Nicht nur Bücher schreiben kann ich hier, sondern auch die anderer Autoren beurteilen.
Als Vielleser bekommt man mit der Zeit so etwas wie eine eigene Meinung, die selbstredend nicht die von Ihnen gewünschte oder Empfundene sein muss.
Nun also das Buch - 1913 - von Florian Illies. Erschienen im Fischer Verlag und jetzt auch als Taschenbuch erhältlich.
Kann man ein Buch über die Geschichte unserer Gesellschaft unterhaltsam schreiben?
Kann man Politik, Kultur, Klatsch und Tratsch gleichwertig in einem Buch unterbringen?
Man kann. Dieses Buch schildert in 12 Kapiteln, die für jeweils einen Monat des Jahres stehen, das Jahr 1913 und zeigt dabei ein Sittengebilde auf, das an Mannigfaltigkeit und Erstaunlichem überraschend ist, obschon vieles einem bekannt vorkommt.
Es ist ein Buch, das erfolgreich den Beweis antritt, das es gelegentlich in der Weltgeschichte so etwas wie ein Stichjahr des Umbruches gibt. In der Regel gehen wir ja von Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten aus, wo Umbrüche statt finden, die die Welt in neue Bahnen lenken.
1913 ist also ein wahrlich Ereignisreiches und vor allem folgenreiches Jahr. Es ist der Wendepunkt einer Zeit und damit der Politik, Kunst und gesellschaftlichen Normen, wie Lebensweisen.
Wie das vonstattengeht kann man in kurzen Episoden, ja Anekdoten erlesen und bekommt nicht selten dabei das Gefühl, als Folge man Romanfiguren, nur mit dem Unterschied, das alle Beteiligten die erwähnt werden echt sind und wirklich existierten. Auch sind alle Gegebenheiten die geschildert werden, nachweislich in etwa so geschehen.
Wo führt uns das hin? Es führt zu Fragen, was Hesse und Einstein gemeinsam hatten. Ob Stalin, Hitler und Trotzki sich in Wien begegnet sind, da sie alle zeitgleich sich dort 1913 aufhielten. Es führt zu der Frage, wie Picasso und Paris, wie Mätressen der Neuzeit und Künstler zusammenpassen und warum Wien, München, Paris und Berlin 1913 die Städte der Welt waren, die sich am Meisten hervor taten.
Dieses Buch ist wunderbar beim Frühstück zu lesen, in der U- oder S-Bahn, beim Spaziergang oder einem Kaffee am Nachmittag im Sonnenschein des kühlen Februars.
Mit etwas mehr als 300 Seiten im Umfang übersichtlich und Handtaschen tauglich, ist dieses Buch absolut zu empfehlen.
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