Donnerstag, 12. März 2015

Berlin- Alexanderplatz

Als ein Kind dieser Stadt bin ich mit den Veränderungen des Viertels zwischen Alexanderplatz und Rotes Rathaus seit Jahren konfrontiert. Ein Viertel, das sich noch vor dem Krieg deutlich anders zeigte, doch anschliessend zu zerstört war und neu aufgebaut, sowie dabei neu gestaltet wurde. 
Seit dem ist es auch immer ein Streitpunkt, ob dies gut gelungen ist oder nicht. 
Wer die alten Fotos aus der Vorkriegszeit sieht, sieht ein Viertel das stark bebaut war und einen Alexanderplatz, der von Autos und Strassenbahn, Kutschen und Bussen befahren, der durchkreuzt und doch in sich geschlossen war. 
In der DDR schliesslich nahm man Strassenbahnen weg und beseitigte den Schutt und gestaltete grossen Gehwege und kleine Anlagen, baute den Fernsehturm und die Rathauspassage. Der Alexanderplatz wurde grösser, bekam einen Brunnen und die Weltzeituhr. 
Man kann sagen, das Areal war in sich geschlossen und wirkte Harmonisch, wenn auch der Begriff der Schönheit jeweils anders ausgelegt wurde, dennoch kann man kaum sagen, er hatte nicht irgendwie Charme und sein ganz eigenes Feeling. Der Alex war das Zentrum des Ostteils der Stadt und wurde als solches angenommen. 
Doch dann kam die Wende. Die Mauer fiel und der Platz war nur kurze Zeit Schauplatz für eine Revolution. Die Blicke richteten sich straff nach Westen und dem Kurfürstendamm. Doch auch dort wollte sie nicht verweilen, sie fielen fast krankhaft der alten Mitte entgegen. Dem Potsdamer Platz, dem Zentrum vor dem Krieg, als es noch eine Stadt, statt Zwei in Einem gab. Dort wurde dann wild drauf los gebaut und der Alex und seine Rathauspassagen vergessen. 
Nicht lange, denn der Zerfall und das alte Erbe sollten unsichtbar gemacht werden, ganz besonders, nachdem der Palast der Republik aus politischen Gründen (offiziell wegen Asbest) geschlossen und abgerissen wurde. Nun war auf einmal die Harmonie gestört, nun musste alles anders sein und es wurde ein Hochhaus nach dem Anderem geplant und dann verlor sich alles im Winde. Keiner wollte Investieren, doch man hatte bereits begonnen den Alexanderplatz und die Rathauspassagen zu verändern. 
Der Fall eines Viertels begann nun Wirklichkeit zu werden. Ein Fall, der noch anhält, denn obschon nun ein Hochhaus gebaut werden wird, obschon Häuser restauriert wurden, so ist der Boden des Alexanderplatzes verändert, die Strukturen neu geordnet, die Strassenbahn wieder gewonnen und doch es fehlt dem Platz an allem was ihn einst ausmachte. 
Der Charme, er wollte sich nicht wieder einstellen.  
Statt dessen die angeblichen Städtebauliche Planungen zeigen sich bisher als nicht vorhanden. 
Ein riesiger Platz will nun begrünt sein und wird es nicht. Die Strassenbahn sollte das Alte wider hereinholen und kommt nun nicht voran. Der Platz einst Treff- und Ausgangspunkt ist zum Markt verkommen. Die Rathauspassagen wurschteln vor sich her und werden immer beliebiger und das gilt auch für den Rest des Viertels. 
Neben dem Fernsehturm ein neues Haus, was andere nach sich ziehen wird. Gross und schwarz/ weiss- ein Klotz am Bein, hässlich obendrein. Jedoch genau dieses Haus verändert den Platz um den Fernsehturm und den Rathauspassagen deutlich. Nichts ist mehr vom Alten zu erkennen und grundsätzlich ist dies erst einmal nichts negatives, doch in diesem Falle wurde der Platz seines restlichen Kapitals beraubt. 
Wer jetzt dort entlang geht, am Alex ankommt, ihn hindurchgeht, dabei Primark und Saturn streift und wieder zurück zum Bahnhof geht wird kein Berlin Feeling dort bekommen. Es könnte jede beliebe Provinzstadt sein. Nichts individuelles mehr. Die Blickachsen hässlich allesamt, nur auf den Fernsehturm lässt es sich noch schauen. 
Es ist ein Trauerspiel und ein Tummelplatz der Touristen geworden. Berlin hat sich sein Herz zerdrückt, denn ein Berliner will dort immer weniger sein und das sieht man dort. Reine Durchlaufstation ist das Viertel geworden. Kein rechts, kein Links schauen. Kommerz überall. 
Der Fall aber geht weiter, denn was dort an Geschäften ist, ist Billigscheisse hoch drei. 
Als Berliner beginnt man das Gefühl zu bekommen, das man weinen möchte ob soviel Provinzialität und so wundert es nicht, wenn Berlin als Provinzstadt mehr und mehr bekannt wird. 
Berlin Alexanderplatz- wo bist du geblieben, denn ich erkenne dich nicht mehr. Wo hast du dich versteckt und wen muss ich dafür köpfen, um dich wieder zu kriegen?! 

Herr Müller, leider sind sie mit an der Misere schuld, auch wenn sie jetzt kein Wort als Bürgermeister dazu verliere wollen, doch es war ihre Abteilung die dafür verantwortlich ist. Es ist ein desaströses Zeugnis.

Es bleibt einem nur die Hoffnung, das sich alles wieder verändert, denn Berlin ist eine Stadt die sich immer verändert hat und wenn sie Weltstadt werden will, dann muss sie es auch.

Licht & Liebe
P.S. schreibt gerne Eure Meinung, Eure Wahrnehmung hier oder bei Twitter unter @SebastianisLove

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