Mittwoch, 19. August 2015

Was nützt die Liebe in Gedanken!

Ein' können wir noch, zwei woll'n wir noch, drei könn' wir noch vertragen. Was nützt das Geld im Altenheim, bei Apfelsaft und Haferschleim!- So könnte man es täglich singen, wenn die Realität oftmals nicht so unlustig währe. Ein Trinklied ist es wohl, und doch passt es zur Arbeit eines Krankenpflegers, oder einer Altenpflegerin. Tagein und Tagaus mit zu wenig Personal, zu hohen Anforderungen, mit wenig positiver Motivation und zu vielen neuen Regelungen, die sich immer wieder ändern und wenn es mal gut läuft, so ist den obersten Chefs nichts recht genug und sie ändern, selten zum Vorteil für das Personal da unten, welches die Gewinne erwirtschaften soll. 
Bekannt ist das es zu wenig gezahlt wird. Bekannt ist, das es wenig Nachwuchs gibt und viele ausgebildete Kräfte nicht mehr dem Markt zur Verfügung stehen, weil sie nicht mehr wollen, weil sie nicht mehr können, weil sie an ihre Zukunft denken und merken, sie können diese nicht garantieren, wenn sie bleiben. 
Bisher habe ich kein Haus erlebt, das nicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Ein gutes Zeichen heutzutage ist es schon, wenn Teams bereits zwei, drei Jahre bestehen, denn der Wechsel ist heute noch schneller als vor vielen Jahren. Einst mal alle vier Jahre den Bereich zu wechseln, oder gar 10 bis 15 Jahre auf dem gleichen Arbeitsplatz zu sein, das ist heute gar nicht mehr oder so selten vorhanden, das es unter Kulturschutz stehen sollte. Heute wird im Schnitt fast im halben Jahr Rhythmus gewechselt und so bekommen neue Kollegen auch kaum eine Chance sich einzuarbeiten oder eine Zukunft aufzubauen. Denn gerade angekommen, verschwinden die Kollegen, mit denen man sich irgendwie eingearbeitet hat. Leidtragende sind natürlich auch Patienten, Bewohner oder wie diese nun genannt werden sollen und deren Angehörige. Ja, auf der einen Seite kann ich deshalb manche Aufregung und manche Klage verstehen (gerade von Angehörigen) und doch möchte ich immer öfter sagen- was sollen wir denn machen? Garantieren können wir nichts mehr. Überfordert sind die Meisten und jeder fängt von vorne an, mal mehr, mal weniger gut und geglückt. Ich bin dann fast schon dankbar, wenn Angehörige Dinge ansprechen, die nicht glatt laufen, damit ich weiss, was noch fehlt und wo die Schraube locker sitzt, aber wenn sich mancher dann zum Ritter hochschlagen will, dann fehlt mir immer öfter die Geduld und auch der Wille hier noch ernsthaft zuzuhören, obschon ich es tue, denn ich weiss ja, das macht die Arbeit sonst nur noch schwerer und so steigt die Belastung des Personal stetig und die Politik ergiesst sich in hohlen Phrasen. Das neue Pflegegesetz, was beworben wurde ist nicht nur ein Tropfen auf dem heissen Stein, es hilft vor allem kaum. Mehr Geld sollte für das Personal herausspringen und am Ende wurde es geändert und so bekommt der Patient ein klein wenig mehr Hilfe oder muss etwas weniger zuschiessen zu Hilfsmitteln und alles gilt wieder nur in der Hauskrankenpflege, denn dort sollen die Leute bleiben, so lange es geht, weil es weniger kostet. 
Personalbeschaffung ist ein schwieriges Thema und wird immer noch nicht aus dem Winkel des Personals selber gesehen und so haben wir ungeeignetes Personal, oder arbeiten immer mehr mit Kollegen aus dem Ausland, die mal mehr, mal weniger gut Deutsch sprechen, welche uns aber oft sehr helfen und unsere Dankbarkeit haben. Doch fair ist es ihnen gegenüber auch nicht, wenn wir sie "ausnutzen" müssen, weil wir es selber nicht mehr schaffen, die Arbeit des Tages zu bewältigen. Sie sollten eigentlich nicht zu Arbeitssklaven degradiert werden von Chefs und Firmen und doch sind wir oft nicht weit davon entfernt. 
Immerhin neu eröffnete Häuser sind noch bereit eine wenig mehr Gehalt als die Konkurrenz zu zahlen, jedoch zeigt meine Erfahrung, das dies oft nicht lange anhält. 
Und so singen wir das es noch einer sein kann, denn wir brauchen das Geld, unabhängig davon, ob es dann auch bei uns tatsächlich landet. Wir singen das noch einer geht, weil uns gar nichts anderes übrig bleibt, denn ausser uns macht keiner die Arbeit und versorgt sollen sie sein, die Menschen, die sich uns anvertrauen. Einen dritten lassen wir noch rein, obschon wir verschwitzt sind, kaputt sind, Knochen und Muskeln schmerzen und die Blase drückt, aber auch wir müssen pünktlich nach Hause. 
Aber gerade als Fachkraft ist man mehr als einmal länger da, auch wenn daheim die Kacke dampfen mag. 
Doch immer mehr begreifen, so geht es nicht weiter. Die Würde des Menschen sollte unantastbar sein und Pflege auch den Menschen im Blick haben. Nicht nur theoretisch. Einziges Druckmittel ist der Streik und damit aber auch Menschen in ihren Ausscheidungen liegen zu lassen, Angehörige die Last aufzubürden für sie zu sorgen, obschon sie es in unserer modernen Welt nicht können/ wollen. Ja, und auch zu fragen, immer wieder zu fragen, wann sich Direktoren zusammenschliessen und gemeinsam eine neue Geldpolitik fordern und am Ende muss aber vor allem Du und Du und Du auf die Strasse gehen und sagen, das Pflege zwar Gewinn machen darf, aber nicht daran orientiert sein sollte, sondern an Qualität und Menschlichkeit. Diese lässt sich aber nicht mit einem Personalschlüssel von einer Pflegekraft für 15 Patienten und mehr bewerkstelligen. Hier leiden beide Parteien. Wie dies zu finanzieren ist, hätte man schon lange herausfinden können und nun ist es höchste Eisenbahn sich darüber Gedanken zu machen! Soll die Drei- Klassen- Medizin weiter bestehen, so geht es weiter bergab mit ihr. 
Viele Kollegen sind bemüht das Beste zu geben und Humor zu bewahren, jedoch sind gerade die jüngeren Kollegen oft schon demotiviert und kaum bereit hier ihren Beitrag zu leisten. Die Generation die sich ihrer Verantwortung bewusst ist und daher eine  viel stärkere Arbeitsmoral hat, löst sich auf. Was wird dann kommen? Die Ausbildungen sind wieder schlechter geworden, da die Praxis der Ausbildungen nichts mehr oder kaum etwas mit der Ausbildung, sondern mit reinem Arbeiten zu tun hat. Der Missbrauch der Schüler ist enorm. Deren Verständnis von Bereitschaft deutlich anders, als dass der langjährigen Berufstätigen. Erst recht das Gefühl zu einem Arbeitsplatz zu gehören, kommt erst gar nicht auf, denn sie wollen oft gar nicht. Während die Älteren also versuchen, so etwas wie ein  Gefühl der Gemeinschaft zu fördern und zu erhalten und darunter leiden, dass dies immer seltener gelingt, sind junge Kollegen immer mehr in ihrer Egal- Haltung verhaftet. 
Auch deshalb ist es wichtig, das Du als Teil der Gesellschaft sagst, es muss sich JETZT etwas ändern, denn wie möchtest Du gepflegt werden?! 

Euer Tom Love

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