Sonntag, 15. März 2015

Die neue Sehnsucht nach den alten Märchen

Neulich bin ich wieder ein Mal nach langem im Kino gewesen und habe mir "Into the wood" angesehen. Ein Musikfilm, der ganz in der Tradition aus der Zeit von "Mary Poopins" und "The sound of music" gedreht wurde. Witzig, aber immer mit dem Fingerzeig auf die Moral, wenn dieser auch sehr warmherzig ist. 
Später im Gespräch mit Freunden stellte ich fest, das zuletzt doch viel der bekannten Schauspielerinnen in Hexenrollen eingesetzt waren. Mal ironisch, mal düster, mal traditionell. 
Selbst im TV finden sich immer öfter Neuverfilmungen der alten Märchen, vor allem denen der Gebrüder Grimm. Erst sehr traditionell, dann oft als Serie mit eher düsteren und abenteuerlichen Zügen.  Die Bücher wiederum kommen in Neuauflagen, in neuen Varianten und Versionen heraus. So werden einzelne Geschichten auch neu bebildert und man nähert sich dabei den ursprünglichen Versionen an. Denn die Märchen sind in der Nachkriegszeit durchaus mächtig gesäubert worden. Das Düstere und Unmoralische wurde weitestgehend entfernt und wird nun wieder hinzugefügt. Auch haben Schriftsteller wie Cornelia Funke sich der Märchen angenommen und sie weitergeschrieben beziehungsweise eine neue Welten mit hineingepackt. 
Woher aber kommt die Sehnsucht nach Derlei? Ist es weil es im Kino nach guten Stoffen lange nur noch die Verfilmungen von Teil 2 und 3 gab? Liegt es daran das Fantasy wieder mehr gefragt ist? Oder  kommt die Sehnsucht aus dem Tal der Wünsche nach Sicherheit? Schliesslich gab es ja einen Rückgang der Kinobesucher und des Erwerbens von Büchern. 
Wenn es letzteres ist, dann hat uns die Industrie wieder gut dahin gebracht, uns solche Verfilmungen, Bücher und damit Unterhaltung zu wünschen. 
Aber könnte es nicht auch einfach die Folge der aus der Krise erschaffenen Unsicherheitsgefühle kommen? Ob nun tatsächliche Krise oder nur gefühlte, die Sehnsucht nach Altbekanntem ist dann nicht weit. Zugleich passt es aber sicherlich auch gut für die Eingewöhnung in die neue 3D Technik, denn bekannte und einfache Stoffe bieten keine Überforderung und so kann mit Technik gepunktet werden, ohne das dabei Verluste entstehen und auch das Gruseln ist nach langer Zeit der Verbote wieder gefragt, obschon immer der Moralkodex mit einbezogen wird. Gleichzeitig ist aber auch ein Kampf von konservativen christlichen und Gottgläubigen gegenüber zeitlich aufgeklärten und offenen Interpretationen sichtbar. Märchen bieten hier einen offensichtlich unverfänglicheren und einfacherer Rahmen. 
Oder kommt das Ganze eher als Ergebnis der Tatsache, das wir immer später erwachsen werden, aber immer früher sexuell geschlechtsreif sind? Soll die Kindheit erhalten werden oder liegt es an der Generation der 30zig bis 50zig jährigen, die ihre Kindheit und Jugend wieder sucht, da sie im Korsett von Familie, Karriere und Spass gefangen sind? 
Schliesslich bieten die meisten Verfilmungen das Märchen für die ganze Familie an. Das Gleiche gilt für die Bücher, die sowohl von Erwachsenen, als auch Kindern gleichermassen genossen werden können, ohne das sich einer schämen müsste. 
Vermutlich ist es eine Mischung aus alle dem und aktuell ist nicht erkennbar, das es einen Schaden bringt. Jedoch sollten wir achtsam sein, wenn gerade Verfilmungen sich dem konservativem Kreis anheimeln, denn sie unterstützen eine Rückwärts gewande Entwicklung, welche unsere Errungenschaften der letzten Jahrzehnte wieder Schritt für Schritt rückgängig machen möchte.  
Noch aber kann man zumeist von einem unbefangenem Vergnügen sprechen und das Buch, die Bilder oder den Film einfach geniessen. 
Oder seht ihr das schon kritischer? Dann schreibt ein Kommentar oder gebt eure Meinung unter: @SebastianisLove

Licht & Liebe

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