Montag, 30. März 2015

Die neue Nachhaltigkeit

C & A macht gerade mit einer neuen Plakataktion Werbung führ ihre neue Kollektion und deren Nachhaltigkeit. Sie betonen dieser geradezu. Bilder von fröhlichen Menschen, mitten in der Natur und einem Kleid für knapp 15 Euro oder einem T-Shirt für 7 Euro.

Haben auch sie das Gefühl, an diesem Bild stimmt etwas nicht?
Schliesslich wissen wir ja, das Werbung uns gerne etwas vormacht, die Dinge beschönigt.
Glückliche Menschen in frühlingshafter Umgebung und neuer Kleidung, das ist doch keine Lüge? Oder doch? Die Kleidung sieht auch sehr hübsch aus, aber hier wissen wir ja, das es real oft weniger nach Glanz und Promi sein ausschaut. Also nur halb gelogen? 
Ist es die Landschaft die es so nicht gibt?
Doch, die gibt es tatsächlich noch so, oder ähnlich. Aber was ist es dann, das so irritiert? 
Nachhaltigkeit? 
Doch, die Stoffe sind tatsächlich biologisch abbaubar. Aber sind sie nachhaltig?
Was ist nachhaltig? 
Stoffberge, die wir gar nicht umarbeiten können?
Stoffberge die sich schneller türmen, als man sie recyceln kann?
Stoffberge, die durch die Billigproduktion der Kleider massig ansteigen, da sie kaum getragen schon im Müll landen- ist das nachhaltig?
Kann etwas gut für die Natur sein, wenn der Stoff zwar abbaubar ist, die Produktion aber Gifte in's Wasser und den Menschen selbst schüttet? Wenn Wasserressourcen verschwendet werden, damit ich dann ein Kleid mit Chemiefarbe bedrucken kann- kann das Gut sein?

Die Irritation ist die Lüge von der Nachhaltigkeit!
Ein Kleid für 15 Euro ist niemals nachhaltig! 
Somit ist dies eine dreiste Werbelüge und gehört geahnt. 
Doch vielen wird es gar nicht auffallen. Besonders der Käuferschicht der Billigeinkäufer nicht. Sie zeigt sich besonders Blind und Immun gegenüber Hinweisen auf Produktionsbedingungen, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Sie ist zwar für den Schutz, aber ignoriert die Eigenverantwortung konsequent. 
Offensichtlich will sie unbedingt die eigene Vergiftung erleben und doch werden sie sich im Fall dann als Opfer sehen. Sie wurden ja belogen. Sie wurden verführt. Sie wurden falsch angelernt.
Doch ich kann kein Mitleid mit ihnen empfinden, nach all den Aufklärungsversuchen. Wer blind sein will, wird dafür zahlen. Viele werden dafür zahlen denn dies ist nur ein kleiner Teil des gesamten Verfalls vom Erkennen von Wertigkeit einer Arbeit.  

Noch profitiert die Industrie davon und doch schon jetzt merkt sie die Grenzen. 

Kann ich dann als bewusster Käufer hoffen, das sich Manches alleine durch die Marktbedingungen regelt? Oder muss ich hoffen, das sich die Massen nach dem nächsten Kollaps den Wahrheiten stellt?

Eine Frage, die ich oft mit Freunden diskutiere. 
Denn auch wenn wir versuchen Nachhaltigkeit zu leben, so sind wir davon stark beeinflusst, was die Masse tut. 
Einer Masse die seit je her Hinterherläuft, was am lautesten und Hellsten ist. 
Einer Masse die eine Raumkapsel bewundert, aber nichts mehr mit ihrem Wert verbinden kann, weil sie von Propaganda und Werbung verblendet ist. Einer Masse, die nicht mehr weiss, wie etwas hergestellt wird und was es für Kraft und Zeit braucht und was Qualität und Selbstwert sind. 
Denn wer nur billig kauft, wertet seine eigene Person nicht hoch, noch sieht er die Leistung anderer als wertvoll an, es sei denn es ist gesellschaftlich propagiert. 

C&A sind nicht an Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit interessiert. 
Daher kann ich deren Werbung nur disliken, wie man es so schön sagt.
Ein Fall für den goldenen Windbeutel?

Licht & Liebe
Tom Love

Gib' uns unser täglich Rassismus

...im Namen des Vater, des Sohnes und des heiligen Geistes.
Irritiert? Und doch fühlt es sich genau so an.

Zurzeit dürfen wir einem Anstieg rassistischer Übergriffe, verbal und non verbal, beiwohnen. 
Zeitgleich haben wir eine immer stärker werdende Diskussion um das Thema in einem vergifteten Klima. 
Rechte Kräfte bedienen sich der Zeichen und Argumente der Linken. Die Mitte hat ihre an die Rechten/ Linke verloren. Mit dem Ergebnis, dass rechte, wie linke Kräfte die berechtigte Kritik missbrauchen, die es  zu nennen gilt, im Umgang miteinander. 
Konnte man einst noch sagen, das man Argumente der rechten oder Linken Politik nicht benutzten sollte, so ist dies gar nicht mehr möglich komplett zu vermeiden. 
Immer mehr muss der Nutzer darauf achten woher sie kommen, um nicht in die Ideologiefalle zu tappen. Dummerweise werden die Fallen immer grösser, denn sie sind getarnt wie eine Wespe der Biene. Zum verwechseln ähnlich und immer öfter nur beim genauen Hinsehen erkennbar. 
Wir haben es aber noch mit einem Paradox zu tun, nämlich, das es keine Rassen gibt, aber der Rassismus real existierend ist.  Seriöse Wissenschaftler haben darauf schon lange hingewiesen und es ist allgemeines Gut aller Gesellschaften der Neuzeit, das es die vermeintliche Rassenvielfalt unter Menschen nicht gibt. Wir gehören alle zum selben Stamm. Haben alle die selben Eigenschaften, genetischen Voraussetzungen und Väter, wie Mütter. Nirgends gibt es Menschen, die eine Eigenschaft aufweisen, die Andere nicht haben. Es gibt lediglich Varianten. 
Obwohl es also keine Rassen gibt, so wird der Begriff selbst in den aktuellen Gesetzen genutzt. Das alle Menschen nämlich gleich seien, unabhängig von Herkunft, Stand... Rasse...

Wenn es also keine Rasse gibt, sollte man dann den Begriff nicht streichen oder sollte man ihn belassen, und damit auch gesellschaftsgeschichtlich Rechnung tragen und ihn zur Verdeutlichung nutzen, denn den Rassismus gibt es ja nachweislich tatsächlich. 
Menschen werden wegen ihrer vermeintlichen "Rasse" benachteiligt, diskriminiert, gemobbt, geschnitten, verletzt, getötet, ignoriert und so weiter. 
In der heutigen Diskussion ist es nicht nur eine Herausforderung die passenden Argumente zu finden, sondern auch solche zu finden, die weder befleckt noch missverständlich sind. Fast unmöglich machbar. 
Wo aber fängt der Rassismus an? Wo lebe ich nach ihm, ohne mir dessen wirklich bewusst zu sein? Wo sind es "nur" Vorurteile und negative Erfahrungen. 
Nehmen wir die Sinti und Roma. Per se sind diese nicht schlecht, aber viele von uns machen mit ihnen unangenehme und negative Erfahrungen. Versuche hier Veränderungen im positiven Herbeizuführen sind bisher zum grössten Teil gescheitert und nicht unerheblich daran ist die andere "Wunschliste" der Sinti und Roma und deren Sicht darauf, wie sie leben möchten. 
Nehmen wir "unsere" Asiaten. Scheinbar integriert leben sie unauffällig unter uns. Doch selten haben wir Kontakt mit ihnen und erleben sie ausserhalb der Klischees die sie besitzen. Wie denken wir über sie, wie begegnen wir ihnen? Nehmen wir sie einfach als Menschen mit ihrer eigenen Erziehung und Tradition, oder sehen wir die "Eigenschaften" des Asiaten und erwarten diese auch. 
Dies ist dann Rassismus? Oder fängt er erst dann an, wenn ich in Liebesdingen nur Asiaten im Bett haben will, eben weil sie Asiaten sind. 
Die Wahl des Partners wirklich frei so zu entscheiden, das es um den Menschen selbst geht ist das was wir uns immer einreden und doch gehen viele von uns nach "Rassischen" Vorlieben. Das ist Rassismus. 
Was aber wenn ich mich daran störe, das Rumänen und Ungarn, dank der offenen Grenzen sich auf unseren Strassen organisiert tummeln und nach Geld betteln? Die vor mir gehen, mit Stift und Blatt vor meinem Gesicht fuchteln und so tun als ob sie nicht sprechen könnten. Ist es dann rassistisch zu sagen, hier muss eingegriffen werden, zusammen gesammelt und nach Rumänien und Ungarn zurück geschickt werden? 
Freie Grenzen bedeuten freier Umgang und freie Bestimmung wo man leben will. Muss Demokratie dies so aushalten, oder muss sie hier erkennen, das Toleranz seine Grenzen hat und zum eigenen Landes-schutz mehr getan werden muss. 
Beide genannten Länder sind arm, aber es ist nicht unmöglich dort zu leben und zu überleben. Jedoch war Armutswanderung schon immer ein Triebfaktor, woanders sich Arbeit zu suchen. 
Bin ich also nun Rassist? Oder bin ich es nur dann, wenn ich nicht den Einzelfall sehen will, die Situation differenziere in der sich der Andere bewegt? 
Wer Arbeit sucht, soll sie ermöglicht bekommen. Wer keine ausreichende Ausbildung hat, soll sie erhalten. Was aber wenn er nicht will oder kann? Hier ist die differenzierte Sicht nötig, aber ist sie machbar im Bürokratischen Alltag? Kann sie erwartet werden, muss sie es? 
Sie sollte! Doch aktuell sind unsere Strukturen nicht danach ausgerichtet und es besteht auch nicht wirklich Interesse von Seiten der Politik und Wirtschaft dies zu ändern. 
Was also tun, damit hieraus nicht (mehr) Rassismus entsteht? 
Die Erfahrung zeigt, das wenn Menschen mit Menschen aus dem Ausland zusammenarbeiten, sich ihre Einstellung stärker differenziert, als derjenigen, wo kaum bis keine Kontakte vorherrschen. Dort ist auch der Rassismus am eindeutigsten zu erkennen. 

Und so landen wir zurück an den Anfang von meinen Zeilen. 
Gerade unter den Intelligenten wächst der Rassismus, da deren Argumente missbraucht werden und viele es nicht wahr haben wollen. 
Der Gutmensch ist seit geraumer Zeit in seine eigene Falle getappt. 
Hier gilt es aufzuklären und deutliche Worte zu finden, immer wieder darauf hinzuweisen und Diskussionen offenen und respektvoll zu halten. Auch muss die Mitte der Politik erkennen, womit sie es zu tun haben und die Ängste und Sorgen ernst nehmen, egal, wie tatsächlich die angeprangerte Lage ist. Das ewige Herausreden und Schönreden muss aufhören! Die Worte müssen wieder viel mehr bewusst abgewogen und genutzt werden. Gerade von den oberen Politikerrängen! Es gut zu meinen reicht nicht. Es sollte bewusst und mit geradem Rücken angegangen werden.
Und es muss ehrlich gesagt werden, das sich aktuelle Probleme nur wirklich lösen, wenn es zur Problemlösung im Herkunftsland kommt. 
Wenn flüchtende Afrikaner erkennen, das sie als Masse eine Währung sind und der gelernte Krieg einer anderen Option gegenüberstehen kann. Menschen müssen erkennen, das die Miesere im eigenem Land, sei es Griechenland, Ukraine, Deutschland, USA, China, Uganda usw. nur von Menschen in dem Land selbst wirklich beseitigt werden kann. 
Natürlich, das Ideal währe, alle gehen mal raus aus den anderen Ländern und jedes Land versucht sich selbst zu bereinigen. 
Die vorhandene Lethargie würde offensichtlich werden, die Krise und die falschen Bilder. 
Es würde schmerzen, weh tun und sich anschliessend meist bereinigen. 
Ideel gesehen.
Realistisch gesehenen hilft die Erkenntnis die eigenen Worte zu erkennen und das manche Hilfe, falsche Hilfe ist- hier und im Ausland. Der Faktencheck ist wichtig, aber auch sich selbst mit ehrlichen Augen anzuschauen und zu fragen, warum mache ich etwas, oder warum denke ich jetzt so oder so. 
Nur so erhalten wir uns die Kritikfähigkeit und zugleich den Respekt vor und mit Anderen.

Bin ich jetzt Rassistisch wenn ich bestimmte Ausländergruppen kritisiere? 
Nur wenn ich sie undifferenziert hinausposaune. 
Vermeide ich den Blick auf den einzelnen Fall, dann begebe ich mich immer in die Zone des Rassisten, obschon es keine Rassen gibt. 
Sicher in der Rassismus- Zone ist jeder, der im Absoluten spricht, einen Staat nur für seine eigenen Leute haben will und alle Anderen als nicht gleichwertig ansieht. Wer Säuberung jeglicher Form diesbezüglich bejaht ist ein Rassist. Und hier finden wir leider immer öfter die Intellektuellen bei. Die, von denen man meinen sollte, sie müssten es besser wissen, bewegen sich auf dem Glatteis und das freiwillig mit verbundenen Augen. 

Leute, reisst ihnen die Augenbinde ab! Lass sie auf dem Eis hart ausrutschen, damit sie erkennen, was sie getan haben. Denn im kleinen wie im Grossen ist die Akzeptanz der Vielfalt und deren Gleichwertigkeit der grösste Garant auf Frieden. Das schliesst weder Gerechtigkeit noch Fairness ein, doch sie haben eine höhere Chance. 
Dann haben wir auch die Chance, das Menschenhass nicht mehr institutionalisiert, instrumentalisiert werden und diese im Namen dessen nur ausgetragen werden, der sie ausführt, statt im Namen eines Gottes, einer Religion oder politischen Doktrin. 

Schreibt mir gerne Eure Meinung im Kommentarfeld oder unter @SebastianisLove

Licht & Liebe
Tom Love



Sonntag, 15. März 2015

Die neue Sehnsucht nach den alten Märchen

Neulich bin ich wieder ein Mal nach langem im Kino gewesen und habe mir "Into the wood" angesehen. Ein Musikfilm, der ganz in der Tradition aus der Zeit von "Mary Poopins" und "The sound of music" gedreht wurde. Witzig, aber immer mit dem Fingerzeig auf die Moral, wenn dieser auch sehr warmherzig ist. 
Später im Gespräch mit Freunden stellte ich fest, das zuletzt doch viel der bekannten Schauspielerinnen in Hexenrollen eingesetzt waren. Mal ironisch, mal düster, mal traditionell. 
Selbst im TV finden sich immer öfter Neuverfilmungen der alten Märchen, vor allem denen der Gebrüder Grimm. Erst sehr traditionell, dann oft als Serie mit eher düsteren und abenteuerlichen Zügen.  Die Bücher wiederum kommen in Neuauflagen, in neuen Varianten und Versionen heraus. So werden einzelne Geschichten auch neu bebildert und man nähert sich dabei den ursprünglichen Versionen an. Denn die Märchen sind in der Nachkriegszeit durchaus mächtig gesäubert worden. Das Düstere und Unmoralische wurde weitestgehend entfernt und wird nun wieder hinzugefügt. Auch haben Schriftsteller wie Cornelia Funke sich der Märchen angenommen und sie weitergeschrieben beziehungsweise eine neue Welten mit hineingepackt. 
Woher aber kommt die Sehnsucht nach Derlei? Ist es weil es im Kino nach guten Stoffen lange nur noch die Verfilmungen von Teil 2 und 3 gab? Liegt es daran das Fantasy wieder mehr gefragt ist? Oder  kommt die Sehnsucht aus dem Tal der Wünsche nach Sicherheit? Schliesslich gab es ja einen Rückgang der Kinobesucher und des Erwerbens von Büchern. 
Wenn es letzteres ist, dann hat uns die Industrie wieder gut dahin gebracht, uns solche Verfilmungen, Bücher und damit Unterhaltung zu wünschen. 
Aber könnte es nicht auch einfach die Folge der aus der Krise erschaffenen Unsicherheitsgefühle kommen? Ob nun tatsächliche Krise oder nur gefühlte, die Sehnsucht nach Altbekanntem ist dann nicht weit. Zugleich passt es aber sicherlich auch gut für die Eingewöhnung in die neue 3D Technik, denn bekannte und einfache Stoffe bieten keine Überforderung und so kann mit Technik gepunktet werden, ohne das dabei Verluste entstehen und auch das Gruseln ist nach langer Zeit der Verbote wieder gefragt, obschon immer der Moralkodex mit einbezogen wird. Gleichzeitig ist aber auch ein Kampf von konservativen christlichen und Gottgläubigen gegenüber zeitlich aufgeklärten und offenen Interpretationen sichtbar. Märchen bieten hier einen offensichtlich unverfänglicheren und einfacherer Rahmen. 
Oder kommt das Ganze eher als Ergebnis der Tatsache, das wir immer später erwachsen werden, aber immer früher sexuell geschlechtsreif sind? Soll die Kindheit erhalten werden oder liegt es an der Generation der 30zig bis 50zig jährigen, die ihre Kindheit und Jugend wieder sucht, da sie im Korsett von Familie, Karriere und Spass gefangen sind? 
Schliesslich bieten die meisten Verfilmungen das Märchen für die ganze Familie an. Das Gleiche gilt für die Bücher, die sowohl von Erwachsenen, als auch Kindern gleichermassen genossen werden können, ohne das sich einer schämen müsste. 
Vermutlich ist es eine Mischung aus alle dem und aktuell ist nicht erkennbar, das es einen Schaden bringt. Jedoch sollten wir achtsam sein, wenn gerade Verfilmungen sich dem konservativem Kreis anheimeln, denn sie unterstützen eine Rückwärts gewande Entwicklung, welche unsere Errungenschaften der letzten Jahrzehnte wieder Schritt für Schritt rückgängig machen möchte.  
Noch aber kann man zumeist von einem unbefangenem Vergnügen sprechen und das Buch, die Bilder oder den Film einfach geniessen. 
Oder seht ihr das schon kritischer? Dann schreibt ein Kommentar oder gebt eure Meinung unter: @SebastianisLove

Licht & Liebe

Donnerstag, 12. März 2015

Berlin- Alexanderplatz

Als ein Kind dieser Stadt bin ich mit den Veränderungen des Viertels zwischen Alexanderplatz und Rotes Rathaus seit Jahren konfrontiert. Ein Viertel, das sich noch vor dem Krieg deutlich anders zeigte, doch anschliessend zu zerstört war und neu aufgebaut, sowie dabei neu gestaltet wurde. 
Seit dem ist es auch immer ein Streitpunkt, ob dies gut gelungen ist oder nicht. 
Wer die alten Fotos aus der Vorkriegszeit sieht, sieht ein Viertel das stark bebaut war und einen Alexanderplatz, der von Autos und Strassenbahn, Kutschen und Bussen befahren, der durchkreuzt und doch in sich geschlossen war. 
In der DDR schliesslich nahm man Strassenbahnen weg und beseitigte den Schutt und gestaltete grossen Gehwege und kleine Anlagen, baute den Fernsehturm und die Rathauspassage. Der Alexanderplatz wurde grösser, bekam einen Brunnen und die Weltzeituhr. 
Man kann sagen, das Areal war in sich geschlossen und wirkte Harmonisch, wenn auch der Begriff der Schönheit jeweils anders ausgelegt wurde, dennoch kann man kaum sagen, er hatte nicht irgendwie Charme und sein ganz eigenes Feeling. Der Alex war das Zentrum des Ostteils der Stadt und wurde als solches angenommen. 
Doch dann kam die Wende. Die Mauer fiel und der Platz war nur kurze Zeit Schauplatz für eine Revolution. Die Blicke richteten sich straff nach Westen und dem Kurfürstendamm. Doch auch dort wollte sie nicht verweilen, sie fielen fast krankhaft der alten Mitte entgegen. Dem Potsdamer Platz, dem Zentrum vor dem Krieg, als es noch eine Stadt, statt Zwei in Einem gab. Dort wurde dann wild drauf los gebaut und der Alex und seine Rathauspassagen vergessen. 
Nicht lange, denn der Zerfall und das alte Erbe sollten unsichtbar gemacht werden, ganz besonders, nachdem der Palast der Republik aus politischen Gründen (offiziell wegen Asbest) geschlossen und abgerissen wurde. Nun war auf einmal die Harmonie gestört, nun musste alles anders sein und es wurde ein Hochhaus nach dem Anderem geplant und dann verlor sich alles im Winde. Keiner wollte Investieren, doch man hatte bereits begonnen den Alexanderplatz und die Rathauspassagen zu verändern. 
Der Fall eines Viertels begann nun Wirklichkeit zu werden. Ein Fall, der noch anhält, denn obschon nun ein Hochhaus gebaut werden wird, obschon Häuser restauriert wurden, so ist der Boden des Alexanderplatzes verändert, die Strukturen neu geordnet, die Strassenbahn wieder gewonnen und doch es fehlt dem Platz an allem was ihn einst ausmachte. 
Der Charme, er wollte sich nicht wieder einstellen.  
Statt dessen die angeblichen Städtebauliche Planungen zeigen sich bisher als nicht vorhanden. 
Ein riesiger Platz will nun begrünt sein und wird es nicht. Die Strassenbahn sollte das Alte wider hereinholen und kommt nun nicht voran. Der Platz einst Treff- und Ausgangspunkt ist zum Markt verkommen. Die Rathauspassagen wurschteln vor sich her und werden immer beliebiger und das gilt auch für den Rest des Viertels. 
Neben dem Fernsehturm ein neues Haus, was andere nach sich ziehen wird. Gross und schwarz/ weiss- ein Klotz am Bein, hässlich obendrein. Jedoch genau dieses Haus verändert den Platz um den Fernsehturm und den Rathauspassagen deutlich. Nichts ist mehr vom Alten zu erkennen und grundsätzlich ist dies erst einmal nichts negatives, doch in diesem Falle wurde der Platz seines restlichen Kapitals beraubt. 
Wer jetzt dort entlang geht, am Alex ankommt, ihn hindurchgeht, dabei Primark und Saturn streift und wieder zurück zum Bahnhof geht wird kein Berlin Feeling dort bekommen. Es könnte jede beliebe Provinzstadt sein. Nichts individuelles mehr. Die Blickachsen hässlich allesamt, nur auf den Fernsehturm lässt es sich noch schauen. 
Es ist ein Trauerspiel und ein Tummelplatz der Touristen geworden. Berlin hat sich sein Herz zerdrückt, denn ein Berliner will dort immer weniger sein und das sieht man dort. Reine Durchlaufstation ist das Viertel geworden. Kein rechts, kein Links schauen. Kommerz überall. 
Der Fall aber geht weiter, denn was dort an Geschäften ist, ist Billigscheisse hoch drei. 
Als Berliner beginnt man das Gefühl zu bekommen, das man weinen möchte ob soviel Provinzialität und so wundert es nicht, wenn Berlin als Provinzstadt mehr und mehr bekannt wird. 
Berlin Alexanderplatz- wo bist du geblieben, denn ich erkenne dich nicht mehr. Wo hast du dich versteckt und wen muss ich dafür köpfen, um dich wieder zu kriegen?! 

Herr Müller, leider sind sie mit an der Misere schuld, auch wenn sie jetzt kein Wort als Bürgermeister dazu verliere wollen, doch es war ihre Abteilung die dafür verantwortlich ist. Es ist ein desaströses Zeugnis.

Es bleibt einem nur die Hoffnung, das sich alles wieder verändert, denn Berlin ist eine Stadt die sich immer verändert hat und wenn sie Weltstadt werden will, dann muss sie es auch.

Licht & Liebe
P.S. schreibt gerne Eure Meinung, Eure Wahrnehmung hier oder bei Twitter unter @SebastianisLove

Samstag, 7. März 2015

Kultur ist....?

Ist Kultur selbstverständlich? 
Was gehört denn alles zur Kultur?
Mehr als viele denken und doch sind sich viele darin einig, dass sie irgendwie wichtig ist, aber so wichtig dann auch wieder nicht, denn die Förderung von Kultur wird stets als Stiefkind behandelt in den letzten Jahrzehnten. 
Das war einmal anders. Da gab es einst einmal ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Relevanz von Kultur. So waren Lieder immer ein wichtiges Kulturgut, doch heute sind sie mehr als Produkt angesehen, denn als Mittel für das Wohlbefinden. Kaum einer spricht noch von der gesunden Wirkung auf Körper und Geist, ja auf das seelische Empfinden den diese haben können. Und Jeder der etwas produziert, stellt nur für den Markt her, obschon die Meisten eigentlich etwas erschaffen.
Wie sehr Musik nur noch als Markt empfunden wird und wie irritierend dieser geworden ist, weil man ihn nicht mehr einschätzen kann, zeigt das aktuelle Ergebnis des deutschen Vorentscheid zum ESC.
Da will sich einer nicht vermarkten lassen und doch fragt man sich, vermarktet er sich gerade mit der - ich will mich nicht vermarkten lassen- Masche? 
Kultur ist aber auch Architektur von öffentlichem Raum. Einst einmal philosophisch und gesellschaftlich Unterstützt, erfährt man nur all zu oft pure Zweckmässigkeit die den Mensch missachtet.
Kultur ist aber in den meisten Augen Theater, Kino, Musical, Oper und Operette und gerade dort wird viel erwartet, aber Geld möchte man dafür nicht ausgeben, obschon gerade hier ein sehr wichtiger Impuls für die Gesellschaft ausgeht. Aufklärung, Hinterfragen, Auffangen und Anklagen sind Aufgaben dieser Bereiche. 
Für eine gesunde Gesellschaft, für eine selbstbewusste und bewusst handelnde Menschheit ist aber die Förderung dieser Einrichtungen wichtig und geboten. Will eine Gesellschaft sich entwickeln, vor allem gesund entwickeln, will sie ihr eigenes Erbe bewahren und sich dessen bewusst sein, so muss es möglich sein, dafür Geld zur Verfügung zu stellen. 
Aber Kultur gilt vielen als weder Lebenswichtig, noch als real oder nötig. Viele halten sie gar für entbehrlich und wissen doch nicht wie sehr sie gerade selbst davon profitiert haben.
Kultur ist ursprünglich auch immer eine Verbindung zur Philosophie eingegangen und damit den Fragen für eine Gesellschaftliche Entwicklung. Unsere Demokratie, unsere Aufklärung ist durch Kultur gefördert und in's Bewusstsein gebracht worden. Unser Verständnis von Gleichwertigkeit und persönlicher Freiheit ist durch Kultur gelehrt worden. 
Ohne sie verkümmert der Geist des allgemeinen Menschen, ja einer Gesellschaft und sie wird einen Weg des Radikalen wählen und statt friedliche Wege nur tödliches Ausgänge suchen. 
Wer die Macht einzelner wiederbeleben will, muss Kultur beseitigen, sie verbieten, unterbinden und alles was darauf hinweist zerstören, so wie es die ISIS gerade macht und viele andere Orthodoxe und Radikale Gruppen es tun. Diktaturen leben von der Zensur von Kultur und dem Dumm halten des Menschen, doch so lange Kultur vorhanden ist, kann sie aufklären, zwischen den Zeilen mutig offen oder verborgen agieren, und sie kann einer Gesellschaft immer einen Weg weisen. 
Und weil wir in einer Demokratie leben, die immer den Gefahren von Aussen ausgesetzt ist, ist es so wichtig unsere Kultur zu erhalten und zu fördern, denn sie sichert uns unsere Welt, in der wir leben und kann uns Möglichkeiten aufzeigen. 
Kultur ist damit lebenswichtig und sollte normal sein zu erhalten und ja, sie ist REAL.

LICHT & LIEBE