Montag, 15. Juni 2015

Besuch beim Kaiser!

Nun gab es also endlich das Richtfest am Berliner Stadtschloss und danach am vergangenem Wochenende den freien Zutritt zum Rohbau für das öffentliche Volk, denn das hatte- vor allem das Berliner Volk- sich sehr eindeutig dafür entschieden. 
Nachdem nicht nur der Palast der Republik wegen Asbest (so die offizielle Variante- Tatsächlich war der Asbestgehalt längst nicht so hoch wie z.B. im Berliner Verlag, der in der Nähe steht und später auch saniert wurde und wo sich u.a. noch heute die Redaktion des Berliner Kurier befindet, - mit anderen Worten, die Schliessung war politisch motiviert) geschlossen und anschliessend abgerissen wurde, war es Zeit zu überdenken, was mit dem Platz geschehen sollte.
Viele Vorschläge gingen ein, während der Platz zumindest immer zur Weihnachtszeit für den Weihnachtsmarkt/ -Rummel genutzt wurde. Bald darauf zeigte sich, dass viele der Idee eines Wiederaufbaues des Stadtschlosses offen gegenüberstanden. So bildete sich die "Freunde" des Stadtschlosses und deren Bemühungen nicht nur für die Idee zu werben, sondern auch im öffentlichen Dialog festzulegen, mit welchem Konzept gebaut werden sollte. 
Zwischenzeitlich, um den Bürgern eine Chance einer Vorstellung zu geben, gaben Privatinvestoren eine riesige Menge an Geld für eine Schlossattrappe auf Leinwand aus, die auf Gerüsten aufgezogen wurde in Originalgrösse des Schlosses. (Eine ähnliche steht noch heute nebenan, um die Bauakademie von Schinkel zu sehen, welche demnächst tatsächlich auch gebaut werden soll, nach den Plänen des Originales. ) 
Unbegreiflicherweise wetterte die Presse, vor allem Bild und BZ dagegen, obschon nicht ein Cent des Steuerzahlers dafür aufging, aber vielen Berlinern ging auf, dass das Schloss nicht nur das erste Gebäude in dem Komplex war, sondern sich alle anderen Gebäuden nach dem Schloss ausrichteten. Es war das fehlende Puzzle im Gesamtteil eines in sich geplanten und gebauten Viertels. 
Kaum aber dass die Zustimmung nach oben ging, wurde den Berlinern vorgeworfen, sie wollten nur Dresden nachmachen. Dabei gehört das Stadtschloss und vor allem seine Geschichte, der Kaiser und Preussen zur Geschichte Berlins und vieler Berliner. Es war und ist Bestandteil des Stadtverständnis, auch und vor allem im Osten der Stadt, denn das Schloss ist nicht etwa gesprengt worden, weil es so sehr vom Krieg zerstört wurde, sondern weil es der Obrigkeit nicht in den Kram passte und sie zu ihrer Zeit alles weg haben wollte was an Kapitalismus und die Kaiserzeit erinnerte. Der Sozialismus war das A und O! 
Nun erhob sich aber erst recht das Stimmengewirr, das man erneut Geschichte glitten will, da man ja den Palast abgerissen hatte und damit eine Erinnerung wegfegte. 
Die Freunde des Schlosses und auch Architekten bedachten das und so hatten, bis auf einen Vorschlag, der ganz auf originalgetreue Rekonstruktion setzte, ganz wie die Dresdner Frauenkirche, immer mindestens teilweise oder ganz eine entsprechende Vorlage vorgestellt. Aus einer Handvoll wurde schliesslich der Vorschlag heraus gewählt, der heute umgesetzt wird und dieser wurde auch im Volksentscheid eingereicht und mit eben der bereits erwähnten Mehrheit zugestimmt. 
Erstaunlich ist nebenbei erwähnt, das ausgerechnet die Berliner Zeitung (nicht die BZ!) immer noch gegen das Schloss wettert. 
Nun aber konnten unabhängig von Gegnern des Schlossbaues, die Menschen am Tag der offenen Tür (oder sollte man sagen Portale) sich einen Blick im Rohbau des Gebäudes verschaffen, der am Ende von Aussen nach Originalplänen ausschaut, bis auf die Kanalseite zum Marx- und - Engels Park hin-> dort wird der Bau modern), und innen modern und den heutigen Bedingungen angepasst gebaut sein wird. Das Gebäude wird dann einmal von der Humboldt Universität gebraucht werden, dann von den Museen als Lager und Ausstellungsfläche genutzt und schliesslich bekommt der Besucher auch sein Restaurant, was das Publikum anziehen wird und dieses wird wenn ich mich recht entsinne im modernen Teil sein, der durchaus an den Palast der Republik erinnert und dort auch sein Restaurant hatte. Hier können dann viele den alten Zeiten gedenken, als man den "Glaspalast" besuchte, weil er eine tolle Bühne hatte oder gutes Essen bot, oder eben das einzige Postamt, das noch spät auf hatte. (Im Inneren war die Ausstattung fast ausschliesslich aus farbigem Glas in der Haupthalle und daher der Spitzname.) Aber einige werden sich auch daran erinnern, als nur noch der Rohbau des Palastes übrig war und sie durch die Gänge gingen. Abenteuerspielplatz kann man das schon nennen, was sich da für eine kurze Zeit befand und so hat der Platz seit der Wende schon viel erlebt. 
Hoffen wir, das wir nicht alles so schnell vergessen. 
Der Rundgang durch den Rohbau von heute gibt einem eine Idee von der Grösse, die einmal an diesem Flecke stand und ich persönlich finde die geplanten Ausführungen vielversprechend und freue mich auf das Endergebnis, dass- wenn alles gut geht- 2019 zu haben sein sollte. 
Nun aber ein paar Fotos vom Rundgang und wie immer dürft ihr mit mir gerne kommunizieren, eure Kommentare schreiben oder mich unter Twitter anschreiben unter @SebastianisLove (Sebastian Love).

P.S. En paar "Originale" sind uns dann doch noch begegnet und für's Bilder ansehen in grösserem Format- einfach anklicken. 



















Euer 
Tom Love

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