bezüglich ihrer beruflichen Zukunft dazu. Zehn Jahre maximal rechnen die Meisten, dass sie diesen Beruf machen werden. Was dann und vor allem wer dann? Bereits jetzt fehlt die Altersklasse zwischen 35 und 50 fast völlig. Gerade die, die so wichtig für den Nachwuchs sind und als Unterstützung der älteren Kollegen gebraucht werden. So sind die wenigen Kollegen in diesem Alter schnell ausgebrannt und müssen selbst auf sich achten, das sie nicht beim Dienst umfallen und ein fall für den Notdienst werden und ich habe dies bereist mehrfach bei Kollegen erlebt. 
So ist dies keine Lobhudelei zum internationalen Tag der Krankenschwestern und Krankenpfleger geworden, sondern eine eher kritische Bestandsaufnahme. 
Lasst uns also endlich eine Zukunft einfordern, die mehr als ein Lippenbekenntnis ist und in der die Bundeskanzlerin nicht bloss ihren Respekt ausspricht, sondern Taten folgen lässt. Schliesslich ist ein Teil dank der Gesundheitsreform so schlimm geworden, welche unter Anderem aus ihrer Feder stammt. 

Euer TomLove

Donnerstag, 17. September 2015

Fingerhut-Sommer- eine Buchempfehlung

Es ist bereits das fünfte Buch dieser Reihe, geschrieben von Ben Aaronovitch und Fans werden bereits jetzt ungeduldig das sechste Buch erwarten, da auch diesmal wieder ein Cliffhanger am Ende des Buches die Leser verführt, auf die Pfade der Spekulationen zu wandern. 
Um Wandern im weitesten Sinne geht es auch dieses Mal, wenn Constable Peter Grant sich von London aus auf das Land machen muss, um einer anderen Polizeieinheit behilflich zu sein und zu schauen, ob "abstruser Scheiss" mit im Spiel ist. 
Mit dabei ist wieder eine der Flusstöchter und neue Freunde und der Krimi kann los gehen. 
Eine ungewöhnliche Krimireihe, denn ist es Krimi, ist es Fantasy oder doch ein Roman mit Anteilen von alle dem? Der Leser darf gerne wählen und nach dem Buch in allen Abteilungen fragen, denn die deutschen Buchhandlungen tun sich schwer mit Mix- Genres. 
Wie auch bei den anderen vier Büchern, schreibt Aaronovitch flüssig, zugleich spannend, und mit Humor, aber auch fantasiereich und mit immer neuen Entwicklungen, so dass die Geschichten kaum voraussehbar sind, bis gar nicht. Die deutsche Übersetzung kann man wieder als sehr gelungen bezeichnen und auch sensibel bei der Wortwahl, da sie sich immer als passend herausstellt. 
Mit gut 400 Seiten ist das Buch etwas mehr als der Durchschnittskrimi, aber ganz der aktuellen Mode angepasst in Breite und Länge. Hier zeigt sich auch, das Aaronovitch Schreiberfahrung hat und weiss, wie er seine Geschichten vorantreiben muss. Auch hat er wieder Anspielungen auf Harry Potter, Doctor Who und Co im Gepäck. Was nicht so verwundert, da er unter anderem für Dr. Who geschrieben hat. Und so ist es schon so, das die Figur des Peter Grant einen an einen erwachsenen Harry Potter erinnert und doch eigenständig bleibt. Der junge Constable lernt auch in diesem Buch weiter, denn er ist als Zauberlehrling noch in Ausbildung in Sachen Polizei und sonderbaren Dingen. 
Aaronovitch versteht es auch diesmal wunderbar Konsequenzen des Handelns nebenbei zu schildern, wie auch typische Verhaltensweisen von Menschen und Organisationen, sowie die Gegend vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen. 
So ist es zugleich eine Fantasygeschichte mit Lebenswirklichkeit gepaart. Dies so gut, das man gerne glauben mag und möchte, alles dies sei auch in Wirklichkeit vorhanden und wir wissen es nur nicht. 
Abstruser Scheiss, ja den gibt es, möchte man nach der Lektüre sagen und ein "Wow" dazu.
Fingerhut- Sommer macht Lust auf weitere Bücher und liest sich angenehm und passt auch bestens zum Abschluss eines Sommers wie dem unserem und dem Beginn des Herbstes. 

Euer TomLove

Freitag, 21. August 2015

Sterben werde ich, aber wie?

Die Frage, die sich die Meisten von uns nicht gerne stellen. Wollen wollen wir nicht, doch müssen werden wir wohl alle. So wie es zurzeit aussieht, lebt keiner ewig, auch wenn einige noch so alt werden mögen, das wir uns schon unbesiegbar wähnen. Doch der Tod selbst stellt meistens gar nicht das grosse Schrecken dar, sondern das Sterben selbst. Unsere Angst vor Einsamkeit, Schmerzen, Hinsiechen, Hilflosigkeit und die Dinge nicht mehr unter Kontrolle haben zu können. 
Schon allein die Frage, ab wann denn das Sterben beginnt ist eine eigenständige Diskussion. Vor allem kann sie immer wieder von Vorne beginnen, da wir in den letzten Jahren und auch in Zukunft unser Sterben und seinen Werdegang immer besser verstehen und weil wir es so lieben, immer mehr aufdröseln. Das heisst, das wir nicht nur einfach vom Sterben reden, sondern ihn auch noch in Phasen einteilen und diese werden immer mehr, denn unser Wissen wird immer detailreicher. 
Aktuell wird im November der Bundesrat eine Änderung des Gesetzes zur Sterbehilfe diskutieren. Es soll die Hospizarbeit gestärkt und geschützt werden, also die Palliativmedizin in sichere Ufer gebracht werden. Der grosse Knackpunkt ist die Sterbehilfe, welche bereits in verschieden Arten eingeteilt ist, um sagen zu können, wie genau man hilft und helfen darf. Hier nun scheiden sich die Geister erheblich.  Darf ein Mensch einen anderen Menschen helfen sich umzubringen, sich Leid zu ersparen oder die Lebenszeit zu verkürzen? Darf ich das, wenn mich jemand darum bittet? 
Die Wahrscheinlichkeit, das jemand für eine aktive Sterbehilfe ist, steigt, wenn man Erfahrungen mit Krankheit, Leid und Hilflosigkeit, sowie Hoffnungslosigkeit gemacht hat. Auch Erlebnisse mit der Apparatemedizin verstärken die Zustimmung. Wer gläubig ist, wird nach Umfragen zu gehen, eher dagegen sein und das Leid und seine Folgen als Gott gewollt sehen. 
Doch hört und liest man die Ergebnisse von Menschen, die sich vorher dagegen entschieden haben, so waren viele dafür im Moment der absoluten Hoffnungslosigkeit und Ausweglosigkeit und andere wiederum, die sich Zeit ihres Lebens positiv geäussert haben, klammerten sich an das Leben, egal wie viel Schmerz zu ertragen war. 
Das wiederum zeigt, wie schwierig es ist, pauschal zu sagen, was geeignet ist und was nicht und wie sehr das Sterben und auch der Prozess eine individuelle Erfahrung ist. 
Was nun aber versuchen die Herrschaften im Bundestag zu erreichen? Erst einmal, das Sterbehilfe kein Geschäft wird. Dann natürlich, das für Ärzte die zivilrechtliche Strafbarkeit erlassen wird, bei passiver Sterbehilfe. Bei der aktiven Sterbehilfe streiten sich nicht nur Fraktionen, sondern auch die einzelnen Politiker. Auch darüber, was eine passende Bedingung sei und wer diese wie garantieren kann. Reicht es, dass der Tod ersichtlich ist, aber ab wann ist dies sicher, denn einige habe einen langen Sterbeprozess. Reicht es, wenn nur ein anderer Arzt die Entscheidung mit trägt und auch zustimmt? 
Was ist unheilbar, wenn die Medizin voranschreitet und ab wann ist Leiden als nicht mehr tragbar anzusehen? Mein eigenes Leidempfinden und meine Sicht auf ein würdiges Leben sind anders. als die anderer Menschen. 
Im Grunde gilt diese Aussage für alle Menschen und auch wenn wir gewisse Gemeinsamkeiten und allgemeine Auffassungen haben, was Wert ist, so zeigt auch diese Tatsache, wie schwierig die Frage nach der Hilfe zum Sterben ist. Kann ich Hilfe verweigern per Gesetzt, obwohl es Menschen gibt, die ihr Leiden und ihren Todeswunsch deutlich äussern, aber keine Hilfe bekommen können, weil sie nicht den Vorschriften entsprechen? Wie will ich als Gesetzgeber aktuell bleiben und wie oft das Gesetz novelieren und an den Wissenstand anpassen? Oder muss ich als Gesellschaft in kauf nehmen, das wir einfach aktuell Opfer bringen müssen beziehungsweise Menschen ihren Wunsch abschlagen müssen und sie ihrem Leiden überlassen? 
Ich fürchte, wir werden zurzeit keine Lösung finden, die allen gerecht wird, aber einen grösseren Konsens einsetzen können, als wir es bisher tun. Deswegen ist es auch so wichtig, dass die Palliativmedizin bei der ganzen Diskussion mit einbezogen wird. Diese soll gestärkt werden und somit auch gefördert werden. Menschen im Sterben zu begleiten muss Aufgabe einer Gesellschaft sein, die vergessen hat, dass dies normal sein sollte. Aber auch ist es den verlängerten Lebenszyklen zu schulden, das wir hier Hilfe geben, anbieten und so die Würde eines jeden Menschen wahren können. Etwas, was in der Intensivmedizin und dem Fortschritt durch die Medizin allgemein verloren gegangen ist. 
In der Palliativmedizin geht es vor allem darum, den Menschen und seine Wünsche zu erkennen. Wieviel Medizin möchte er? Wieviel Zuspruch braucht er? Wieviel Schmerz will der Mensch vor uns ertragen und ab wann sollte alles einfach der Natur überassen werden? Ab wann sagen wir, o.k. jetzt kommst du in die letzte Phase, jetzt bekommst du nur noch das was du am Nötigsten brauchst um dich wohl zu fühlen, um deine Würde zu behalten, um in Ruhe und Frieden sterben zu können?
Hospizarbeit ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe und hat nichts mit der Hilfe zum Sterben, sondern mit dem Begleiten beim Sterben zu tun. Und ja, hier darf dann auch das Thema Sterbehilfe frei und ohne Angst angesprochen werden, denn das Personal geht dann der Frage nach, was genau meint der Betroffene. Wo steht er, wo braucht er Beratung, wo sind Ängste. Das braucht Zeit, Personal und kostet Geld und braucht daher Unterstützung und wenn der Gesetzgeber es schafft hier positiv zu agieren, dann braucht es kaum Hilfe zum Sterben, dann reicht die Hilfe beim Sterben, indem wir begleiten. 
Und es gibt uns etwas Zeit in der zähen und mit Tabus belegten Diskussion. 
Viele vergessen nämlich, dass der Gesetzgeber ein ganz anderes Gesetzt noch novelieren muss. Das der Tötung. In Deutschland gibt es nur ein Gesetz, eine Auslegung und so fallen alle Arten des Tötens dahinein, einschliesslich der Strafsetzung. Es wird hier keinen Unterschied gemacht, ob auf Wunsch getötet, aus Abwehr oder Notwehr, aus Verrücktheit oder Planung etc..  Alles ist unter einem Dach geregelt und damit gar nicht geregelt. Dies ist gerade auch für eine aktive Sterbehilfe ein Problem. So lange dieses Gesetz nicht geändert ist, darf es auch keine aktive Sterbehilfe in irgend einer Form geben. 
So wird es also spannend, was der Bundestag im November beschliessen wird, wenn er sich denn einigen kann. 

Euer Tom Love


Mittwoch, 19. August 2015

Was nützt die Liebe in Gedanken!

Ein' können wir noch, zwei woll'n wir noch, drei könn' wir noch vertragen. Was nützt das Geld im Altenheim, bei Apfelsaft und Haferschleim!- So könnte man es täglich singen, wenn die Realität oftmals nicht so unlustig währe. Ein Trinklied ist es wohl, und doch passt es zur Arbeit eines Krankenpflegers, oder einer Altenpflegerin. Tagein und Tagaus mit zu wenig Personal, zu hohen Anforderungen, mit wenig positiver Motivation und zu vielen neuen Regelungen, die sich immer wieder ändern und wenn es mal gut läuft, so ist den obersten Chefs nichts recht genug und sie ändern, selten zum Vorteil für das Personal da unten, welches die Gewinne erwirtschaften soll. 
Bekannt ist das es zu wenig gezahlt wird. Bekannt ist, das es wenig Nachwuchs gibt und viele ausgebildete Kräfte nicht mehr dem Markt zur Verfügung stehen, weil sie nicht mehr wollen, weil sie nicht mehr können, weil sie an ihre Zukunft denken und merken, sie können diese nicht garantieren, wenn sie bleiben. 
Bisher habe ich kein Haus erlebt, das nicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Ein gutes Zeichen heutzutage ist es schon, wenn Teams bereits zwei, drei Jahre bestehen, denn der Wechsel ist heute noch schneller als vor vielen Jahren. Einst mal alle vier Jahre den Bereich zu wechseln, oder gar 10 bis 15 Jahre auf dem gleichen Arbeitsplatz zu sein, das ist heute gar nicht mehr oder so selten vorhanden, das es unter Kulturschutz stehen sollte. Heute wird im Schnitt fast im halben Jahr Rhythmus gewechselt und so bekommen neue Kollegen auch kaum eine Chance sich einzuarbeiten oder eine Zukunft aufzubauen. Denn gerade angekommen, verschwinden die Kollegen, mit denen man sich irgendwie eingearbeitet hat. Leidtragende sind natürlich auch Patienten, Bewohner oder wie diese nun genannt werden sollen und deren Angehörige. Ja, auf der einen Seite kann ich deshalb manche Aufregung und manche Klage verstehen (gerade von Angehörigen) und doch möchte ich immer öfter sagen- was sollen wir denn machen? Garantieren können wir nichts mehr. Überfordert sind die Meisten und jeder fängt von vorne an, mal mehr, mal weniger gut und geglückt. Ich bin dann fast schon dankbar, wenn Angehörige Dinge ansprechen, die nicht glatt laufen, damit ich weiss, was noch fehlt und wo die Schraube locker sitzt, aber wenn sich mancher dann zum Ritter hochschlagen will, dann fehlt mir immer öfter die Geduld und auch der Wille hier noch ernsthaft zuzuhören, obschon ich es tue, denn ich weiss ja, das macht die Arbeit sonst nur noch schwerer und so steigt die Belastung des Personal stetig und die Politik ergiesst sich in hohlen Phrasen. Das neue Pflegegesetz, was beworben wurde ist nicht nur ein Tropfen auf dem heissen Stein, es hilft vor allem kaum. Mehr Geld sollte für das Personal herausspringen und am Ende wurde es geändert und so bekommt der Patient ein klein wenig mehr Hilfe oder muss etwas weniger zuschiessen zu Hilfsmitteln und alles gilt wieder nur in der Hauskrankenpflege, denn dort sollen die Leute bleiben, so lange es geht, weil es weniger kostet. 
Personalbeschaffung ist ein schwieriges Thema und wird immer noch nicht aus dem Winkel des Personals selber gesehen und so haben wir ungeeignetes Personal, oder arbeiten immer mehr mit Kollegen aus dem Ausland, die mal mehr, mal weniger gut Deutsch sprechen, welche uns aber oft sehr helfen und unsere Dankbarkeit haben. Doch fair ist es ihnen gegenüber auch nicht, wenn wir sie "ausnutzen" müssen, weil wir es selber nicht mehr schaffen, die Arbeit des Tages zu bewältigen. Sie sollten eigentlich nicht zu Arbeitssklaven degradiert werden von Chefs und Firmen und doch sind wir oft nicht weit davon entfernt. 
Immerhin neu eröffnete Häuser sind noch bereit eine wenig mehr Gehalt als die Konkurrenz zu zahlen, jedoch zeigt meine Erfahrung, das dies oft nicht lange anhält. 
Und so singen wir das es noch einer sein kann, denn wir brauchen das Geld, unabhängig davon, ob es dann auch bei uns tatsächlich landet. Wir singen das noch einer geht, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt, denn ausser uns macht keiner die Arbeit und versorgt sollen sie sein, die Menschen, die sich uns anvertrauen. Einen dritten lassen wir noch rein, obschon wir verschwitzt sind, kaputt sind, Knochen und Muskeln schmerzen und die Blase drückt, aber auch wir müssen pünktlich nach Hause. 
Aber gerade als Fachkraft ist man mehr als einmal länger da, auch wenn daheim die Kacke dampfen mag. 
Doch immer mehr begreifen, so geht es nicht weiter. Die Würde des Menschen sollte unantastbar sein und Pflege auch den Menschen im Blick haben. Nicht nur theoretisch. Einziges Druckmittel ist der Streik und damit aber auch Menschen in ihren Ausscheidungen liegen zu lassen, Angehörige die Last aufzubürden für sie zu sorgen, obschon sie es in unserer modernen Welt nicht können/ wollen. Ja, und auch zu fragen, immer wieder zu fragen, wann sich Direktoren zusammenschliessen und gemeinsam eine neue Geldpolitik fordern und am Ende muss aber vor allem Du und Du und Du auf die Strasse gehen und sagen, das Pflege zwar Gewinn machen darf, aber nicht daran orientiert sein sollte, sondern an Qualität und Menschlichkeit. Diese lässt sich aber nicht mit einem Personalschlüssel von einer Pflegekraft für 15 Patienten und mehr bewerkstelligen. Hier leiden beide Parteien. Wie dies zu finanzieren ist, hätte man schon lange herausfinden können und nun ist es höchste Eisenbahn sich darüber Gedanken zu machen! Soll die Drei- Klassen- Medizin weiter bestehen, so geht es weiter bergab mit ihr. 
Viele Kollegen sind bemüht das Beste zu geben und Humor zu bewahren, jedoch sind gerade die jüngeren Kollegen oft schon demotiviert und kaum bereit hier ihren Beitrag zu leisten. Die Generation die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und daher eine  viel stärkere Arbeitsmoral hat, löst sich auf. Was wird dann kommen? Die Ausbildungen sind wieder schlechter geworden, da die Praxis der Ausbildungen nichts mehr oder kaum etwas mit der Ausbildung, sondern mit reinem Arbeiten zu tun hat. Der Missbrauch der Schüler ist enorm. Deren Verständnis von Bereitschaft deutlich anders, als dass der langjährigen Berufstätigen. Erst recht das Gefühl zu einem Arbeitsplatz zu gehören, kommt erst gar nicht auf, denn sie wollen oft gar nicht. Während die Älteren also versuchen, so etwas wie ein  Gefühl der Gemeinschaft zu fördern und zu erhalten und darunter leiden, dass dies immer seltener gelingt, sind junge Kollegen immer mehr in ihrer Egal- Haltung verhaftet. 
Auch deshalb ist es wichtig, das Du als Teil der Gesellschaft sagst, es muss sich JETZT etwas ändern, denn wie möchtest Du gepflegt werden?! 

Euer Tom Love

Montag, 17. August 2015

Deutsche als Urlauber?!

Deutsche als Urlauber -> Sind immer zu erkennen. Sind immer ein Grund zum Fremdschämen und sowiso unerträglich. Wenn sie kommen müssen alle Plätze belegt sein, sonst gibt es nichts mehr auf dem Sonnendeck und ausserdem meckern und nörgeln sie auch noch ständig an allem herum. Es heisst sie kontrollieren erst einmal die Blumen im Hotel, ob die echt seien und knausern dann auch noch ganz doll beim Trinkgeld, hätten schlechten Geschmack bei Kleidung und seien an den weissen Socken in Birkenstock einwandfrei zu erkennen. 
Die Forschergemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hat da andere Ergebnisse als unsere Klischees vermuten lassen. Auch das Eurobarometer und die Reisesuchmaschine momondo.de lassen einen anderen Blick auf den Deutschen zu, der Urlaub macht in fremden Betten. 
Bleiben die Deutschen demnach am liebsten unter sich? In Mallorca mag das der Fall sein und bei einigen Stränden im Ausland sind regelrechte Deutsche Kolonien zu finden, und hier stimmt was man oft hört, denn grundsätzlich sind nur 31% scharf auf den Kontakt mit Landsleute der Länder die sie besuchen und so wollen die Deutschen tatsächlich oft lieber die eigene Kultur, als das fremde Land. 
Der oft gelobte Bildungsurlaub ist demnach gar nicht so beliebt und gerade mal bei 3% auch als Bildungs- oder Studienreise gebucht. Allerdings fahren viele um sich quasie zu bilden, aber auf eigene Faust. Beim Essen allerdings sind wir Deutschen ein offenes Völkchen und so sind 80% begeisterte Geniesser fremder Küchen und wir wundern uns, das in Asien Mc Donald erfolgreich ist. Eben weil wir auch im eigenem Land mal etwas anders, als unsere eigene landestypische Küche wollen. Knauserig sind Deutsche nur bedingt, auch wenn sie am Anfang oft und genau nach dem Potential zum Sparen schauen, so geben sie dennoch im Schnitt knapp 1000 Euro aus- pro Kopf. 
Und wie ist es nun mit den schlecht gekleideten Herren und Damen? Ja, die gibt es, aber auch aus anderen Ländern und immerhin 43% achten sehr auf ein ordentliches und respektables und an das Land angepasste Kleidung und modisches Aussehen. Und ganz unter uns, bei einer Umfrage der Zwölf Länder, die die Deutschen am meisten besuchen, gelten wir als die am besten gekleideten Touristen. Da können wir uns schon mal auf das positive Image auf die Schulter klopfen, denn auch beim Trinkgeld und Geschenke kaufen sind wir positiv aufgefallen. 
Und sind wir nun auch noch Reiseweltmeister? Das weiss ich nicht, aber 77% haben letztes Jahr eine Reise getan. Damit liegen wir auf alle Fälle weit oben, besonders beim Reisen in's Ausland. 
Das sind doch mal gute Neuigkeiten zur Urlaubszeit

Euer Tom Love

Freitag, 10. Juli 2015

The devil lies in the detail - eine Buchkritik

Geschrieben von Peter Littger, ist dieses Buch gerade in den Bücherregalen als Taschenbuch zu finden und da ich Lust auf ein nicht all zu dickes Buch hatte und auf leichte Lektüre, griff ich danach und siehe da, es lohnt sich tatsächlich. Kein Roman oder Krimi, sondern ein Buch über das Deutsch und Englisch. Also über Englisch im Deutschen, auch Dinglish genannt mittlerweile. Gemeint ist aber auch, die Fehler die Deutsche Bürger im Englisch haben, mal mehr oder weniger bewusst. Denn den Mix aus Deutsch und Englisch als Spasserlebnis gibt es schon seit den 70zigern und damit ist er alles andere als ein neues Phänomen. 
Das Buch beschreibt also anhand von Situationen, eingeteilt in passende Kapitel, witzige und knifflige Begegnungen damit und vor allem mit uns und unserem Umgang. Lehrreich ist es ausserdem, da es typische Fehler in der Übersetzung aufnimmt, als auch aufzeigt, wie zahlreich manch ein Wort sich einsetzten lässt. Nicht zuletzt Präpositionen sind in unserem Kopf oftmals ein Chaos, sondern auch noch vielfältig in ihrer Bedeutung, aber ohne sie sind Sätze oft nichts. Herr Littger versucht Regeln hinter dem Sprachgebrauch darzustellen, aber zuweilen sind schlicht keine zu erkennen. Warum auch soll es nur im Deutschen so viele Ausnahmen von der Regel geben, die wir selbst einem Ausländer nicht erklären können. Manch eine Regel die dargeboten wird wiederum ist sehr hilfreich, wie wenn es um das Wort -on- geht. Also- auf- und wann man es benutzt. So ist bei allem wo man davor steht, mit fährt oder fliegt immer -on- zu nehmen und niemals in, auch wenn es für uns klingt, als wenn wir zum Beispiel auf dem Dach des Flugzeuges mitfliegen, statt im. Auch befinden wir uns niemals vorne im Flugzeug, also -in front of the train, sondern -at the front of the train, es sei denn wir stehen vor dem Zug, was ungünstig ist, wenn wir mit dem Zug fahren. 
Wunderbarerweise greift Littger auch Themen auf, an die wir bei unseren Reisen nicht denken, wie Krankheitsfälle und wie wir einen Toast aussprechen. Oft sagt unsereins dann -on the country, queen etc, statt -to the country and queen, denn ehrlich gesagt, möchte auch ich mich nicht auf die Queen stürzen oder gar setzten. 
Weitere Beispiele beleuchten auch den Unterschied zwischen amerikanischem und britischem Englisch. 
Das kann zuweilen recht verwirrend sein und Littger hilft uns mit seinen Anekdoten aus der Patsche.

So kann man hier sagen- Lesen bildet!- auch wenn uns Einiges wohl bekannt sein dürfte. Dennoch lohnt sich solch eine Lektüre immer wieder, da wir einfach schnell die richtigen Anwendungen vergessen. Trotz seiner nur 300 Seiten enthält dieses Buch eine Fülle von Material, die erstaunt und doch immer wieder kompakt zusammengestellt ist, so dass man schnell nachschlagen kann und dieses Buch am Besten immer bei sich haben sollte, wenn man im Urlaub auf englisch sprechendes Volk stösst. 
Gerade jetzt zur Urlaubszeit ist es durchaus die Investition wert und somit meine Empfehlung des Tages. 

Euer Tom Love

Donnerstag, 9. Juli 2015

Die Mär vom körperschonendem Arbeiten

Oder warum das Pflegepersonal am Ende selbst ein Pflegefall ist.
Wir als Pflegepersonal und auch ihr als allgemeiner Bürger bekommen immer wieder zu hören und zu lesen, das man physiologisch, also körperschonend arbeiten kann. 
Kann man wirklich und vor allem, wie behauptet wird, so dass man Spätschäden vermeiden kann und das auch noch 100%? 
Die Antwort ist ganz einfach: Nein! 
Selbst wenn ich mich an alle Regeln der Kunst halte, ist es praktisch unmöglich, denn es wird die Arbeitsrealität völlig ausser acht gelassen. 
Pflegekräfte, ob Fach- oder Hilfskräfte sind auffällig anfällig für Rückenleiden und seit einigen Jahren häuft sich die Zahl der betroffenen Kollegen und sie sind immer jünger bei der ersten Diagnose. 
Dies ist leider kein Zufall, wird aber völlig von den Versicherungen, Vereinen und Arbeitgeber ignoriert. Vor allem das Warum und Wiso.
Auch ist es schon seit Jahren so, dass Rückenleiden erst nach sehr langer Zeit als Berufskrankheit anerkannt werden. 
Den aktuellen Stand konnte ich gerade nicht herausfinden, aber es wird die 15 Jahre sicher nicht unterschritten haben. 
Mindestens 15 Jahre leiden, bis es anerkannt wird, ist keine Kleinigkeit.

Daher möchte ich gerne die Gelegenheit nutzten und erläutern, warum es schlicht nicht machbar ist, Rückenschonend zu arbeiten und hier endlich eine Veränderung im Bewusstsein und der Öffentlichkeit bedarf.
Als Erstes gehen wir dem Vorwurf nach, das Personal sei selber schuld, es würde sich nicht an die Empfehlungen halten. 
Ja, das stimmt in gewisser Weise, jedoch heute weit weniger als früher. Noch gibt es einige, vor allem jüngere Kollegen, die nicht immer darauf achten so zu arbeiten, das sie gesund bleiben, weil sie es nicht so für wichtig erachten oder einige Ältere, die noch immer nicht wahrhaben wollen, das ihre Probleme gefördert werden, wenn sie so unbedacht ihren Köper Dinge zumuten. Doch muss man einfach sagen, vielen fehlt schlicht die Zeit, das Bett hochzufahren, um gerade zu stehen, anstatt sich zu beugen, oder es fehlt ihnen der Kollege, der ihnen hilft, die schwere Dame zu drehen oder einfach zu halten, während sie die Intimpflege durchführen, oder den Verband wechseln. 
Gelegentlich sind Hilfsmittel aber auch nicht vorhanden oder -out of order- und wenn sie Menschen daheim pflegen, sind Pflegekräfte in der Regel alleine und schonendes Arbeiten eine Frage von Glück und Geld, sowie harten Nerven.
Oft ist das Personal so sehr gestresst, das sie verspannt sind und sich damit schaden, da ihre Muskulatur keine Entspannung findet und selten eine Pause bekommt, sich wirklich mal zur Ruhe zu setzen. Teils liegt es an der Organisationsstruktur, oft aber schlicht daran, das es zu wenig Personal gibt.  Heute versorgt eine Pflegekraft im Schnitt 10- 15 Personen, statt wie ursprünglich 4- 6. In der Hauskrankenpflege ist es weit schlimmer. Dort sind sie nicht nur mit bis zu 30-40 Patienten, sondern 10- 11 Stunden Tagesschicht geschlagen. Pause nicht vorgesehen, ausser theoretisch. Beim Raus und Rein in das Auto  staucht sich nicht nur die Wirbelsäule, sondern der Stress steigt, da der Verkehr dazu kommt. 
Im Krankenhaus und Heim ist aber auch von Entspannung selten bis gar nichts zu bemerken, erst recht nicht, wenn mit Leiharbeitskräften gearbeitet werden muss, deren Qualifizierung oft schlecht ist. 
Verspannte Muskeln, stauchen die Wirbel zusammen, schränken die Beweglichkeit ein und sorgen so für mehr Verspannung, da der Körper die Kräfte die auf ihn einwirken nicht mehr genauso kompensieren kann. 
Aber alleine der Alltag in der Pflege sorgt schon für eine immense Rückenbelastung. Stellen sie sich folgendes vor: Sie fahren den Kunden im Rollstuhl zum Bett und müssen ihn hineinlegen. Die Meisten brauchen Hilfe beim Transfer, dem Herauskommen aus dem Rollstuhl und auf das Bett gelangen. Viele davon haben kaum Kraft in den Beinen, oder sie haben Schlagseite, wegen eines Schlaganfalles, sprich sie sind halbseitig gelähmt. Oft kommt dazu, dass in den Armen nicht die volle Kraft vorhanden ist, um sich sicher und fest an der Hüfte des Pflegepersonals fest zu halten. Also kaum stehen und halten können und wer muss es ausgleichen? Die Pflegekraft und wer das mal probiert hat weiss, Menschen die ihre Beine nicht voll ausstrecken und belasten können, sind sehr schwer zu bewegen. Nun können gerade ältere Menschen sehr schlecht an unserer Hüfte halt finden, aber Arme heben und sie um unseren Hals legen. So stehen sie und sind drehbar, denn 45 Grad müssen wir uns ja verändern, da das Bett schliesslich seitlich von ihnen steht. Noch schöner wird es, wenn sie keine 30 Kilo Frau vor sich haben, sondern einen 120 Kilo Patienten, der sein rechtes Bein nur steif halten kann und bedingt Ausdauer hat. Zu zweit schon eine Herausforderung, ist es alleine ein Akt und wenn sie keinen Lifter haben sind sie darauf angewiesen, Glück im Spiel zu haben. Mit anderen Worten, auf ihrem gesamten Rücken liegt das Gewicht der anderen Person und vollends, wenn diese nicht mithelfen kann, ob körperlich oder mental unfähig spielt dabei keine Rolle. 
Gerne würden wir nur mit Lifter arbeiten, aber die sind nicht immer greifbar und Nutzbar. Nun gut, jetzt haben sie es geschafft, mit uff und ordentlicher Puste und er/ sie ist auf dem Bett und soweit liesse sich physiologisches Arbeiten noch halbwegs machen, aber die Belastung ist immens. Jetzt aber kommt das nächste Problem. Die Person soll ja liegen. Schuhe ausziehen? Geht meist nicht, da der grösste Teil sich nicht sicher in der Sitzhaltung halten kann und Sturzvermeidung geht vor. Verletzungen des Bedürftigen gilt es zu vermeiden! Sind sie zu zweit kann einer halten und der Andere das Bett hochfahren und dann können sie beim Hinlegen helfen, denn viele schaffen das nicht alleine, schon gar nicht richtig. Aber sie sind zu neunzig Prozent alleine, also legen sie den Menschen hin und scheissen auf ihren Rücken, der schimpft, aber was soll's. Es muss sein. Und jetzt sind wir oftmals noch nicht fertig, denn richtig liegen soll die Person ja auch noch. Kann sie mithelfen, sind sie glücklich, kann sie nicht, müssen sie alles selber managen und wieder geht ihr Rücken in die Schieflage. 
Ahnen sie, was da passiert? Fast Täglich! 
Nun führen sie sich vor Augen, das viele von uns nicht den idealen Rücken haben. Bei den Einen ist er zu gerade, bei den Anderen zu sehr gebogen. Die ideale S-Form ist gar nicht so häufig vorhanden; die aber braucht der Mensch, denn sie ist wie eine Feder. 
Wie die Feder beim Auto. Sitzt sie richtig, gleiten wir über Stock und Stein. Sitzt sie schief, tun wir das nur eine Weile, bis es dann holpriger wird und schliesslich geht sie kaputt. 
Die S- Form unserer Wirbelsäule federt Gewicht/ Kräfte ab. Ist sie zu steif, wird daraus die Skoliose, sie biegt sich, denn sie braucht Platz zur Kraftverteilung und ist sie zu krumm, wird sie krummer und versteift sich, da sie überlastet wird und keinen Weg hat auszuweichen. De Facto, die Muskeln verspannen sich, die Nerven werden eingeklemmt, die Bandscheiben herausgequetscht und die Pflegekraft ist sprichwörtlich selbst kaputt. 
Und schnell, schnell geht nicht, denn wir haben es mit etwas Lebendigem zu tun. 
Leider wird dies in der Ausbildung gar nicht erklärt und gelehrt- die Konsequenz die sich aus der Form der Wirbelsäule ergibt. Wüsste das Personal besser darüber bescheid und verstünde es dies auch, es hätte von Anfang an mehr auf sich geachtet und vor allem Sport getrieben. 
Das sollte einer der Lösungswege in Zukunft sein, die einige Pflegekräfte schon seit geraumer Zeit einfordern, wovon aber Arbeitgeber nur gelegentlich von reden, aber nie etwas dazu machen oder fördern. Rückentraining sollte Teil der Ausbildung sein und Teil des Arbeitsinhaltes. Es reicht kaum aus, alle paar Jahre eine halbstündliche Rückenschulung zu machen. Wie ich richtig hebe und lagere, weiss fast jede Schwester aus dem ff, aber sie hört nie etwas davon, was sie tun kann, um stabil im Rücken zu bleiben, gerade weil sie eben nicht immer so arbeiten kann, wie sie es gerne möchte oder weil es schlicht nicht machbar ist. 
Leider finden sich immer jüngere Kollegen unter den Kranken, was nicht alleine der Stress verursacht, sondern auch deren eigene Einstellung und oftmals ungesunde Lebensweise, denn viele der älteren Kollegen hatten weniger Hilfsmittel und kamen doch besser durch ihre Berufslaufbahn. Auch fehlt es zuweilen am Ehrgeiz der jungen Lehrlinge und ausgebildeten Fachkräfte kräftig mit zu helfen, denn die  Personalknappheit werden wir noch lange haben und nur ein Team was gemeinsam anpackt, hat eine Chance sich gesund zu halten. Teamgeist und Zusammenhalt muss wieder in das Bewusstsein und vor allem Sport. Auch müssen Arbeitgeber endlich verstehen, das sie nicht nur Sporträume oder Massagen versprechen können, wenn sie ihr Personal behalten wollen und eine halbwegs gute Versorgung der Betroffenen gewährleisten möchten. Denn  zurzeit geht es zu Lasten von Personal und Betroffenen.
Massagen und Physiotherapie sollten gefördert werden von Krankenkassen und Arbeitgebern, denn bei dem Gehalt, können viele Krankenpfleger und -schwestern sich schlicht dies nicht leisten. Dabei brauchen sie diese regelmässig, um etwas Entspannung in Körper und Geist zu bringen. Jedoch erleben wir das Gegenteil. Gefördert wird immer weniger von den Kassen und Arbeitgeber verschwinden mit dem Thema in's Nirgendwo.
Es ist eine traurige Realität, das sich eine Krankenschwester, die in ihren End- 50ziger und 60zigern noch als solche arbeitet, eine Rarität nennen darf und ihr könnt davon ausgehen, das sie einen hohen Preis dafür zahlt, den sie nicht annähernd bezahlt bekommt. 
Auch deswegen solltet ihr jede Schwester, jeden Pfleger unterstützen, der sich entschliesst, für seine Rechte auf die Strasse zu gehen, für eine bessere Versorgung zu sorgen, denn auch ihr werdet einmal unter Umständen von ihnen abhängig sein. 

Euer TOM LOVE