Montag, 21. September 2015

Kommt eine Schwester geflogen

und scheint gerade rechtzeitig bei dir angekommen, um deine Schmerzen zu lindern, dein Leid dir abzunehmen und schon ist sie auch wieder entschwunden und du weisst gar nicht wie dies geschehen. 
So oder so ähnlich geht es vielen in ihren Begegnungen mit dem Pflegepersonal. Seien es die Pflegehelfer oder die Fachkräfte die ihnen zur Verfügung stehen, die meisten Menschen sind auf der einen Seite dankbar für jede Hilfe und doch unglücklich über die wenige Zuwendung und haben oft das Gefühl vergessen worden zu sein. Nicht nur in Heimen geht es vielen so, auch im Krankenhaus oder der Hauskrankenpflege. 
Immerhin wissen viele, dass es an Personal mangelt und haben daher ein wenig Verständnis, jedoch wollen alle zu Recht die bestmögliche Pflege, die ihnen auch von Politik und den Einrichtungen selbst versprochen werden. 
Nur laut den Vorgaben von den Krankenkassen und Pflegeversicherungen haben wir gar keinen Mangel an Personal, ganz im Gegenteil, darf sich das geschundene und geplagte Personal gar anhören, man habe einen Überschuss. 
Wie kann das gehen? Ganz einfach. Als Fach- und Pflegekräfte zählen auch Sozialarbeiter, Pflegedienstleitungen und unter Umständen auch weiteres Personal, was gar nicht in der aktiven Pflege dabei ist. Die Situation verschärft sich auch weil der Personalschlüssel nach den Pflegestufen ausgelegt wird. Ein weiteres Problem ist ohne Frage, das fast alle Einrichtungen Geld machen müssen, ja Gewinn machen sollen, und dies ist immer schlechter möglich. Zugleich wird der erwirtschaftete Gewinn meist gar nicht an das Personal weiter gegeben, obschon selbst die Politik es immer wieder verspricht, das hier entsprechend etwas gegengesteuert wird und immer wieder aber erleben wir genau das Gegenteil. 
Pflege darf nichts kosten und soll doch höchsten Ansprüchen genügen. Ein Widerspruch, den aber die entscheidenden Träger ignorieren, da sie eigene, gesonderte private Kliniken und Sonderbehandlungen sich leisten können. 
Doch die Schuld ist schlecht nur auf die Politik zu schieben. Zu viele Beteiligten haben zu viele Fehler gemacht und keiner mag es zugeben, noch wirklich etwas daran ändern oder selbst gegensteuern. Nur Einige wenige vom unterstehenden Personal haben angefangen Veränderungen standhaft einzufordern. Veränderungen im System, im Geldfluss in den Ansichten der Teilnehmer. Doch die grosse Masse stellt sich bisher taub. Was nütz es mir da als Pflegekraft, wenn Angehörige, fremde Menschen und eine Bundeskanzlerin mit Worten zu salben versuchen, die nur leere Hülsen sind, da sie die Verantwortung immer an das Pflegepersonal schiebt und dieses ist es leid gelobt und doch missachtet zu werden.

Aber ja, das Personal muss sich selbst auch aus den eigenen Fängen befreien und der Moralklaue sich entreissen und begreifen, das es nur ein Druckmittel gibt. Pflege muss kosten dürfen. Pflege braucht Personal. Pflege braucht Zeit und deshalb muss man auch mal auf die Strasse gehen und Betroffene spüren lassen, das sie abhängig von ihnen sind. Ein Krankenhaus ist nichts ohne die Schwestern, denn sie sind das Herz, die Seele und können die Fehler der Ärzte ausbügeln- umgekehrt geht das nicht. Ein Heim wird Menschen nicht Menschenwürdig betreuen können, wenn es das ausgebildete Personal dazu nicht gibt oder die Ausbildung der Pflegehelfer in 30 bis 100 Stunden Kursen besteht. Qualität braucht Ausbildung und die Möglichkeit als Azubi nicht als Arbeitskraft missbraucht zu werden, sondern als Schüler lernen zu können- neben einer Fachkraft. 
Es gibt Webseiten die 20 Gründe als Beispiel aufzählen, warum man eine Krankenschwester lieben muss. Ein Versuch Sympathien aufzubauen und doch sind viele so sehr kaputt und Hoffnungslos, das sie keine gute Pflege mehr leisten können oder es ihnen schlicht egal ist, da die Arbeitgeber sich einen feuchten Dreck um sie scheren. Nicht umsonst sind einige Firmen so sehr verschrien in der Branche und es wird vor ihnen gewarnt. Leider kann der Verbraucher diese nicht an den Pflegenoten des MDK erkennen, er muss sich selber schlau machen, vor Ort und vor allem im Internet sich durch viele Websiten und Beurteilungen durchwühlen. 
Ja, die meisten Krankenschwester rennen sich die Füsse wund, stehen sich die Beine unter Zeitdruck in den Bauch, essen und trinken selber kaum, verkneifen sich den Toilettengang und die Pause die sie brauchen, lächeln und halten durch und versuchen nicht zu verzweifeln und meist vor allem nicht an sich selber, da sie oft wenig Verständnis und Geduld mit anderen aufbringen können. Gleichzeitig sind sie so verständnisvoll das es selbst Angehörige nicht einmal schaffen soweit zu kommen und geduldig können sie selbst bei Nichtigkeiten sein. Sie leben im steten Paradox und achten ihre eigene Gesundheit nicht. Ich kenne keine einzige Pflegekraft, die nach 15 Jahren im Beruf noch körperlich ohne Beschwerden ist. Wenn sie denn überhaupt so lange durchhalten. Das Problem der Personalfindung ist nicht der Mangel an geeignetem Personal, es ist die Tatsache, das die Meisten aus dem Job freiwillig ganz aussteigen. 
Der Rest muss sich Duzen lassen und doch Distanz wahren. Es muss sich mit immens gesteigerten Erwartungshaltungen auseinandersetzten, die bar jeder Vernunft und Realität sind. Es muss damit klar kommen, das seit mindestens zehn Jahren die gleichen Versprechen von Besserung zu hören sind und doch alles nur weiter bergab geht. Von einem anständigem Gehalt träumen die Meisten schon nicht einmal mehr und wollen lieber mehr Kollegen, die ihnen aber kaum gegeben werden. 
Doch höhere Gehälter müssen endlich gezahlt werden und ihr Menschen da draussen müsst mit den Schwestern und Pflegern gemeinsam auf die Strasse gehen und helfen, dass die Politik Lösungen sucht die eine Finanzierung gewährt, statt nur Krankenkassenbeiträge zu erhöhen und Pflegekassenbeiträge anzuheben. Es geht auch um Eure Zukunft.
Denn bei aller Liebe, es muss so etwas wie Würde auch für das Pflegepersonal geben und ein Privatleben möglich sein, das sich so nennen darf, denn die Liebe kommt aktuell immer zu kurz. Wer lange Schichten hat, Wechseldienst und bis zu 12 Tage am Stück arbeiten muss und nebenbei den Haushalt schmeissen soll, ist am Ende einfach nur platt und müde. 
Als Allround- Talente und mit Multitasking bestens vertraut ist es erstaunlich, das man in Deutschland nicht einmal von Karriere spricht, wo Krankenschwestern und Pfleger Manager der Zeit und Ressourcen sind, zudem auch noch Improvisationskünstler. 
Leitet man noch dazu einen Wohnbereich oder eine Station und kümmert sich um Qualitätsarbeit, ist das ein Knochenjob und doch spricht keiner vor Karriere. 

Doch leider muss man auch sagen, wenn es so weiter geht wie bisher, dann wird die Qualität auch weiter abnehmen. Die jungen Nachwuchstalente haben weder die gleiche Arbeitsmoral, noch bekommen sie die Möglichkeit sich im praktischen Ausbildungsteil wirklich zu formen und sind oft zugleich zu sehr von sich überzeugt und erkennen die Prioritäten nicht mehr, denn Handys haben mehr wert als das Leben eines Anderen. Ihnen fehlt die Flexibilität und die Erkenntnis, das sie ewig lernen werden in diesem Beruf, was auch das ältere Personal mit Schmerzen immer wieder begreift. 
Jährlich gibt es Änderungen und nichts bleibt wie es war. Das fordert ein starkes Nervenkostüm, dass die ältere Generation schon in die Ausbildung mitbrachte, dem Nachwuchs aber oft völlig fehlt. Hier muss sich eine Gesellschaft auch fragen lassen, in wessen Geist sie ihre Kinder aufwachsen lässt und mit welchen Wert- und Weltvorstellungen. Die Keine- Lust- Mentalität wird offen ausgelebt und das man nichts machen möchte, was keinen Spass macht, aber das Arbeitsleben hat immer Dinge im Gepäck, die eben einfach gemacht werden wollen. Bei allem kommt eine Desillusion bezüglich ihrer beruflichen Zukunft dazu. Zehn Jahre maximal rechnen die Meisten, dass sie diesen Beruf machen werden. Was dann und vor allem wer dann? Bereits jetzt fehlt die Altersklasse zwischen 35 und 50 fast völlig. Gerade die, die so wichtig für den Nachwuchs sind und als Unterstützung der älteren Kollegen gebraucht werden. So sind die wenigen Kollegen in diesem Alter schnell ausgebrannt und müssen selbst auf sich achten, das sie nicht beim Dienst umfallen und ein fall für den Notdienst werden und ich habe dies bereist mehrfach bei Kollegen erlebt. 
So ist dies keine Lobhudelei zum internationalen Tag der Krankenschwestern und Krankenpfleger geworden, sondern eine eher kritische Bestandsaufnahme. 
Lasst uns also endlich eine Zukunft einfordern, die mehr als ein Lippenbekenntnis ist und in der die Bundeskanzlerin nicht bloss ihren Respekt ausspricht, sondern Taten folgen lässt. Schliesslich ist ein Teil dank der Gesundheitsreform so schlimm geworden, welche unter Anderem aus ihrer Feder stammt. 

Euer TomLove

Donnerstag, 17. September 2015

Fingerhut-Sommer- eine Buchempfehlung

Es ist bereits das fünfte Buch dieser Reihe, geschrieben von Ben Aaronovitch und Fans werden bereits jetzt ungeduldig das sechste Buch erwarten, da auch diesmal wieder ein Cliffhanger am Ende des Buches die Leser verführt, auf die Pfade der Spekulationen zu wandern. 
Um Wandern im weitesten Sinne geht es auch dieses Mal, wenn Constable Peter Grant sich von London aus auf das Land machen muss, um einer anderen Polizeieinheit behilflich zu sein und zu schauen, ob "abstruser Scheiss" mit im Spiel ist. 
Mit dabei ist wieder eine der Flusstöchter und neue Freunde und der Krimi kann los gehen. 
Eine ungewöhnliche Krimireihe, denn ist es Krimi, ist es Fantasy oder doch ein Roman mit Anteilen von alle dem? Der Leser darf gerne wählen und nach dem Buch in allen Abteilungen fragen, denn die deutschen Buchhandlungen tun sich schwer mit Mix- Genres. 
Wie auch bei den anderen vier Büchern, schreibt Aaronovitch flüssig, zugleich spannend, und mit Humor, aber auch fantasiereich und mit immer neuen Entwicklungen, so dass die Geschichten kaum voraussehbar sind, bis gar nicht. Die deutsche Übersetzung kann man wieder als sehr gelungen bezeichnen und auch sensibel bei der Wortwahl, da sie sich immer als passend herausstellt. 
Mit gut 400 Seiten ist das Buch etwas mehr als der Durchschnittskrimi, aber ganz der aktuellen Mode angepasst in Breite und Länge. Hier zeigt sich auch, das Aaronovitch Schreiberfahrung hat und weiss, wie er seine Geschichten vorantreiben muss. Auch hat er wieder Anspielungen auf Harry Potter, Doctor Who und Co im Gepäck. Was nicht so verwundert, da er unter anderem für Dr. Who geschrieben hat. Und so ist es schon so, das die Figur des Peter Grant einen an einen erwachsenen Harry Potter erinnert und doch eigenständig bleibt. Der junge Constable lernt auch in diesem Buch weiter, denn er ist als Zauberlehrling noch in Ausbildung in Sachen Polizei und sonderbaren Dingen. 
Aaronovitch versteht es auch diesmal wunderbar Konsequenzen des Handelns nebenbei zu schildern, wie auch typische Verhaltensweisen von Menschen und Organisationen, sowie die Gegend vor dem inneren Auge auferstehen zu lassen. 
So ist es zugleich eine Fantasygeschichte mit Lebenswirklichkeit gepaart. Dies so gut, das man gerne glauben mag und möchte, alles dies sei auch in Wirklichkeit vorhanden und wir wissen es nur nicht. 
Abstruser Scheiss, ja den gibt es, möchte man nach der Lektüre sagen und ein "Wow" dazu.
Fingerhut- Sommer macht Lust auf weitere Bücher und liest sich angenehm und passt auch bestens zum Abschluss eines Sommers wie dem unserem und dem Beginn des Herbstes. 

Euer TomLove