Freitag, 20. Februar 2015

Das Haus Allabasta 3

Beim Bäcker McAdams trat Lutz gerade über die Türschwelle, als sich Christina ihrem Alltag zugewandt hatte. Er kam, um sich wie immer sein spätes Frühstück abzuholen und dabei auch eine Tasse Kaffee zu trinken, während er mit dem Bäckermeister einen Schwatz hielt. Meist ging es um aktuelle Renovierungs- und Bauarbeiten, die Lutz in Auftrag hatte. Privates mochte er nicht von sich geben, damit fühlte er sich unwohl. 
Das er tatsächlich auch auf Christina ein Auge geworfen hatte, wusste nur der Bäckermeister, wenn auch nur durch Beobachtung. Vor allem aber dank seiner Frau, die den Verkauf ausführte. Sie hatte ein geübtes Auge in Sachen Menschen und ihre Befindlichkeiten.
Sie war es auch, die Lutz immer den Korb für die alte Dame aus dem Haus Allabasta mitgab. Diesen brachte er ihr nach seinem Dienstschluss zweimal die Woche vor die Tür. 
Die alte Dame mochte er, hatte sich aber bisher nie dazu überreden lassen, mit in das Haus zu kommen und damit ihrer Einladung zu folgen, die sie jedes Mal aussprach. 
Sie wusste dabei durchaus, das er höchstwahrscheinlich nein sagen würde und wartet mit Geduld, bis er soweit war. 
Manches Mal, wenn Lutz dann auf dem Heimweg am Nachbargrundstück vorbei kam, hörte er einen Singsang. Nie konnte er herausfinden woher dieser kam, so sehr er sich auch anstrengte. Die Worte, obschon er sie oftmals verstand, entschwanden ihm aber immer wieder sofort aus dem Gedächtnis und damit auch die Situation, die er immer wieder beim Vorbeigehen am Zaun erlebte. Denn er hörte nicht nur einen Singsang, er vernahm aus dem Augenwinkel auch immer das Tanzen der Zweige und Blätter. 
Sie tanzten immer gleich, doch auch dies vergass er und erinnerte sich genau dann daran, wenn er die Bewegungen wahrnahm. 
Sich darüber aber Gedanken machen, dies war nicht seine Art und er kannte auch keine der Schauermärchen die man sich im Dorf erzählte. 

Obschon sie alle in einer neuen, modernen, aufgeklärten Welt lebten, die über Telefon, Fernseher, Computer und allerlei Schnick Schnack verfügte, so glaubten sie alle heimlich diesen kleinen, dunklen Geschichten. Zeitgleich taten sie aber ganz offen ein Jeder sie als Hirngespinst, als Aberglaube ab und so redete man nicht weiter darüber. Auch nicht, als es immer mehr gab, die plötzlich verrückte Träume hatten. Aber weil keiner darüber sprach, wusste auch keiner das sie neuerdings mehr und wilder träumten. 

Timo derweil brachten diese nächtlichen Gedanken um den Schlaf, obwohl er nicht wusste, ob er tatsächlich nicht durchgeschlafen hatte, oder nur träumte das er nicht durchgeschlafen hätte. Das Ergebnis war so oder so ermüdend. Jeden Tag mehr. Seiner Tischlerarbeit tat dies immer seltener wirklich gut. Zu sehr musste er sich konzentrieren, um keine Fehler zu machen. Immer öfter musste er von vorne mit seiner Arbeit beginnen, da er Dinge falsch ausführte. 
Als wenn dies schon nicht anstrengend genug war, fing er jetzt auch noch an Tagsüber Stimmen wahrzunehmen. Sie schienen fremd und zugleich sehr vertraut. So sagte er sich einerseits, es sei alles Einbildung durch Übermüdung und doch konnte er sich des Eindruckes nicht erwehren, dass dies alles real wahr. Ihm war, als stünde jemand neben ihm und flüsterte die Worte sachte in sein Ohr. Nein, sie wurden ihm hineingesungen. Immer wieder die selben Melodien, die gleichen Wortfolgen. 
Eigentlich ganz sanft und lieblich fühlte es sich an und zugleich begann er zu ahnen, das bald mehr kommen würde. 
Aber das konnte doch nicht sein! Das war nun wirklich Hokus Pokus! 
Timo schüttelte seinen Kopf und arbeitet gewissenhaft weiter, bis der Abend schon tief über das Land gekrochen war. Dann räumt er auf, wechselt seine Kleidung, nahm den grossen Schlüsselbund, schaut sich ein letztes Mal um und ging zur Tür hinaus, schloss sie und lief die Strasse entlang bis zur nächsten Ecke, bog nach rechts ab, dann nach links und war nach einer viertel Stunde Fussmarch daheim. 

Berlin, 20.02.2015 - Tom's (S.B.)

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