Mittwoch, 6. Mai 2015

Tanz auf dem Vulkan

Wenn ich so durch den Blätterwald der Tageszeitungen gehe, so könnte ich mir denken, das auch Euch   aufgefallen ist, wieviele menschliche Katastrophen die Schlagzeilen prägen. Kaum ist die Eine vorbei kommt die Nächste und es scheint, als seien sie dramatischer als vorher und es kommt mir so vor, als wenn wir jede mögliche Variante gerade durchspielen. 
Interessant dabei sind unsere Reaktionen, unsere Bewertungen auf die Situationen. 
Erst kommt die klassische schon allbekannte Medienhypegeschichte, das Drama wird erhöht, von allen Seiten beleuchtet und anschliessend wird diese Dokumentationsart und Reportageweise stark kritisiert. Es wird darauf hingewiesen wie ungleich bewertet wird und das es noch anderer Katastrophen gebe und diese nicht gegeneinander aufgewertet werden könnten. 
Doch dieses Jahr passiert etwas, was sonst eher selten ist. Obschon die Presse, die Medien erst die altbekannten Reaktionsmuster zeigen, so sind sie sehr bedacht darauf, jeder Katastrophe das gleiche Gewicht zu geben. Zufall oder Lernprozess? Man möge auf letzteres hoffen.
Aber eine Sache hat sich weiterhin nicht geändert. Wir müssen, sollen helfen und diskutieren dabei, wieviel dabei angebracht ist. Wieviel wollen wir geben? 
Warum scheint es bei der einen Katastrophe einfacher zu sein als bei der Anderen? 
Nun letztere Frage lässt sich leicht mit unserem Leben beantworten. Ein Flugzeugabsturz ist tragisch, aber zieht uns nicht in Verantwortung oder Handlungszwang. Ja wir verlangen zwar Aufklärung und Konsequenzen, aber es müssen immer Andere ran. Doch ein Schiff, voller Menschen die zu uns wollen, das sinkt vor unseren Grenzen, ist etwas anderes. Wir ahnen, Forderungen alleine reichen nicht und immer nur die Anderen machen lassen auch nicht. Auch wissen wir es braucht Geld und freiwillige Hilfe. Das alles ist uns näher, als uns eigentlich lieb ist und daher wollen wir möglichst wenig darüber wissen. Instinktiv. 
Es lauert nämlich die Frage der sogenannten moralischen Verantwortung und die Frage nach dem -Müssen wir helfen? -. 
Müssen wir? 
Eine provokative Frage. Denn meine eigene Schuld im Gefüge zu sehen und sie zu beurteilen ist nämlich gar nicht so einfach. 
Was habe ich damit zu tun, das es in Afrika Menschen aus ihren Ländern zieht? 
Was habe ich damit zu tun, das es in Erdbebengebieten arme Menschen gibt, die jetzt ohne Haus da stehen?
Haben wir nicht schon genug vor Ort geholfen? Oder haben wir zu lange geholfen und müssen nun von vorne anfangen, denn wir haben Kreisläufe in Gang gesetzt als Gesellschaft, die Abhängigkeiten von uns "reichen" geschaffen hat. 
Müssen wir deswegen helfen und unseren Soll bezahlen? 
Aber was kann ich als Einzelner für eine fehlgeleitete Hilfsentwicklungsmachinerie, die ich selber gar nicht in Gang gesetzt habe? 
Wo liegt meine Schuld, das es Arme gibt im Erdbebengebiet?
Und was ist mit der Tatsache, das viele das Risiko der Katastrophe in Kauf nehmen?
Die Flüchtlinge wissen oft um die Gefahren und doch gehen sie den Weg.
Die Menschen wissen um ihren aktiven Vulkan, oder dass der Landstrich auf dem sie leben ein hohes Erdbebenrisiko hat und doch bleiben sie, ganz unabhängig davon, ob sie arm oder reich sind. 
Es ist ihre Heimat. 
Weil uns diese Fragen unangenehm sind spenden wir, damit wir sie aus dem Auge und aus dem Sinn bekommen.
Das löst aber nur die Symptome und nicht die Ursache der Probleme. Es bringt nicht neues Leben und auf Dauer auch keine neue Hoffnung. Eine Spende alleine reicht nicht. 
Was also tun?
Wer schafft uns die Vorraussetzungen, das Flüchtlinge daheim bleiben wollen und dort ihre Kraft einsetzten, um ihr Land wieder zu einem Lebensziel zu haben? Wie bekomme ich die Menschen selber dazu, dies zu tun? Wie bekomme ich die Regierungen der Länder dazu, ihr Volk ernst zu nehmen? Denn oft wird über die Landflucht kaum berichtet, dieses gerne klein geredet oder einfach ignoriert.
Wie erreiche ich gemeinsam mit Menschen vor Ort Strukturen zu schaffen, so dass sie sich selber versorgen können, wenn das Land keine Geldreserven hat? 
Haiti versucht sich immer noch von seinem Erdbeben von 2010 zu erholen. Doch die Ereignisse sind fast vergessen und nur wenige Hilfsorganisationen sind vor Ort und versuchen den Aufbau zu unterstützen. 
Die oft laut herausgeschrienen Geldhilfsmittel der anderen Länder kommen meist zu spät, nur teilweise oder gar nicht erst an. Wie lange wird dann Nepal brauchen, was uns nicht am Herzen liegt. Es ist weit weg. Es herrscht absolute Armut und es ist kein interessantes Land für reiche Investoren. 

Bis jetzt regiert das Geld und die Lage über die Folgen einer Katastrophe. Wen trifft es? Arm oder reich? 
Es ist kein Geheimnis, das es von jeh her hiess- rettet das Geld zuerst. Sei es bei der Titanic, wo die reichen ihre Boote hatten und erst dann kam das- Frauen und Kinder-. In Kriegen werden zuerst die   Menschen die zur sogenannten Elite gehören in Sicherheit gebracht. Bei Erdbeben werden die Wohlhabenderen eher gewarnt sein, als die ungebildeten Armen. Die Bunker im Krieg hatten immer auch einen Bereich nur für Kunst und Unterlagen. Sie waren nicht nur für Menschen vorgesehen. 
Das ist alles bewusst bis heute so geblieben. Denn das Geld entscheidet bisher, wer überlebt und wem geholfen wird und vor allem wann. Alles nach der Frage: Ist der Mensch eine Geldanlage wert oder nicht. 
Doch interessanterweise ist es durchaus eben nicht diese Elite, die nach einer Weltweiten Katastrophe den Neuanfang garantieren könnte. Es gibt dazu übrigens einen wunderbaren Film: https://www.youtube.com/watch?v=zh_Rof-B0To
Dieser Film behandelt genau die Frage danach, wer sollte gerettet werden. 
Genau diese Frage muss in unserer Gesellschaft wieder gestellt werden. Wer sollte gerettet werden und wie stellen wir das an?
Dazu müssen wir aber schauen, wo es schon Projekte gibt, die genau diesen Weg gehen. So gibt es in einigen afrikanischen Staaten Bewegungen, die jungen Leuten klarmachen wollen, dass die Zukunft nicht in Europa liegt und ihnen Wege aufzuweisen versuchen. 
Aber das macht Arbeit dies in Erfahrung zu bringen und findet daher kaum Beachtung in unseren Medien und so diskutieren wir weiter fleissig am Kern vorbei und könnten eigentlich schon agieren und die nächste Zukunft in eine positivere Richtung lenken. 
Wenn wir denn wollen, weil ich will, weil du willst und weil alle es wollen. 
Wollen wir? 
Und so kommen wir zurück zu der Tatsache, dass das Wegschauen immer noch ein sehr beliebter, weil gut gelernter, Zeitvertreib ist. 
Der Tanz auf dem Vulkan geht weiter und doch, aus dem Augenwinkel kann man sehen, das sich etwas bewegt, verändert, ja bemerkbar macht. Die Nadel des Anstosses lässt sich immer weniger ignorieren. Wie lange noch?


Schreibt mir Eure Meinung, Erfahrungen und Anregungen. Ich freue mich immer in Kontakt mit meinen Lesern zu sein. Nutzt das Kommentarfeld oder geht zu Twitter unter @SebastianisLove















Love & Light 
Tom Love

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen