In dieser Zeit, wo alles auf Effizienz und Höchstleistung ausgerichtet ist und dies mit möglichst wenig Mitteln, stellt sich einem immer wieder die Frage; wann ist hartes Arbeiten eigentlich genug? Wann sollten wir sagen, es reicht?
So nehmen uns Maschinen die Arbeit ab und bringen uns damit unter immer mehr Zeitdruck, denn sie laufen schneller und so müssen wir die Handlungen, die diese nicht ausführen können, selbst schneller vollbringen.
Aber auch haben wir es in vielen Bereichen mit immer weniger Personal zu tun, dass die Arbeit von ursprünglich vielen Kollegen übernehmen muss. Der Druck wird grösser, denn die Erwartungen an das Ergebnis sind geblieben, wenn nicht gar gestiegen.
Doch schon immer gab es widrige Arbeitsumstände und -verhältnisse. Das ist nicht neu. Schwere Arbeit und hoher Druck sind seit Anbeginn der Industrialisierung bekannt und fordern Opfer und immer weiter Opfer. Bis heute und wohl auch noch morgen.
Oft gab es schon Demonstrationen, Aufstände dagegen und immer wieder sind sie am Ende versandet, weil scheinbar bessere Lösungen gefunden wurden, teils gar umgesetzt wurden, um dann doch später wieder alte Verhältnisse zu schaffen.
Jedoch unser Wissen über Arbeit, ihre Belastung für Seele, Körper und Geist sind heute grösser und uns auch bekannter denn je und nicht zuletzt den Meisten von uns sehr bewusst.
Ja, nach dem zweiten Weltkrieg ist in der Welt des "Westen" vieles erst einmal deutlich besser geworden, gar ruhiger und menschenwürdiger. Jedoch hat sich dies ab den 80ziger Jahren deutlich geändert. Profitstreben nahm auch dank der Börsen wieder zu und es musste immer mehr, für immer mehr, aber auch immer günstiger produziert werden. Wir wissen das alle und anfangs haben viele auch sicherlich deswegen die ersten Nebenwirkungen in Kauf genommen. Doch diese Anfangswehen sind zu dauernden Schmerzen in unserem Berufsleben geworden und obschon sich bereits dagegen gewehrt wurde, wurde nie genug getan, um dies zu ändern. Die Krankheit wurde gefüttert, ignoriert und klein geredet, ja schön geradet gar und der Atem der sich Wehrenden war bisher nie lang genug und wohl auch nicht der Leidensdruck.
Zuletzt aber konnte man auch ein neues Phänomen beobachten. Viele haben aufgegeben, sind hoffnungslos geworden oder haben es sich gar in der Miesere bequem gemacht. Der Glaube etwas bewirken zu können ist klein geworden. Die Obrigkeitshörigkeit geblieben, obschon viele dagegen klagen und sie nicht wahr haben wollen. Sich selbst als Opfer zu sehen, wurde den Menschen gerade in den letzten Jahren wieder gut eingebläut.
An der Miesere sind also nur die Anderen schuld.
Leider ist dies nur ein Teil der Wahrheit und hier komme ich wieder zu der Ausgangsfrage. Wann ist hartes Arbeiten genug?
Ist es erst, wenn ich feststelle, das ich körperlich Schäden habe? Ist es erst wenn ich mein Privatleben in Trümmern sehe? Ist es erst wenn ich merke, ich habe gar keine Freunde? Oder ist es erst dann der Fall, wenn ich überfordert zu Hause sitze und Arbeitsunfähig werde?
Kann es sein, das es bereits Warnsignale gibt, die einem Zeigen, das es genug ist? Sind es nicht solche Anzeichen, wie sie der eigene Körper gibt, der ständig krank ist, die Psyche die depressiv ist oder die fehlende Energie, weil man nach der Arbeit einfach nur noch müde ist?!
Könnte es schon dann genug sein, wenn die Antworten warnend für sich selbst sprechen, wenn man sich ehrlich fragt, wozu macht man dies und jenes und für wen? Was bringt das, was ich tue?
Ist es genug, wenn ich sehe, das die Zukunfstperspektive mau bis grau ist oder gar noch schlimmer?
Was ist, wenn ich nach 15 bis 20 Jahren immer wieder an Grenzen stosse, wo ich etwas zum Besseren bewegen möchte, aber es nicht erreiche, weil der Wille der Anderen fehlt und meiner alleine nicht ausreicht?
Sollten wir uns nicht öfter fragen, was wir eigentlich mit unserem -weiter so!- arbeiten auf die alte Weise unterstüzen? Welches System unterstützen wir, wenn wir so weiter machen und was wollen wir eigentlich statt dessen?
Ehrlichkeit sich selbst gegenüber verlangt auch die Einsicht über eigene ethische Wertigkeiten.
Was bist du bereit zu opfern, zu tolerieren und wo ist schluss mit Lustig?
Wie lange kann und darf ein Mensch gegen seine eigenen Prinzipien handeln, ohne sich selbst zu schaden und sein Leben auf Dauer negativ zu beeinflussen?
Seien wir ehrlich, all zu viele von uns ignorieren ihre eigenen Regeln und Werte und riskieren den eigenen Kollaps, aber auf Dauer wird auch das System kollabieren, denn wenn Menschen nicht mehr können, kann auch die beste Effizienz nichts mehr bringen und von Nutzen sein.
Doch seid gewarnt, der Zusammenbruch geht schleichend. Erst leidet der Arbeiter, dann die Qualität des Produktes oder schlicht der Kunde, schliesslich die Qualität der Arbeiter und der Produkte, bis beides nur noch billig und kaputt, ja schadhaft ist und oftmals haben sich viele dann bereits so daran gewöhnt, das sie vergessen haben, wie es eigentlich sein sollte, ja auch geht und machbar ist.
Aber dies muss dann hart, sehr hart neu erobert, erbaut und gewonnen werden.
Brauchen wir als Menschheit nun aber den totalen Bruch oder schaffen wir es vorher gegenzusteuern?
Das liegt ganz an uns, an jedem Menschen selbst. Die Welt zu ändern geht nur, wenn wir uns ändern und endlich Taten den Worten folgen lassen. Es muss nicht nur gesagt werden- es ist genug, sondern auch dann wirklich der Stopp ausgeführt werden.
Aktion die zeigt, das ich als Mensch wahr genommen werden will und wenn es erst einmal nur für mich selbst ist. Dies müssen immer mehr Menschen tun, denn wenn nur wenige dergleichen reagieren, wird die Wirkung oftmals nur verpuffen.
Darum sind Gewerkschaften und Betriebsräte so wichtig, denn hier findet sich Kraft, Wissen und Sichereit. Hier gibt es bei klugem Verstand und weisem Handeln das beste und grösste Potential tatsächlich positive Veränderungen vor dem Zusammenbruch zu erreichen.
Aber es gilt auch endlich die Abstimmung mit Füssen ernst zu nehmen. Je mehr sich aus einer Branche verabschieden und dem erlernten Beruf den Rücken kehren, desdo mehr muss sich diese fragen, ob sie sich wirklich um die Probleme kümmert. Ist die Unerstützung der Basis, da wo die Meisten von uns arbeiten, wirklich gegeben?
Die Krankenstatistik vieler Branchen zeigen deutlich, das es bereits kurz vor Zwölf ist. In einigen sogar, das es schon nach Zwölf ist.
Was aber wird sich ändern, wenn du selbst nichts dagegen tust? Wenn du nicht einmal deine eigene Gesundheit ernst nimmst? Wenn dir deine eigene Zukunft nicht wichtig genug ist, um die Notbremse zu ziehen?
Zu oft und zu viele Kollegen habe ich schon erlebt und gesehen, die im Hamsterrad erblindet sind. Sie rennen Tag ein, Tag aus mit offenen Augen in's eigene Verderben.
Ich fürchte um die Tage, die sie irgendwann einmal frei haben. Um die Fragen, die sie sich dann stellen werden, spätestens wenn der Moment des Sterbens gekommen ist.
Sie werden die schwere Lektion des sich selbst vergeben erleben.
Aber alle diese Kollegen sind auch einander, wie mir selbst ein Spiegelbild.
Und wieder stellt sich dabei die Frage- was ist genug? Wann gilt es für mich den Schritt aus der Tür zu machen und zu gehen?
So hat also jeder immer und immer wieder diese Chance sich selbst zu fragen, sich zu bewegen und sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und autenthisch zu bleiben und doch, ja, er muss diese Chance nur erkennen können.
Euer Tom Love

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