Nun ist der -Internationale Tag gegen Homophobie und Transphobie- wieder einmal zelebriert worden.
Er wurde in Berlin und vielen anderen Städten und Ländern genutzt um aufzuklären, zu gedenken und anzumahnen.
Berlin hatte gleich mehrere Möglichkeiten für uns bereit gestellt beziehungsweise, es gab mehrere Aktionen, die statt fanden.
Und schon, kaum waren wir fertig, glücklich den Tag mit gutem Werke vollbracht zu haben, hagelt es Kritik. Aber dies deutete sich schon an.
Ein -Kiss In- das in Problembezirken statt findet, wurde als Provokation bezeichnet und ist doch gerade in den Problemgebieten so wichtig für die Akzeptanz und Toleranz von Lesben, Schwulen, Trans, denn es findet die Konfrontation mit der Theorie in der Praxis statt und der Lackmus- Test, aber auch die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung. Der -Kiss In- ist eine Aktion die seit mehreren Jahren, nicht nur in Berlin genutzt wird und für alle offen ist und auch so statt findet, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und tatsächlicher Sexualität, ganz im Gegenteil, was gerne behauptet wird von aktuellen Kritikern.
Mahnwachen am Mahnmahl für die Opfer vom Faschismus wurden abgehalten und schon wird die Frage aufgeworfen, welche Veranstaltung denn wahrlich die Richtige war.
Gerade bestimmte Menschen versuchen hier über die Gemeinsamkeiten hinweg spaltend zu wirken und die Unterschiede und Wertigkeiten herauszustreichen, um sich zu profilieren. Sie sind sich sehr bewusst, das aktuell in Berlin das Gefüge der Zusammenarbeiten sehr fragil ist, da in den letzten Jahren viele Fehler gemacht wurden und damit Uneinigkeit gab.
Die Presse schreibt wie immer recht niedrige Teilnehmerzahlen auf und korrigiert sie weder im nach hinein, noch gibt sie das gesamte Bild wieder, was sich ereignete.
Es stimmt aber, das die Teilnehmerzahl dieses Jahr sowohl bei den einzelnen Aktionen, als auch alle zusammen niedriger war, als im letzten Jahr. Sind wir deswegen bereits gescheitert? Muss man deswegen die Aktionen in Frage stellen und hämisch darüber herfallen?
Mehrere Aktionen lassen einen Block der gross ist eher weniger sichtbar sein, jedoch verteilt sich vorteilhaft in der ganzen Stadt etwas, was wir brauchen- die Aufklärung und Konfrontation des Bürgers und darum geht es.
Die Teilnehmerzahl sagt erst einmal gar nichts darüber aus, wieviele Menschen wir zum nachdenken bringen konnten. Nimmt man sich die Zeit und hört sich die Geschichten an, die vom Tage übrig sind, so haben wir womöglich dieses Jahr mehr Menschen angesprochen und dies auf vielfältigere Art und Weise als je vorher.
So wurden Touristengruppen von ihren Guides beim Vorbeigehen der Mahnmache am Holocoust Denkmal aufgeklärt und es gab damit ein tieferes und sichtbareres Verständnis der aktuellen Problematik und des Sinnes dieses Tages. Das Projekt "Enough is Enough- Open your mouth" hat am Brandenburger Tor tausende Flyer vor und neben ihrer Bühne verteilt und unendlich viele kleine und längere Gespräche mit Passanten gehabt und war von zehn Uhr früh bis abends 18 Uhr anwesend, sowie ansprechbar und dies wurde vielfach genutzt, als auch angenommen. Bei der Demonstration am Wittenbergplatz kamen auch viele unverhofft in das Vergnügen, sich mit dem Leid von Schwulen und Lesben, wie Trans zu beschäftigen.
Denn immer noch ist es so, das viele glauben, es sei alles nicht so schlimm oder betreffe sie ja als Heterosexuelle gar nicht. Viele halten es immer noch für eine Übertreibung oder denken es ist eine Entscheidung eines jeden Einzelnen Schwul oder Lesbisch zu sein oder Trans. Bei den Gesprächen sind die Menschen immer wieder erstaunt gewesen, wieviel Hass gegen Liebe existiert und in wievielen Ländern man in's Gefängnis kommt (70 Länder) und in welchen man zu Tode verurteilt wird (7). Vielen ist auch die Lage in Deutschland nicht wirklich bewusst und wenn wir Aktionisten darüber aufklären, staunen sie, wie wenig Gleichberechtigung tatsächlich existiert, wie oft LGBTI doch Opfer von Gewalt und Diskriminierung sind.
Darum muss man sagen, das in Anbetracht dieser Zustände jeder einzelne Mensch der erreicht wird zählt und damit zum Nachdenken angeregt werden konnte und wenn es erst einmal für einen kleinen Moment ist. Daher kann keine der Veranstaltungen als Misserfolg gesehen werden, nur weil vielleicht nicht so viele Teilnehmer dabei waren. Aber wer dabei war, war es mit ganzem Herzen.
Und noch eines darf man nicht vergessen. Dieses Jahr gab es keinen offenkundigen Skandal, der als Aufhänger und Magnet herhalten konnte. Vielen sind die Meldungen aus den Medien zwar im Kopfe, doch sie sind keine -Erste Seiten Skandale- auch wenn es dramatisch ist, wenn Menschen von Häusern herunter geschmissen, wenn sie gesteinigt wurden, auch wenn es schlimm ist, das im Osten Russlands Teilnehmer der Demos blutig und brutal zusammengeschlagen werden, auch wenn Afrikanische Präsidenten mit dem Aufschlitzen von Schwulen und Lesben drohen und dies ausdrücklich offen empfehlen, so ist es zuletzt alles nur unter -ferner lief- zu finden. Menschenrechte haben selten bis gar nicht die höchste Priorität in der Presse.
Ja, in Anbetracht dessen muss man sogar sagen, das alle Veranstaltungen zusammen doch recht erfolgreich wahren, aber auch offen zeigen, wie sehr oder wie wenig die Situation von LGBTI eingeschätzt wird im eigenem Lande und die Solidarität mit anderen als unwichtig oder kaum wichtig angesehen wird. Man darf auch kritisieren, das in der Hauptstadt die Egal-Haltung doch sehr ausgeprägt ist, jedoch gleichzeitig ist dies ein bekanntes Phänomen und einer der Anziehungspunkte, warum Berlin von vielen Menschen als Fluchtpunkt angepeilt wird. Hier ist die Politik gefordert, endlich diesem Image der Stadt von billig und unbedarft etwas Neues und Besseres entgegen zu stellen!
So kann man also den IDAHOT 2015 in Berlin abschliessend als erfolgreich, wenn auch ausbaufähig einschätzen, aber leider, leider noch immer als notwendig ansehen, denn der Anlass diesen feiern und begehen zu müssen ist ein trauriger.
Liebe ist Liebe und begegnet doch immer noch soviel Hass. Liebe ist Liebe und sollte gleichberechtigt für alle Menschen gelten dürfen. Die Welt steht noch und wird mit Liebe erst recht stehen und auferstehen. Liebe ist Liebe und der gebührt die Freiheit und der Respekt. Sie sollte nicht verhandelbar sein müssen. Liebe ist Liebe und Genug ist Genug!
TOM LOVE
(Twitter: @SebastianisLove)
